Kredit: Alitalia soll mehr Zeit bekommen

09.10.2018 - 14:10 0 Kommentare

Einen Verkauf der Alitalia peilt der Staat weiter für den Herbst an - doch die Tilgung des staatlichen Kredits soll aufgeschoben werden. Indes zeichnet sich ein "Hintertürweg" für die präferierte "italienische Lösung" ab.

Alitalia-Maschinen am Boden. - © © dpa -

Alitalia-Maschinen am Boden. © dpa

Italien will Alitalia offenbar mehr Zeit für die Rückzahlung des gewährten Übergangkredits gewähren. Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf eine Regierungsquellen berichtet will Rom die Frist für die Tilgung des Darlehens um sechs Monate verschieben. Bislang gilt, dass Alitalia die rund 900 Millionen Euro Mitte Dezember überweisen muss.

Der Kredit war im Frühjahr vergangenen Jahres gewährt worden, damit Alitalia trotz Insolvenz den Flugbetrieb nicht einstellen musste und Zeit hat, einen Käufer zu suchen. Seit dem war das Darlehen, das anfangs nur 500 Millionen Euro umfasste, aufgestockt worden. Inzwischen ermittelt auch die EU-Kommission wegen des Verdachts der unerlaubten staatlichen Beihilfe.

Wie viel Einfluss bekommt der Staat?

Doch die Suche nach einem Käufer für den ehemaligen Staatscarrier gestaltet sich als schwierig. Denn die neue, populistische Regierung Italiens hatte im Frühsommer dieses Jahres viele potenzielle Interessenten verschreckt, als sie sagte, dass 51 Prozent der Airline in öffentlicher Hand bleiben sollen.

Im August stellte Rom sogar eine "rein italienische Lösung" für die kriselnde Airline vor. So sollten die italienische Post, die staatliche Investitionsbank und die staatliche Eisenbahn zusammen 100 Prozent der Krisen-Airline übernehmen. Die A kteure erteilten dem Plan aber eine Absage.

Eisenbahn an Investment interessiert

Vergangene Woche kam dann die staatliche Eisenbahn als Mehrheitseigentümer ins Gespräch. Zwar wurde nicht deutlich, welchen Anteil "Ferrovie dello Stato Italiane" übernehmen wolle, aber Beobachter lobten, dass sich nun immerhin ein Staatsunternehmen für Alitalia interessiere.

"Eine solche Verbindung wäre für die Bahn eine Option", zitieren mehrere Medien Bahn-Chef Gianfranco Battisti. So könne man insbesondere bei Tickets und Routen von Synergieeffekten profitieren.

Medien: "Hintertürweg" im Gespräch

Nun arbeitet die Regierung in Rom laut eines Berichts der Zeitung "Il Sole 24 Ore" an einem "Hintertürweg", sodass ein ausländischer Investor doch noch zum Zug kommen könnte: 85 Prozent sollen öffentliche Unternehmen übernommen, die übrigen 15 Prozent verbleiben beim Staat. Allerdings behalte sich Rom vor, den Anteil gegebenenfalls ins Ausland zu verkaufen.

Der Verkauf sollte eigentlich bis Ende April abgeschlossen sein, wurde aber aufgrund des Regierungswechsels verschoben. Industrieminister Luigi di Maio hatte vergangene Woche angekündigt, dass im November der Kaufvertrag unterschrieben werde.

Ursprünglich hatten unter anderem Easyjet, Lufthansa und Wizz Air Interesse angekündigt. Auch Ryanair stieg jüngst in den Poker ein - just nachdem Verkehrsminister Danilo Toninelli ankündigte, dass er beim deutschen Kranich-Konzern kein strategisches Interesse mehr erkennen könne. Lufthansa hatte kürzlich entschieden, 100 Millionen Euro in den Ausbau der Italien-Tochter Air Dolomiti zu investieren.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa will Air-Dolomiti-Flotte verdoppeln

Von: cs
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