Lauda will Niki zurück 

28.08.2017 - 11:34 0 Kommentare

Ob es wirklich ein offizielles Angebot wird, ist noch nicht sicher: Formel-1-Star Niki Lauda will offenbar seine Niki zurückhaben. Im Poker um die Air-Berlin-Tochter ist er aber nicht der einzige. 

Niki Lauda im A320-Cockpit - © © dpa -

Niki Lauda im A320-Cockpit © dpa

Der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Niki Lauda will die von ihm gegründete Airline Niki zurückkaufen. Dies sagte der ehemalige Rennfahrer nun im Interview mit der österreichischen "Kronen-Zeitung" "Ich habe einen Brief an den Insolvenzverwalter von Air Berlin geschrieben, in dem ich mein Interesse an Niki bekunde." Lauda hatte Niki 2004 in Teilen und 2011 dann komplett an Air Berlin verkauft. 

Den damaligen Verkauf der Niki an Air Berlin rechtfertigt Lauda nun mit unterschiedlichen Ansichten. "Air Berlin hat mich seinerzeit gebeten, meine Flugzeuge zu verkaufen und zurück zu leasen." Da dies laut Lauda "nur kurzfristig Geld in die Kasse spüle" und man anschließend hohe Leasing-Gebühren zahlen müsse, habe er sich "geweigert, das zu machen. Denn Niki ist immer profitabel geflogen und von 22 Flugzeugen haben 20 uns gehört. Wie es sich halt für eine anständige Airline gehört." Deshalb habe er Air Berlin gesagt, dass dies Modell nur ginge, wenn sie ihm seine Anteile abkaufen würden.

Lauda gegen Lufthansa-Übernahme

Dass Lufthansa einen Großteil der Air Berlin, inklusive der Touristiktochter Niki bekommt, hält Lauda für falsch: "Die Politik vergisst wieder einmal komplett, dass wir Wettbewerb brauchen. Ein Monopol der Lufthansa wäre eine Katastrophe." Die Frage sei laut Lauda vielmehr, warum Niki nicht insolvent ist. "Weil Lufthansa ihre Slots, Düsseldorf und Berlin, behalten will. Deshalb wurde die Niki-Insolvenz hinausgezögert. Damit die Lufthansa Niki als erste übernehmen kann, ohne Insolvenz und mit den wertvollen Slots." Dass Air Berlin die Slots zu einer Tochtergesellschaft verschiebt und diese dann veräußert, hatten schon Experten spekuliert.

Ob seine jetzige Ankündigung wirklich zu einem Angebot führen wird, kann Lauda noch nicht sagen: "Ich möchte einen Blick in die Bücher werfen, um zu sehen, was sich seit meiner Zeit bei Niki geändert hat. Erst dann könnte man logischerweise entscheiden." Laut eines Medienberichts ist Lauda kurzfristig für Dienstag (29. August) zu Gesprächen bei Air Berlin eingeladen worden. 

Wer Interesse an Niki hat

Nicht nur Lauda will Niki: Die Lufthansa Group hat dem Gläubigerausschuss von Air Berlin in der vergangenen Woche ein Angebot zur Übernahme von 90 Flugzeugen vorgelegt, so ein Insider. In dem Paket sei auch Niki enthalten. Lufthansa bestätigt die Existenz dieses "Termsheet", sagte aber nichts zu dessen Inhalt. 

Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor hatte jüngst Interesse an dem Touristikflieger angemeldet. Die Niki-Maschinen vom Typ Airbus A320 passen in die Condor-Flotte und wurden wie die der Condor vor allem zu touristischen Zielen eingesetzt.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: Wer für Air Berlin bietet Überblick

Gespannt beobachtet auch der Reisekonzern Tui die Verkaufsverhandlungen. 14 Flugzeuge der Tochter Tuifly heben in einem für den Konzern attraktiven Wet-Lease-Deal für Niki ab. Bei Tui hat man kein Interesse daran, dass diese Vereinbarung hinfällig wird. 

Besitzverhältnisse unklar

Unklar ist indes, wem Niki eigentlich gehört. Air Berlin pocht im Gespräch mit airliners.de darauf, dass Niki zu einhundert Prozent in ihrem Besitz ist. Großaktionär Etihad hatte Air Berlin allerdings Niki abkaufen wollen - der Kaufpreis soll seit Anfang des Jahres überwiesen sein, behördliche Genehmigungen stehen allerdings noch immer aus. 

Etihad wollte Niki in ein Joint-Venture mit Tuifly bringen, deren Flotte schon teilweise im Wet-Lease für Niki abhebt. Die Gespräche zwischen dem Mutterkonzern Tui und dem Golf-Carrier scheiterten aber im Frühsommer. Danach erklärte Etihad, am Kauf der Niki festzuhalten. Seit Bekanntwerden der Air-Berlin-Insolvenz hat sich der Golf-Carrier nicht mehr dazu geäußert. 

© Niki Lesen Sie auch: Der geplatzte Niki-Deal und die Auswirkungen auf Air Berlin

Von: cs
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