Korruption bei EADS und Airbus - Ehemalige leitende Angestellte zu Haftstrafen verurteilt

19.02.2007 - 10:00 0 Kommentare

München (ddp). Die Frage nach dem «Warum» blieb bis zum Schluss ungeklärt. Auch als die Urteile gesprochen waren, wusste wohl niemand außer den recht schweigsamen Angeklagten selbst, weshalb sie sich bestechen ließen und ihre Arbeitgeber um gut 1,5 Millionen Euro brachten. «Von Ihnen hat keiner aus wirtschaftlicher Not gehandelt», stellte der Vorsitzende Richter während der eintägigen Verhandlung am Münchner Landgericht fest. Niemand der einst leitenden Mitarbeiter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS und des Flugzeugsbauers Airbus habe das Geld gebraucht.

Im Gefängnis werden zwei der drei Angeklagten darüber nun einige Zeit nachdenken können. Die beiden ehemaligen EADS-Mitarbeiter wurden am Montag wegen Bestechlichkeit in zwei beziehungsweise 15 Fällen zu drei und vier Jahren Haft verurteilt. Ein dritter, früher bei Airbus beschäftigter Angeklagter, erhielt für zwei Fälle eine einjährige Bewährungsstrafe.

Die Karrieren schienen eigentlich perfekt: Ronald S., der nach einer Feinmechanikerlehre studierte, dann bei einem heute zu EADS gehörenden Raumfahrttechnikunternehmen anheuerte und bis 2005 dem Konzern weitgehend treu blieb, verdiente zuletzt 265 000 Euro im Jahr. Dazu kamen vier - wenn auch noch nicht vollständig finanzierte - Eigentumswohnungen sowie ein Einfamilienhaus. Zuständig war der heute 55-Jährige bei EADS unter anderem für technische Dokumentationen, also Betriebsanleitungen für Flugsysteme.

Auch Hans M. hatte sich nach einer Lehre zum Textilmaschinenmechaniker zielstrebig hochgearbeitet, zuletzt arbeitete er bei EADS Ronald S. als Hauptabteilungsleiter im Bereich Customer & Product Support zu. Ab Ende Februar wird er 2500 Euro Rente beziehen, ein Einfamilienhaus und eine Eigentumswohnung sind abbezahlt.

Gerd W. arbeitete zunächst bei der Lufthansa, anschließend bei einem Airbus-Vorläufer, zum Schluss war er Leiter des Bereiches Technische Dokumentation bei Airbus Deutschland. 3500 Euro Rente, ein Haus und drei kleine Eigentumswohnungen stehen bei dem 63-Jährigen auf der Habenseite.

Und doch reichte das den drei Angeklagten offenbar nicht. 1997 beschloss S., mit zwei Geschäftspartnern eine eigene Firma für technische Dokumentationen zu gründen, die er dann mit EADS-Aufträgen versorgen wollte. Um seine Teilhabe an der Synergie Services GmbH zu verschleiern, war er über Treuhandverträge an einer Holding beteiligt, unter der die neue Firma stand. Auch der heute 60-jährige M. wurde Teilhaber der Holding.

In der Folgezeit gingen viele EADS-Aufträge an die neue Firma - zwischen 2000 und 2001 alleine 24 mit einem Volumen von fast drei Millionen Euro. Dazu kamen noch Aufträge von Airbus, die W. gegen Zahlung von 100 000 Euro vergab. Der Wert der Synergie Services stieg rasch, so dass S. und M. ihre Geschäftsanteile beim Verkauf ihrer Firma an ein von ihren Geschäftspartnern gegründetes weiteres Unternehmen verkaufen und jeweils fast 600 000 Euro erlösen konnten. Auch später flossen noch einmal rund 100 000 Euro an S. und M.

S. bereicherte sich aber auch daneben noch weiter. Zwischen 1999 und 2003 stellte seine Frau für ihn Scheinrechnungen für Beratungen an ein Unternehmen aus Fürstenfeldbruck. In Wahrheit ging es abermals um Bestechungszahlungen, rund 265 000 Euro. Dafür bekam die Firma 367 Aufträge über fast 20 Millionen Euro.

Er habe sich bei EADS «herrisch» verhalten und habe keine Widerworte geduldet, sagen ehemalige Mitarbeiter von S., die im Zuschauerraum sitzen. Bestimmt sei es ein gekränkter Mitarbeiter gewesen, der anonym im Verteidigungsministerium auf die Unregelmäßigkeiten in dessen Abteilung hingewiesen und die Ermittlungen in Gang gesetzt habe. Eine Zuschauerin erklärte, sie halte es für richtig, dass S. ins Gefängnis muss. Dass EADS nun eine Million Euro von ihm zurückfordert, kommentiert sie nüchtern: «Das geschieht ihm recht».

Von: ddp
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