Laudamotion-Betriebsrat beklagt "Akt des Angriffs" von Geschäftsführung

08.07.2019 - 17:00 0 Kommentare

Bei der österreichischen Laudamotion herrscht dicke Luft. Arbeitnehmervetreter bezichtigen die Geschäftsführung in einem internen Schreiben, ihre Arbeit mit Tricks zu behindern und stellen seit dem Ryanair-Einstieg einen Verfall ihrer Rechte fest.

Triebwerk einer A320 von Lauda Motion. - © © Thomas Ramgraber -

Triebwerk einer A320 von Lauda Motion. © Thomas Ramgraber

Bei Laudamotion wächst die Unzufriedenheit der Belegschaft mit den Arbeitsbedingungen, unter dem neuen Eigentümer Ryanair. Vor knapp einem Jahr hat die irische Fluggesellschaft die aus der insolventen österreichischen Air-Berlin-Tochter "Niki" hervorgegangene Airline mit Sitz in Wien übernommen. In einem internen Rundschreiben, das airliners.de vorliegt, wirft der Betriebsrat von Laudamotion der Geschäftsführung eine "Vorgehensweise gegenüber den Angestellten" vor, die es nicht einmal zu schlimmsten Zeiten bei Niki gegeben hätte. Weiter heißt es, dass die Arbeit des Betriebsrates zusehends schwerer würde.

Aktuell sind es fehlende Computer und in Abwesenheit geräumte Arbeitsplätze des Betriebsrates, die für Unmut sorgen. Laut dem Rundschreiben wurde der Arbeitnehmervertretung mitgeteilt, dass für sie kein Büro mehr vorgesehen sei. Verbunden mit dem Hinweis, dass sich der Betriebsrat von der Umlage der Mitarbeiter doch eigene Büros am Flughafen Wien mieten solle und im Anschluss versuchen solle, das Geld von Laudamotion zurück zu bekommen.

Für den Betriebsrat ist das Vorgehen ein "Akt des Angriffs" und es wird die Vermutung geäußert, dass der von Ryanair gekommene Geschäftsführer (COO) Colin Casey hinter dem Vorgehen stecke. Dieser habe wohl auch die Unterstützung der restlichen Unternehmensleitung. So habe sich der andere Geschäftsführer Andreas Gruber einer Kontaktaufnahme entzogen. Das Vorgehen insgesamt widerspreche österreichischem Arbeitsrecht, weshalb man gemeinsam mit der Gewerkschaft Vida eine Klage vorbereite.

Laudamotion weist Vorwürfe zurück

Eine Sprecherin von Laudamotion erwiderte auf Anfrage von airliners.de jedoch, dass es sich bei dem nicht mehr aufzufindenden Büro um ein Missverständnis handele. Dieses wäre aufgrund von internen Umstrukturierungen schlicht ein paar meter weiter auf dem Flug gezogen, die zuständige Abteilung hätte den Betriebsrat jedoch nicht informiert. Grundsätzlich würde auch nach der Übernahme durch Ryanair das Verhältnis zu den Mitarbeitern gut sein und eine Kultur der Offenheit gelebt.

Eine Meinung, die in großem Kontrast zu den Berichten des Betriebsrates steht. Dieser stellt auf allen Ebenen einen sich im Niedergang befindliche Umgang miteinander fest. So würden mittlerweile nicht nur Piloten und Flugbegleiter "Drohbriefe" wegen Krankheitstagen bekommen, sondern auch deren vorgesetzte aus dem mittleren Management, wegen "angeblicher Verfehlungen".

© APA/dpa, Helmut Fohringer Lesen Sie auch: Lauda Motion will auch Neos für den Ausbau

Auch die Sozialpartnerschaft sei sehr viel schwieriger geworden. Einfache Vereinbarungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat etwa zu Umstationierungsregelungen seien nur nach vielen Monaten der Verhandlungen oder unter Androhung von einstweiligen Verfügungen zu treffen.

Auch diesen Vorwürfen widerspricht die Lauda-Sprecherin. Von Drohbriefen hätte sie noch nie etwas gehört und der schnelle Abschluss ein Kollektiv-Vertrages (KV, ähnlich dem deutschen Manteltarifvertrag) zeige, dass es einen direkten und von Vertrauen geprägten Draht zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmern gebe.

© APA/dpa, Helmut Fohringer Lesen Sie auch: Finanzmarkt reagiert skeptisch auf Ryanair-Geschäftszahlen

Von: dk
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