Hintergrund

Langer Weg zum Mega-Streik bei der Lufthansa

20.10.2015 - 12:23 0 Kommentare

Die Tarifkonflikte bei der Lufthansa bleiben ungelöst. Nun drohen die Flugbegleiter mit Streik. Doch ihr Chef ist nicht nur mit seiner sanften Tour gescheitert. Er hat sich auch Feinde bei den anderen Gewerkschaften gemacht, mit denen er jetzt zusammen streiken will.

Ein Sperrschild steht am Check-In der Lufthansa. - © © dpa - Hendrik Schmidt

Ein Sperrschild steht am Check-In der Lufthansa. © dpa /Hendrik Schmidt

Droht bei der Lufthansa der Mega-Streik? Nach bislang 13 Streikrunden der Piloten stehen nun die Verhandlungen für die Flugbegleiter vor dem Scheitern. Ihre Gewerkschaft Ufo will sich mit den anderen Luftverkehrsgewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit (VC) über ein gemeinsames Vorgehen abstimmen. Ein Dauerstreik, abwechselnd befeuert von den verschiedenen Berufsgruppen, wäre ein Horror-Szenario für Lufthansa und ihre Passagiere. Allerdings müssten die Arbeitnehmervertreter zuvor tiefe Gräben untereinander zuschütten.

Wie schnell kann Ufo streiken?

Ufo-Chef Nicoley Baublies will aus rechtlichen Gründen mindestens bis zum 1. November mit einem Arbeitskampf warten. Die Gespräche mit der Lufthansa waren bis zu diesem Termin befristet. Eine gültige Urabstimmung der Ufo-Mitglieder zum Streik liegt vor, so dass hier keine Verzögerung eintreten müsste. Allerdings hat die Gewerkschaft im laufenden Tarifkonflikt für die rund 19.000 Flugbegleiter ihre Streikdrohungen erkennbar sehr taktisch eingesetzt. Im Sommer hat Ufo der Lufthansa schon mit einer unberechenbaren Streikserie über Monate hinweg gedroht, um dann doch wieder in Verhandlungen einzusteigen.

Wie wahrscheinlich ist ein gemeinsames Vorgehen mit den Piloten?

Auf den ersten Blick scheint es auf der Hand zu liegen, dass die drei verschiedenen Luftverkehrsgewerkschaften bei der Lufthansa zusammenarbeiten. Lufthansa und ihre Kunden könnten mit abwechselnden Streiks verschiedener Berufsgruppen schmerzlich am Boden gehalten werden. Die VC ist aber sehr verärgert darüber, dass Ufo während der Pilotenstreiks in den vergangenen Monaten damit gedroht hat, über die neue, von ihr dominierte "Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL)" selbst Abschlüsse für Lufthansa-Piloten anzustreben. Baublies wurde intern als Handlanger der Lufthansa bezeichnet. Es klafft also ein tiefer Graben.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Piloten sehen neue Luftverkehrs-Gewerkschaft weiter skeptisch

Der IGL-Plan richtet sich zudem explizit gegen Verdi, die perspektivisch aus dem Lufthansa-Konzern gedrängt werden soll. Auch von dieser Seite kann UFO also keine Unterstützung erwarten.

Wie streikbereit sind die Piloten?

Nach 13 ergebnislosen Streikrunden und der schmerzlichen Niederlage vor dem hessischen Landesarbeitsgericht hat sich Cockpit eine Streikpause genommen. Das eigentliche Streikziel, die Verhinderung der Billigschiene Eurowings, darf nach dem Urteil nicht mehr genannt werden und scheint auch wegen des entschlossenen Vorgehens der Lufthansa nicht mehr erreichbar. VC verhandelt daher im Moment strikt zum eingegrenzten Tarifthema der Übergangsversorgung von rund 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Dieser Kernbereich des Konzerns wird nach den Ankündigungen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr schrumpfen, solange keine tarifliche Lösung gefunden ist.

Warum verhandelt Lufthansa eigentlich mit drei Gewerkschaften getrennt?

Das ist historisch gewachsen. Zunächst hatte die VC im Jahr 2001 einen ersten separaten Tarifvertrag für die Piloten erreicht. Später gelang der Ufo für die Flugbegleiter das Gleiche. Verdi vertritt allerdings noch die zahlenmäßig stärksten Gruppen vor allem bei der Technik und den Bodendiensten. Die Regelungen zu Übergangs- und Betriebsrenten unterscheiden sich zwischen den Berufsgruppen teils deutlich, was eine Gesamtverhandlung erschwert. Lufthansa hat die entsprechenden Verträge einseitig gekündigt und getrennt Verhandlungen aufgenommen.

Gibt es Unterschiede zwischen den gewerkschaftlichen Forderungen?

Die Gewerkschaften sind sich keineswegs einig, wie sie zur Reform der Betriebs- und Übergangsversorgungen stehen. VC und Verdi haben die von Lufthansa gewünschte Umstellung auf Festbeiträge zu den Betriebsrenten bislang strikt abgelehnt. Ufo wollte hingegen die festen Rentenzusagen aufgeben und verhandelte nur noch über die Höhe der Zuschüsse. Das Risiko niedriger Zinsen müssten dann künftig die Flugbegleiter tragen.

Welche Rolle spielt bei den Flugbegleitern das Eurowings- Billigkonzept?

Anders als die Piloten war Ufo auch nicht grundsätzlich gegen die Gründung der neuen Billigschiene. Schmerzlich ist für die Gewerkschaft allerdings die geplante Verlagerung von bisherigen Germanwings-Jets an eine österreichische Lufthansa-Tochter außerhalb des deutschen Tarifrechts. Hier verlangte die Gewerkschaft bislang vergeblich eine Zusicherung der Lufthansa, soziale Mindeststandards einzuhalten. Der Konzern will die neuen Fluggesellschaften unter dem Dach der Eurowings möglichst tariffrei halten, um Kostennachteile gegenüber den europäischen Wettbewerbern zu verhindern.

Von: dpa
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