Lauda kann nicht auf das Niki-Erbe bauen

30.01.2018 - 08:00 0 Kommentare

Ende März will Niki Lauda mit seinem Ferienflieger wieder abheben. Bis dahin müssen Abnehmer für die Kapazitäten gefunden werden. Doch an das Niki-Geschäft mit Reiseveranstaltern kann er nicht einfach anknüpfen.

Formel-1-Legende Niki Lauda kauft die von ihm gegründete Niki wieder zurück. - © © dpa -

Formel-1-Legende Niki Lauda kauft die von ihm gegründete Niki wieder zurück. © dpa

Nach dem Rückkauf seiner alten Fluggesellschaft steht Niki Lauda jetzt unter Druck: Wie der Unternehmer binnen zwei Monaten 15 Jets auf dem Flugmarkt unterbringen will, ist noch nicht absehbar. Denn die deutschen Reiseveranstalter haben ihren Bedarf für das Sommerprogramm bereits abgedeckt. Nur mit sehr guten Preisen könnte der neue Carrier, der Lauda Motion heißen soll, zusätzliche Nachfrage generieren.

"Unsere Planungen für den Sommer 2018 stehen für den Moment", bestätigte eine Sprecherin von Tui, dem weltweit größten Reiseveranstalter. Eine Vereinbarung mit der Lauda-Airline gebe es derzeit nicht, heißt es aus Hannover. Denn der Konzern will verstärkt auf eigene Flüge setzen: "Wir bauen gerade unsere eigene Flotte auf, so dass Tuifly künftig mit 32 Maschinen statt heute 25 fliegen wird."

Auch bei der Nummer zwei, Thomas Cook, heißt es: "Wir haben nahezu alle Gäste, die auf dem ursprünglichen Niki-Flugplan gebucht waren, auf alternative Flüge umgebucht."

Doch: Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, man wolle Kapazitäten bei Lauda einkaufen. Es bestehe angesichts der aktuellen Nachfrage "großes Potenzial, die zusätzliche Kapazität erfolgreich zu vermarkten".

Das Niki-Erbe in Deutschland

Nachdem Niki im März 2017 den touristischen Verkehr von Air Berlin übernommen hatte, verlagerte die österreichische Airline ihren Schwerpunkt nach Deutschland. In Wien blieben von 20 Flugzeugen nur noch fünf, zur größten Basis wurde Düsseldorf mit acht Jets, weitere Basen gab es in Hamburg, Berlin-Tegel und München. Von 13 deutschen Flughäfen startete die Airline vergangenen Sommer nach Mallorca.

Bei Schauinsland-Reisen, mit fast 1,5 Millionen Gästen jährlich die Nummer sechs im deutschen Pauschalreisemarkt, sind die Umbuchungen bereits seit Jahresende abgeschlossen. Der Duisburger Veranstalter hatte nach Unternehmensangaben etwa 15 Prozent seiner Flugkapazitäten mit Niki geplant.

Doch auch hier ist man mit Lauda im Gespräch: "Die Sommersaison läuft so gut, dass wir über Zusatzkapazitäten nachdenken."

Dennoch: Der touristische Markt hat im Großen und Ganzen nicht auf Lauda gewartet. Das stellt Okan Türkoral, Chef des Flugbrokers Involatus Carrier Consulting, fest: "Aufgrund der Lücken haben viele Carrier aufgestockt - Small Planet, Germania, wir selber mit Olympus Airways und Onur Air." Für das Veranstaltergeschäft im Sommer habe Lauda deshalb nur vereinzelt Chancen.

Er steigt zu spät ins Geschäft ein, sollte er nicht sehr gute Slots oder sehr günstige Preise haben.

Okan Türkoral, Chef von Involatus Carrier Consulting

Lauda selbst spielt bislang weitgehend mit verdeckten Karten, was sein Geschäftsmodell angeht: Er verkündete zwar, für die ersten 15 Flugzeuge sei "die Auslastung schon organisiert", und erwähnte Vorgespräche mit Thomas Cook und anderen Veranstaltern. Wo genau die Maschinen eingesetzt werden, verriet er aber nicht.

© dpa, Hans Klaus Techt Lesen Sie auch: Lauda droht der Niki-Mitarbeiterexodus

Gerald Wissel von Airborne Consulting ist sicher, dass der ehemalige Formel-1-Pilot genau weiß, was er bei der Niki-Übernahme tut. "Niki Lauda wird einen solchen Deal nicht machen, wenn er nicht schon Absichtserklärungen in der Tasche hat", meint Wissel gegenüber airliners.de.

Wet-Lease-Geschäft als Perspektive

Trotz aller Widrigkeiten rechnet er Lauda gute Chancen im touristischen Verkehr aus: "Sein großer Vorteil ist die günstige Kostenstruktur, dadurch ist er grundsätzlich interessant für die Veranstalter." Dabei müsse Lauda Motion gar nicht als klassischer Ferienflieger mit eigenem Vertrieb auftreten. Wissel hält eine andere Option für noch aussichtsreicher: Die Airline könnte zur Flugplattform für die Veranstalter werden und im Wet-Lease Flugzeuge für die Touristikkonzerne betreiben.

Lauda hatte vergangene Woche den Zuschlag für die von ihm gegründete, mittlerweile insolvente Airline bekommen. Österreichische Medien spekulieren über einen Kaufpreis von rund 50 Millionen Euro. Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits geht davon aus, dass allein diese Summe benötigt werde, um die aktuell gegroundete Airline wieder in die Luft zu bekommen.

Von: pra
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