Air-Berlin-Konkurrenz bringt sich in Stellung

07.09.2017 - 14:05 0 Kommentare

Noch ist Air Berlin in der Luft. Dennoch reagiert die Konkurrenz schon mit Änderungen im Flugplan auf die Insolvenz der deutschen Fluggesellschaft – nicht nur als Ersatz für die gestrichenen Langstreckenverbindungen in Berlin.

Eine Boeing 777-300ER der Qatar Airways. - © © Qatar Airways -

Eine Boeing 777-300ER der Qatar Airways. © Qatar Airways

Schon Anfang Oktober ist Schluss: Dann wird auch die letzte verbliebene Langstreckenverbindung der Air Berlin am Flughafen Tegel eingestellt. Mit den wegfallenden Flügen in Richtung USA und zum Etihad-Asien-Hub Abu Dhabi fallen in der deutschen Hauptstadt wichtige Routen aus dem Flugplan.

Nun hat Qatar Airways sofort reagiert und schickt kurzfristig eine Boeing 777-300ER auf ihre tägliche Rotation von Doha nach Berlin. Das Boeing-Flugzeug ist so ziemlich das größte Gerät, das in Tegel im Liniendienst abgefertigt werden kann. Zuvor war Qatar auf der Verbindung mit einem deutlich kleineren Airbus A330 geflogen. Der Kapazitätszuwachs beträgt laut Airline rund 20 Prozent.

Ob Asien-Passagiere der Air Berlin zukünftig auch auf die Oneworld-Partnerairline umgebucht werden, wollte Qatar auf Nachfrage nicht bestätigen. Die Airline betreibt ein großes Fernost-Drehkreuz in Doha in direkter Konkurrenz zur ehemaligen Air-Berlin-Gönnerin und -Großaktionärin Etihad Airways.

Neue Angebote in Richtung USA

Aber Qatar ist nicht die einzige Airline, die sich offenbar schon auf ein Ende der Air Berlin eingestellt hat. So hatte Delta Air Lines in diesem Jahr eine tägliche New-York-Rotation in direkter Konkurrenz zur Air Berlin eingerichtet, inklusive zahlreicher Umsteigeverbindungen an ihrem Ostküsten-Hub.

Die USA-Verbindung war zwar zunächst nur für die Sommersaison aufgelegt. Jetzt sagt eine Sprecherin: "Die Flüge zwischen JFK und Berlin wurden sehr gut angenommen." Delta habe die Strecke daher schon wieder neu aufgelegt: Ab Mai steht sie wieder im Flugplan.

Aber es gibt auch schon zum Winterflugplan neue Amerika-Alternativen in Berlin: Icelandair hat angekündigt, den Flughafen Tegel neu ins Portfolio aufzunehmen. Bereits ab Anfang November fliegt der Carrier zwischen der deutschen Hauptstadt und ihrem isländischen Drehkreuz in Keflavik - zahlreiche Nordamerika-Umsteigemöglichkeiten inklusive.

Erste Umverteilungen auch auf Europastrecken

Derweil geht auch im Europa-Verkehr die Marktverschiebung los - sogar ohne offizielle Slotübernahmen. So wird Germania schon im November nach langjähriger Pause wieder vom Flughafen Berlin-Tegel starten. Im Angebot stehen Warmwasserdestinationen, unter anderem die Air-Berlin-Traditionslinie nach Mallorca.

© AirTeamImages.com - Jesus Moreno, Lesen Sie auch: Germania startet Mallorca-Basis

Ein weiteres Beispiel für die Reaktion der Air-Berlin-Konkurrenz ist auch die Planung bei LOT. Die polnische Airline setzt sich ab Dezember auf eine Air-Berlin-Strecke und fliegt nach langjähriger Pause wieder zwischen Tegel und Warschau.

Mit der neuen deutschen Charterairline Azur Air erwächst der Air Berlin derweil sogar in Berlin und Düsseldorf ein neuer potenter Konkurrent im touristischen Segment. Mit zwei Langstreckenmaschinen fliegt Azur Air bereits auf etlichen klassischen Air-Berlin-Routen rund ums Mittelmeer und in die Karibik. Ein weiterer Ausbau der Strecken ist geplant.

Noch bis zum 15. September können Interessenten ihre Angebote für die insolvente Air Berlin einreichen, eine Woche später will der Gläubigerausschuss entscheiden. Dabei ist vor allem auch der offenbar geplante Übergang eines Großteils der Air-Berlin-Slots an die Lufthansa Group im Fokus der Kritik von Verbraucherschützern, Gewerkschaften und der Konkurrenz. Befürchtet wird eine Monopolsituation - vor allem im innerdeutschen Verkehr.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Von: dh
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