«Asphalt, Asphalt, Asphalt»

Kraftakt am Bremer Flughafen

08.08.2012 - 11:45 0 Kommentare

Linienjets und Ferienflieger machen in dieser Woche einen großen Bogen um Bremen. Der Flughafen ist komplett geschlossen, weil rund um die Uhr die verschlissene Start- und Landebahn erneuert wird. Der Zeitplan ist eng - und das Wetter muss mitspielen.

Baufahrzeuge sind am 7.8. 2012 mit der Erneuerung der Start- und Landebahn des Flughafen in Bremen beschäftigt.

Baufahrzeuge sind am 7.8. 2012 mit der Erneuerung der Start- und Landebahn des Flughafen in Bremen beschäftigt.
© dpa - Carmen Jaspersen

Eingez

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Nahezu leer präsentiert sich am 6.8. 2012 die Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen.

Nahezu leer präsentiert sich am 6.8. 2012 die Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen.
© dpa - Carmen Jaspersen

Leere Check-in-Schalter im geschlossenen Flughafen Bremen

Leere Check-in-Schalter im geschlossenen Flughafen Bremen
© dpa - Carmen Jaspersen

Nur wenige Menschen sind am 6.8. 2012 in der Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen unterwegs.

Nur wenige Menschen sind am 6.8. 2012 in der Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen unterwegs.
© dpa - Carmen Jaspersen

Nahezu leer präsentiert sich am 6.8. 2012 die Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen.

Nahezu leer präsentiert sich am 6.8. 2012 die Ankunft- und Abflughalle des geschlossenen Flughafen in Bremen.
© dpa - Carmen Jaspersen

Warmer Asphaltdunst weht mit dem Krach der Baumaschinen über die Piste des Bremer Flughafens. Schwere Lastwagen kippen immer wieder Nachschub der klebrigen schwarzen Masse in die Verlegemaschinen. Zeit zum Trödeln hat hier niemand - nach sechs Tagen Schließung soll am Sonntagmorgen um 6.00 wieder der erste Jet in Bremen abheben. Bis dahin ist der Airport komplett geschlossen, damit die 2000 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn erneuert werden kann. «Jetzt heißt es Asphalt, Asphalt, Asphalt», sagt Marco Pfleging, der beim Bremer Flughafen für Infrastruktur verantwortlich ist.

Das norddeutsche Sommerwetter könnte noch Probleme bereiten, denn bei Dauerregen müsste das Asphaltieren unterbrochen werden. «Ich habe aufgegeben, den Wetterbericht anzusehen», sagt der Projektleiter des Flughafens, Carsten Bolte. «Ich nehme es so, wie es kommt.» An den ersten Tagen lief alles glatt. Nachdem am vergangenen Sonntagabend die vorerst letzte Maschine landete, machte sich eine Armada von Fräsmaschinen mit stählernen Zähnen über die obersten 15 Zentimeter der insgesamt einen dreiviertel Meter dicken Piste her. 33 000 Tonnen Geschreddertes wurden in hunderten Lastwagen zum Recycling gebracht.

Auf die Stunde exakt nach Plan um 11.00 Uhr am Dienstag legten die Asphaltiermaschinen mit der sogenannten Binderschicht los. «Es ist eine verdammt spannende Sache», sagt Pfleging. «Das ist das einzige Mal, dass ich so etwas erleben darf.» Der 49-Jährige ist überzeugt, dass eine so umfangreiche Sanierung erst in 20 Jahren wieder fällig sein wird. Das Material habe eine besonders hohe Qualität, denn es müsse die Punktbelastung eines aufsetzenden Flugzeugs mit 100 Tonnen oder mehr Gewicht aushalten.

Der Höhepunkt im ausgetüftelten Sanierungs-Plan soll das Aufbringen der Deckschicht sein: «Die Asphaltmaschinen fahren dann in Formation, das wird eine riesige Nummer», kündigt Ingenieur Pfleging an. Sechs Maschinen mit je 7,5 Meter Breite werden dann nebeneinander die Startbahn ohne Unterbrechung bearbeiten.

Das Ergebnis soll eine Piste ohne lästige Querfugen sein, auf der Passagiere nicht mehr durchgeschüttelt werden. Das ist auch einer der Gründe, warum nicht in Etappen jede Nacht bei laufendem Betrieb gearbeitet wird. Weitere Gründe: Diese Variante wäre deutlich teurer als die jetzt veranschlagten 5,6 Millionen Euro. Und die Anwohner müssten über Monate jede Nacht mit Baulärm leben - zusätzlich zum normalen Flugzeuggedröhn, das jetzt entfällt.

Wie viel Geld dem Flughafen allerdings entgeht, weil etwa 40 000 Passagiere in dieser Woche fehlen, ist noch nicht ausgerechnet. Der Ärger, den es bei einigen Fluggesellschaften um die Schließung gab, sei aber längst vergessen, bekräftigt der Ingenieur. Mehrere hundert Flüge mussten verlegt werden, doch die Flughafengesellschaft hatte immer wieder argumentiert, man habe schon die ruhigste Zeit im August gewählt.

Der Bremer Kraftakt lockt auch Interessenten von anderen Flughäfen an. Sie erkundigen sich, wie die Aktion läuft, denn alle Airports, die nur über eine große Start- und Landebahn verfügen, stehen früher oder später vor demselben Problem: sanieren bei laufendem Betrieb oder vorübergehend schließen. Flughafenkollegen aus Bremens Partnerstadt Riga wollen es ganz genau wissen - sie beobachten das Ballett der Baumaschinen direkt auf dem Rollfeld.

Von: Sönke Möhl, dpa
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