Easyjet und Lufthansa teilen sich wohl Air Berlin

16.08.2017 - 08:00 0 Kommentare

Nach der Insolvenz von Air Berlin beginnt nun das Tauziehen um die Vermögenswerte der Fluggesellschaft. Einem Medienbericht zufolge sollen Easyjet und die Lufthansa Group den Carrier unter sich aufteilen. Eine andere Airline legt Beschwerde bei den Wettbewerbshütern ein.

Flugzeug der Air Berlin. - © © dpa - Marcel Kusch

Flugzeug der Air Berlin. © dpa /Marcel Kusch

Eine Komplettübernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa Group wird nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" nicht möglich sein. Neben der Lufthansa solle auch die britische Billigfluggesellschaft Easyjet einen Teil des Berliner Carriers übernehmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus Branchenkreisen.

Das Bundeskartellamt sei vorab informiert worden und habe die EU-Kommission in diesem Zusammenhang kontaktiert, heißt es. Experten sagten zu airliners.de, dass die Brüsseler Wettbewerbsbehörde über die Zukunft von Air Berlin entscheiden werde.

"Im Kern" solle Air Berlin zerschlagen werden, sagte ein Branchenkenner der "Welt". Es hänge vom Ausgang der kartellrechtlichen Verhandlungen ab, welche Teile genau an die beiden Airlines gehen. Eine Übernahme von Air-Berlin-Teilen durch die Lufthansa müsse in jedem Fall fusionskontrollrechtlich gründlich geprüft werden, sagte der Bonner Jurist Daniel Zimmer, der bis 2016 Chef der Monopolkommission war.

Zimmer widerspricht Dobrindt

"Soweit eine Veräußerung an Wettbewerber eine lebhaftere Konkurrenz verspricht, werden die Behörden einer Übernahme durch die Lufthansa nicht zustimmen." Nur bei einer sogenannten Sanierungsfusion - wenn das Air-Berlin-Geschäft ohnehin der Lufthansa zugefallen wäre - komme eine andere Bewertung in Betracht. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuvor erklärt, die Bundessregierung hege keinerlei kartellrechtliche Bedenken gegenüber der Übernahme von Air-Berlin-Teilen durch die Lufthansa.

© dpa, Kay Nietfeld Lesen Sie auch: Air Berlin ist insolvent

Zimmers Vorgänger Justus Haucap fürchtet Folgen für die Kunden: "Wenn die Lufthansa zusätzliche Start- und Landerechte an begehrten Flughäfen wie Düsseldorf oder Frankfurt erlangen würde, wäre mit erheblichen Preissteigerungen zu rechnen", sagte Haucap.

Ryanair legt Klage ein

Easyjet-Konkurrentin Ryanair ist bei der Filetierung des Berliner Carriers offenbar außen vor. Der irische Billigflieger hatte die Rettungsmaßnahmen des Bundes kritisiert. Der Insolvenzantrag sei "ganz eindeutig" mit dem Ziel arrangiert worden, dass Lufthansa die Air Berlin übernehmen könne, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Dies werde gegen alle deutschen und EU-Wettbewerbsregeln verstoßen.

"Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Regierung unmittelbar in diesen Verhandlungen involviert ist, scheint es unwahrscheinlich, dass das Bundeskartellamt aktiv wird", teilte der Low-Cost-Carrier mit. Ryanair legte Beschwerde beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission ein. "Jetzt unterstützt sogar noch die deutsche Regierung diesen von Lufthansa initiierten Deal mit staatlichen Beihilfen in Höhe von 150 Millionen Euro, sodass Lufthansa Air Berlin übernehmen kann und die Preise für Inlandsflüge noch teurer werden, als sie es ohnehin schon sind."

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Reaktionen zu Air-Berlin-Insolvenz: "Wie eine heiße Kartoffel"

Air Berlin hatte am Vortag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes noch für etwa drei Monate gesichert. Jetzt gehen die Sanierungsbemühungen für die deutsche Fluggesellschaft weiter. Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandelt mit Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf von Teilen der Airline.

Das Insolvenzverfahren für Air Berlin beginnt nach Erwartung der Airline am 1. November. Wie der neue Generalbevollmächtigte, Frank Kebekus, sagte, bekommen die Beschäftigten aber im August, September und Oktober wie gewohnt ihr Gehalt. "Damit sie nicht bis zum November warten müssen, finanzieren wir das Insolvenzgeld mit einer Bank vor."

Von: cs, AFP, dpa, dpa-AFX
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