Landesverkehrsminister schließt Kündigungen am Flughafen Hahn aus

20.08.2013 - 16:37 0 Kommentare

Vieles muss sich am angeschlagenen Flughafen Hahn ändern, damit er endlich rentabel wird. Das sieht auch ein Sanierungspapier der Geschäftsführung vor. Kündigungen gebe es aber nicht, versichert Verkehrsminister Lewentz. Von der Opposition kommt Kritik.

Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz

Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz
dpa - Fredrik von Erichsen

Mehrere Boeing 737-800 der Ryanair stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn

Mehrere Boeing 737-800 der Ryanair stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn
© dpa - Thomas Frey

Der Tower des Flughafens Hahn im neuem Look.

Der Tower des Flughafens Hahn im neuem Look.
© dpa - Thomas Frey

Heinz Rethage, Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens Hahn, steht vor einer Boeing 737 der Ryanair

Heinz Rethage, Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens Hahn, steht vor einer Boeing 737 der Ryanair
© dpa - Thomas Frey

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) und der Hahn-Betriebsrat sind sich einig, dass der hochdefizitäre Hunsrück-Airport langfristig weitgehend ohne Steuergeld auskommen soll. Das sei das Ergebnis eines Treffens beider Seiten am Montag, sagte ein Ministeriumssprecher in Mainz. Um das Ziel zu erreichen, sind laut Lewentz Veränderungen am Hahn unumgänglich. Allerdings werde man den Weg nur gemeinsam mit den Beschäftigten gehen.

Der Minister sagte nach dem Treffen: «Ich bin positiv erstaunt, dass der Betriebsrat mögliche Synergien mit untersuchen will.» Betriebsbedingte Kündigungen schloss Lewentz trotz eines langfristig geplanten Stellenabbaus aus: «Das ist mit mir nicht zu machen, das wird es nicht geben.»

Sanierungskonzept soll Ende August vorgestellt werden

Im Kern ging es um das von Flughafen-Geschäftsführer Heinz Rethage erarbeitete Sanierungskonzept, das am 29. August dem Aufsichtsrat vorgestellt werden soll. Demnach soll der Airport von 2017 an wieder schwarze Zahlen schreiben. 28 von 378 Jobs sollen abgebaut werden. Mit der Zusammenarbeit etwa mit dem Landesbetrieb Mobilität sollen weitere 25 Stellen eingespart werden können. Zudem sieht das Papier höhere Einnahmen aus Parkgebühren, Gastronomie, Einzelhandel und Gebühren für Airlines vor.

Lewentz sagte, dass bislang das Land bei finanziellen Engpässen am Flughafen wiederholt rasch eingesprungen sei. Dieser Kurs finde aber jetzt auch wegen EU-rechtlicher Vorgaben unweigerlich ein Ende. Zu dem angeblich teils von Ängsten geprägten Betriebsklima am Hahn sagte der Minister: «Ich hoffe, dass ich da eine Mäßigung hinbekomme.»

Mehr als zehn Interessenten für einen Einstieg am Hahn

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat nach eigenen Angaben mit mehr als zehn Interessenten über einen Einstieg am Hahn gesprochen. Dabei habe es sich vor allem um Flughafenbetreiber im In- und Ausland gehandelt. Die offizielle Neuausschreibung des Hahns solle möglichst im ersten Quartal 2014 starten. Von seinem Mehrheitsanteil am Flughafen Hahn würde sich Rheinland-Pfalz gern trennen. Dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium geht die Investorensuche nicht schnell genug.

Lewentz sagte, wenn der Flughafen künftig wieder 2,9 Millionen Passagiere jährlich verbuchen würde, wäre das gut. In diesem Jahr werden dort 2,5 Millionen Fluggäste erwartet. Der jetzige Vertrag mit dem Billigflieger Ryanair, der im Passagierbereich fast ein Monopol am Hahn besitzt, läuft nach den Worten des Ministers 2015 aus und muss daher bald neu verhandelt werden. Für ein Abwandern der irischen Airline gebe es aber keine Hinweise. Allerdings verlangt der Flughafen nach Meinung der Lufthansa zu wenig Gebühren von Ryanair. Diese Streitfrage beschäftigt derzeit die Justiz.

CDU fordert grundlegend neues Geschäftsmodell

Kritik kam von der oppositionellen CDU: Es sei zweifelhaft, dass eine engere Anbindung des Flughafens an Landesbetriebe positive Wirkungen habe, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Landtag, Alexander Licht, einer Mitteilung zufolge. Auch das «Drehen an der Gebührenschraube» sei problematisch. Dadurch könnte der Flughafen Passagiere und Airlines vergraulen. Nötig sei ein grundlegend neues Geschäftsmodell.

Der Airport gehört zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Seit längerem schreibt er rote Zahlen und leidet unter rückläufigen Fracht- sowie Passagierzahlen. 2012 konnte der Hunsrück-Airport besser abschließen als noch im Jahr zuvor. Dank Einmaleffekten stand am Ende nur ein "kleineres" Minus zu Buche. Doch auch das belief sich auf rund 5,7 Millionen Euro.

Von: dpa, airliners.de
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