Landräte sorgen sich um Flughafenstandort Paderborn/Lippstadt

22.03.2019 - 07:01 0 Kommentare

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt hat in der Vergangenheit einige Rückschläge einstecken müssen. Nun sehen die Eigentümer den Flughafen in seiner Existenz bedroht und wenden sich an die Landes- und Bundespolitik.

Tower am Flughafen Paderborn/Lippstadt. - © © Flughafen Paderborn-Lippstadt -

Tower am Flughafen Paderborn/Lippstadt. © Flughafen Paderborn-Lippstadt

Die Anteilseigener des Flughafens Paderborn/Lippstadt sorgen sich um die Zukunft des Airports. Jetzt haben sich die Landräte von Höxter, Gütersloh, Hochsauerlandkreis, Lippe, Paderborn und Soest sowie der Oberbürgermeister von Bielefeld in einem "Brandbrief" an ihre jeweiligen Landes- und Bundestagsabgeordneten gewandt.

Darin werden die Abgeordneten aufgefordert, ihren politischen Einfluss geltend zu machen, um gezielte Kostenentlastung für den "Heimathafen" zu erreichen. Die Luftverkehrsinfrastruktur müsse in allen Teilen des Landes gesichert werden. Das müsse sich im anstehenden neuen Luftverkehrskonzept für Nordrhein-Westfalen (NRW) widerspiegeln.

© dpa, Ina Fassbender Lesen Sie auch: Alle NRW-Flughäfen können sich weiterentwickeln

Der Mülheimer Bundestagsabgeordnete Arno Klare (SPD) äußerte sich auf airliners.de-Anfrage zum "Brandbrief". Die EU habe 2014 eine Zehnjahresfrist bis 2024 gewährt, in der die Flughafengesellschaften die Eigenwirtschaftlichkeit erreichen müssten. "Das ist in der Tat existenzbedrohendes Damoklesschwert", so Klare, der im Bundestags-Verkehrsausschuss sitzt und Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion ist.

Laut Klare bedürfe es wahrscheinlich einer "disruptiven" Strategie, "um das Fallen des Schwerts zu vermeiden." Dieser Strategie müsse zugrunde liegen, die Standorte möglichst zu erhalten. "Sie entfalten im Umfeld durchaus messbare katalytische ökonomische Wirkung." Klare verweist auf Modelle in den Niederlanden, die aktuell auf Tauglichkeit in Deutschland geprüft würden.

© Flughafen Paderborn/Lippstadt, Lesen Sie auch: "Die Bedeutung dezentraler Flugplätze wird oft unterschätzt" Interview

In NRW seien die großen Flughäfen überlastet. Daher schlagen die Lokalpolitiker als Lösung vor, dass Regionalflughäfen wie Paderborn vor dem Hintergrund prognostizierter Wachstumsraten deutlich entlastend wirken könnten.

In dieser Entwicklung sieht auch der Flughafen selbst eine Zukunftsperspektive. "Hieraus kann sich eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive auch für den Paderborn-Lippstadt Airport ergeben", teilte der Airport auf Anfrage von airlliners.de mit. Auch sonst würde man die formulierten Forderungen im Wesentlichen unterstützen.

Gesellschafter des Airports sind die Kreise Paderborn (56,4 Prozent), Soest (12,3 Prozent), Höxter (3,9 Prozent), Gütersloh (7,8 Prozent), Lippe (7,8 Prozent) und der Hochsauerlandkreis (3,9 Prozent) sowie die Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld (1,6 Prozent) und Lippe zu Detmold (0,4 Prozent) sowie die Stadt Bielefeld (5,9 Prozent).

Laut einer Pressemitteilung des Kreis Paderborn wird in dem Schreiben zudem angeprangert, dass die "in Deutschland massiv verzerrten Wettbewerbsbedingungen" die Existenz des Paderborner Flughafens gefährden.

Damit spielen die Regionalpolitiker vor allem auf die Regelung zur Kostenübernahme für die Flugsicherung an. Paderborn/Lippstadt muss als Regionalflughafen seine Flugsicherungsdienstleistungen komplett selbst tragen. Das führe in Paderborn zu Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro, schreiben die Eigentümer.

Diese Praxis steht im Gegensatz zu den Regelungen an den 16 internationalen Flughäfen in Deutschland. Hier übernimmt die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) die Aufgabe. In den meisten Bundesländern gilt genau ein Flughafen als „international“, darunter durchaus auch klassische Regionalflughäfen wie beispielsweise Erfurt.

In der Vergangenheit hatten sich auch andere nicht als international eingestufte Regionalflughäfen über diese Ungleichbehandlung beschwert. In Paderborn fordern die Anteilseigner nun, den Airport ebenfalls zum internationalen Flughafen zu erklären.

Flughafen will sich keinen Verkehr "kaufen"

Gleichzeitig müsse auch die "teilweise mit Steuergeldern finanzierte Rivalität zwischen den Flughäfen um Fluglinien und Flugreisende" gestoppt werden, heißt es in dem Schreiben. Das sieht auch der Flughafenchef Marc Cezanne so.

"Lassen Sie uns zehn Millionen Euro Verlust machen, und wir hätten im Jahr wieder locker 1,2 Millionen Passagiere", sagte Czesanne vor einiger Zeit vor dem Wirtschaftsausschuss des Kreises Paderborn in Anspielung auf hohe Marketingzuschüsse an anderen NRW-Flughäfen.

Passagierzahlen am Flughafen Paderborn/Lippstadt
Passagiere in Tausend
2005 1343
2006 1272
2007 1234
2008 1128
2009 967
2010 1016
2011 968
2012 871
2013 795
2014 764
2015 772
2016 703
2017 740
2018 736

Die Kurve zeigt die Entwicklung der Passagierzahlen von 2005 bis 2018 in gerundeten Werten. Quelle: Unternehmensangaben

Laut Gesellschaftervertrag darf die Unterdeckung in Paderborn maximal 2,5 Millionen Euro pro Jahr erreichen. Wie hoch die Verluste sind, die der Airport 2018 eingefahren hat, ist noch nicht veröffentlicht. Im Jahr 2017 lag der Flughafen mit 2,8 Millionen Euro Millionen im Minus.

Jetzt fordern die Anteilseigner, dass sich der Bund auch an den gestiegenen Kosten für die hoheitlichen Luftsicherheitskontrollen stärker beteiligen soll. Das sei bereits im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD beschlossen worden. "Diese Maßnahme sollte zeitnah an allen deutschen Flughäfen umgesetzt werden", schreibt der Landrat des Kreises Paderborn Manfred Müller.

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt musste in der Vergangenheit einige Rückschläge hinnehmen. So brach zuletzt ein Teil der Verbindungen durch die Insolvenzen verschiedener Carrier wie Small Planet weg. Air Berlin hatte sich zuvor schon früh aus Paderborn zurückgezogen. Zusätzlich kündigte auch Adria Airways ihren Rückzug vom Paderborner "Heimathafen" an. Trotzdem konnte der Flughafen die Passagierzahlen in den vergangenen zwei Jahren nahezu konstant halten.

Von: dh, br
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