Lauda droht der Niki-Mitarbeiterexodus

25.01.2018 - 15:10 0 Kommentare

Airline-Gründer und bald Wieder-Eigemtümer Lauda trifft die Niki-Mitarbeiter: Von der Übernahme des Tarifvertrags ist plötzlich keine Rede mehr. Auch eine andere Aussage von ihm ist laut airliners.de-Recherchen nicht haltbar.

Hartmut Mehdorn (li) und Niki Lauda (re) während einer Pressekonferenz in Wien am 8.11.2011 - © © dpa - Hans Klaus Techt

Hartmut Mehdorn (li) und Niki Lauda (re) während einer Pressekonferenz in Wien am 8.11.2011 © dpa /Hans Klaus Techt

Niki-Neueigentümer Lauda muss offenbar um fliegendes Personal fürchten. Etwa 90 Prozent der jetzigen Mitarbeiter hätten sich schon nach neuen Arbeitsplätzen umgesehen oder hatten schon gewechselt, sagte Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits nun.

Bei der Airline sind noch rund 800 Menschen angestellt, vor allem in Wien. Aktuell fliegt Niki nicht, Lauda will die von ihm gegründete, 2011 komplett verkaufte und bald wieder erlangte Airline im März wieder in die Luft bringen.

Lauda kommt zum Mitarbeitertreffen

Viele Mitarbeiter seien skeptisch ob ihres bald neuen Arbeitgebers, so Tankovits im "ORF". So hätte es bereits vor dem Zuschlag an Lauda eine Petition gegen den Österreicher gegeben. Vielen sei noch in Erinnerung, wie er sie früher mit Leiharbeitsverträgen regelrecht ausgebeutet habe, heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Lauda weiß offenbar um den Umstand, dass das Personal durch die kurzlebigen Übernahmepläne der Vergangenheit (Lufthansa/Eurowings, Vueling) arg gebeutelt ist und skeptisch in die Zukunft blickt, denn bei einer Betriebsversammlung in Wien stellte er sich seiner potenziellen Belegschaft.

Tarifvertrag will er wohl doch nicht übernehmen

In den vergangenen Tagen hatte Lauda mehrfach angekündigt, alle Mitarbeiter übernehmen zu wollen und auch den laufenden Kollektivvertrag bei Niki anzuerkennen.

Diesen schloss die österreichische Gewerkschaft GPA 2013 beim Ferienflieger ab. Aus Gewerkschaftskreisen erfuhr airliners.de, dass Lauda selbst die damaligen Verhandlungen immer torpediert hatte.

Auf der Mitarbeiterversammlung sicherte Lauda den Beschäftigten zwar reguläre Arbeitsverträge zu (Leiharbeit solle es bei Niki nicht mehr geben), allerdings bekannte er sich nicht zum GPA-Tarifvertrag. Bei der Übernahme eines insolventen Unternehmens steht es dem Käufer nach österreichischem Recht frei, die tarifrechtlichen Verpflichtungen zu übernehmen.

Mitarbeiter sind "skeptisch"

Lauda sagte weiter, er würde das abgeschlossene Tarifwerk nicht kennen. Für Karl Dürtscher von der GPA nicht sehr einleuchtend, da das Dokument öffentlich einsehbar ist.

© dpa, Lilli Strauss/AP Lesen Sie auch: "Insolvenzverwalter haben grenzübergreifend effizient gearbeitet" Kurzinterview

Die Reaktion der Niki-Belegschaft auf den Auftritt von Lauda blieb zwiespältig. Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sagte: "Das Mindeste ist, dass der Status Quo erhalten bleibt." Einzelverträge anstatt eines Tarifvertrages lehnte er ab. Zur Stimmung unter der Niki-Mannschaft sagte er: "Skeptisch trifft es am besten."

Bezahlung bei Niki

Lauda hatte zuvor in einem Interview gesagt, dass er überzeugt davon sei, dass dass "niemand wechseln möchte". Die Lufthansa-Tochter Eurowings etwa biete "keine besseren Bedingungen als wir", sagte Lauda.

Auch Eurowings stellt nach der Übernahme unter anderem der Air-Berlin-Tochter LGW und vielen Maschinen, die die ehemalige Konkurrentin betrieben hat, hunderte neuer Mitarbeiter ein. Ursprünglich sollte das neue fliegende Personal zu den deutschen Konditionen bei Eurowings Europe in Österreich unterkommen - allerdings ohne Tarifbindung.

Der Vergleich mit Eurowings

Durch die Mitte Dezember mit Verdi und der deutschen Vereinigung Cockpit (VC) geschlossenen Tarifverträge, können ehemalige Air Berliner aber auch bei Eurowings in Deutschland angestellt werden. Eurowings-Operations-Chef Michael Knitter kündigte dies im Gespräch mit airliners.de an.

Die Bezahlung bei der Niki ist heute noch höher als bei der Eurowings.

Airline-Gründer Niki Lauda zu "ZiB2"

Kenner der Tarifverträge widersprechen der Darstellung Laudas: Nicht Niki zahle besser, sondern Eurowings. Den Unterschied beziffern sie auf durchschnittlich 20 Prozent.

Kaufpreis wohl bekannt

Lauda übernimmt über seine Beteiligungsgesellschaft Lauda Motion für einen bislang unbekannten Kaufpreis die von ihm gegründete Airline Niki. Mit insgesamt 15 Flugzeugen soll der Carrier ab der kommenden Flugplanperiode erneut abheben. Die verfügbaren Sitzplatzkontingente will Lauda an Thomas Cook (Condor) und andere Reiseveranstalter verkaufen.

Der österreichische Gläubigerausschuss hatte Lauda einstimmig den Zuschlag im Bieterrennen um die insolvente Niki gegeben. Damit war der in Deutschland ausgehandelte Deal mit der spanischen Billigfluglinie Vueling geplatzt.

Übernahme

Nachdem nun auch der eilig einberufene deutsche Gläubigerausschuss des Niki-Sekundärinsolvenzverfahrens dem Verkauf an Airline-Gründer Lauda zugestimmt hat, kann es nun an die genaue Vertragsausgestaltung gehen. Laut österreichischem " Kurier" bezahlt Lauda knapp 50 Millionen Euro für Niki. Das Geld komme komplett aus Laudas Privatvermögen und bestehe aus Kaufpreis sowie Anschubkosten.

Außerdem muss die Übernahme nach airliners.de-Informationen nicht bei der EU-Kommission angemeldet werden; eine Überprüfung durch die österreichischen Kartellbehörden reicht in diesem Fall aus, da beide Unternehmen zusammen (Niki und Lauda Motion) umsatzmäßig nicht sehr groß sind, ist zu hören. Der Antrag wird bereits ausgearbeitet.

© dpa, Barbara Gindl Lesen Sie auch: Entscheidung: Gründer Lauda darf Niki kaufen

Von: cs
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