Kritik an zu engem BER-Zeitplan nach erster Terminabsage

08.01.2016 - 15:42 0 Kommentare

Der Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafen BER im Juni 2012 beruhte laut einem Projektsteuerer auf einem zu engem Zeitplan. Und auch die Kostenkontrolle war nicht ausreichend, hieß es heute im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

 Kabel hängen von einer Decke im Terminalgebäude des Hauptstadtflughafens

Kabel hängen von einer Decke im Terminalgebäude des Hauptstadtflughafens "Willy Brandt" (BER). © dpa /Patrick Pleul

Die Probleme des neuen Hauptstadtflughafens beruhen aus Sicht von Beteiligten auch auf mangelhaftem Controlling und zu eng gesetzten Terminen. Die Kosten sind demnach über Jahre nicht ausreichend kontrolliert worden. Eine mitlaufende systematische Kostenprognose sei erst 2010 eingeführt worden, sagte der Professor für Bauwirtschaft, Franz Diemand, am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Zwar sei der Kostenstand ermittelt worden, die Hochrechnung bis zum Bauende sei jedoch unzureichend gewesen, sagte Diemand, der das System im Auftrag des Flughafens bis 2012 ergänzte. "Es war eigentlich zu spät", bemerkte der Ingenieur. In der Zwischenzeit wurde der für 2011 geplante Eröffnungstermin für den drittgrößten deutschen Flughafen abgesagt.

Die Kosten hatten sich seit Baubeginn 2006 von zwei Milliarden Euro auf drei Milliarden 2012 erhöht. Dazu trugen auch Erweiterungen des Projekts und Beschleunigungsversuche bei. Aktuell gibt die Flughafengesellschaft die Kosten mit 5,4 Milliarden Euro an.

"Man hat ja gewusst, wie viele Dinge da noch im Argen lagen."

Der spektakulär geplatzte zweite Eröffnungstermin im Juni 2012 war aus Sicht des Projektsteuerers Rolf Peterhänsel von Anfang an zu ehrgeizig gesetzt. Als der 2011er-Termin abgesagt worden war, hätten die Bauherren dem Projekt trotz Warnungen nur sieben weitere Monate Zeit gegeben, sagte der Architekt im Ausschuss. "Wir haben den Vorschlag 17 Monate gemacht, um in den März 2013 zu gehen", erinnerte Peterhänsel an die internen Debatten im Jahr 2010. "Man hat ja gewusst, wie viele Dinge da noch im Argen lagen."

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Der gebremste Beschleuniger

Mittlerweile sind vier Eröffnungstermine für den Großflughafen geplatzt. Derzeit planen die Betreiber eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017. Angesichts des wachsenden Zeitdrucks wurden der Zwei-Schicht-Betrieb und die Sechs-Tage-Woche ausgeweitet. Peterhänsel prüfte auf der Baustelle für den Projektsteurer WSP/CBP seit 2005 die Pläne der Objektplaner. Er war nach eigenen Angaben auch beim Bau des Terminals 1 am Flughafen München beteiligt gewesen.

Dort hätten die Baufirmen mit einem gemeinsamen Kraftakt in den letzten Wochen vor dem Termin 1992 die Eröffnung noch möglich gemacht - in Schönefeld sei das anders gewesen. "Die TGA(Technische Gebäudeausstattung)-Firmen waren nicht ganz so bereit, die Dinge so mitzutragen, dass alle an einem Strang ziehen." Es habe Kompromissbereitschaft gefehlt, auch bei den Genehmigungsbehörden. Das sei in München anders gewesen: "Eineinhalb Jahre nach der Eröffnung haben wir noch Brandversuche gefahren."

Von: gk, dpa
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