Konkurrenz reißt sich um Air-Berlin-Piloten

Mit der Air-Berlin-Zerschlagung stellt sich für die Mitarbeiter die Frage, wie es weitergeht. Die Flugbegleiter haben bereits Tarifverträge mit Eurowings verabredet. Um die Piloten entbrennt ein internationaler Wettbewerb.

Air-Berlin-Piloten posieren 2009 mit einem Flugzeugmodell der jetzt insolventen Fluggesellschaft.Foto: © airberlin

Piloten der insolventen Air Berlin können aus einer Fülle von Angeboten wählen. Nachdem bereits Qatar Airways und Wizz Air Piloten-Roadshows an den großen Air-Berlin-Drehkreuzen durchgeführt haben, hat jetzt auch Cargolux kurzfristig Veranstaltungen zum Abwerben der Cockpitcrews in Berlin und Düsseldorf angekündigt.

Lufthansa will fliegendes Personal übernehmen

Neben den ausländischen Carriern buhlt vor allem auch die Lufthansa Gruppe um die fliegenden Air-Berlin-Mitarbeiter. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die Air-Berlin-Crews als "Top-Leute" bezeichnet, "bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen". 600 Stellen hat der Konzern bereits neu ausgeschrieben, vor allem bei Eurowings.

Der Kranich-Konzern hat allerdings laut Experten wenig Interesse daran, alle 8000 Mitarbeiter von Air Berlin zu übernehmen. Falls die Übernahme einzelner Unternehmensteile letztlich als Betriebsübergang nach Paragraf 613a BGB gewertet wird, könnten sich alle Mitarbeiter des übernommenen Air-Berlin-Bereichs bei Lufthansa einklagen, schätzen Juristen.

Pilotengewerkschaft will Übergangsregeln verhandeln

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) warnt daher schon vor einem "Rosinenpicken". "Alte, teure oder aufmüpfige" Piloten könnten aussortiert werden, wenn sich jeder einzeln beim neuen Arbeitgeber bewerben müsste, so die Befürchtung. Stattdessen will die Pilotengewerkschaft eine Auswahl nach sozialen Gesichtspunkten durchsetzen.

Anders als Ufo und Verdi für das Kabinenpersonal hat die VC aber bislang noch keinen Tarifvertrag über die Wechselkonditionen für Piloten zum Lufthansa-Billigflieger Eurowings unterschrieben. Die Piloten der Air Berlin wissen daher noch nicht, welche Bedingungen sie beim Wechsel zu erwarten haben, so es denn überhaupt dazu kommt.

Situation am Boden ist anders

Die Gewerkschaft Verdi hat sich grundsätzlich positiv zu einem möglichen Verkauf der Air Berlin an Lufthansa und Easyjet geäußert. "Wir erwarten jetzt, dass diese Unternehmen Verantwortung für die Beschäftigten von Air Berlin übernehmen und ihnen gute Zukunftsperspektiven bieten", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Die verlängerte Bieterfrist für die Techniktochter biete eine Chance, auch für diese Sparte eine Lösung zu finden.

Für die Mitarbeiter in der Verwaltung sieht die Situation derweil schlechter aus. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in der Hauptverwaltung in Berlin rund 1400 Stellen wegfallen werden. Zu den Betroffenen dürften viele Bürokräfte, IT-Fachleute und Verwaltungsmitarbeiter zählen. Das Land Berlin arbeitet Medienberichten zufolge bereits gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit an einer Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter, die nach der Insolvenz und dem Verkauf der Fluggesellschaft keine Chance auf eine Weiterbeschäftigung haben.

Man werde nach der offiziellen Bekanntgabe der bevorzugten Bieter am kommenden Montag schnell auf die Unternehmen zugehen, um kollektive Übergangsregeln zu verhandeln, teilte die Pilotenvereinigung am Freitag mit.

Die Piloten der Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A330 hätten bis auf wenige Ausnahmen auch Lizenzen für die kleinere A320-Familie, sagt VC-Sprecher Markus Wahl. Mit dem Unternehmen habe man bereits verabredet, dass sie im Fall eines Verkaufs genauso behandelt werden sollen wie ihre Kollegen aus den Mittelstreckenjets.

Es sei auch längst nicht mehr so, dass nur die besonders hoch bezahlten Piloten der 2007 übernommenen Gesellschaft LTU auf der Langstrecke unterwegs seien, sagte Wahl. Im Laufe der Jahre habe sich die Mannschaft sehr durchmischt, wenngleich vor allem erfahrene Kollegen auf den Langstrecken zu finden seien.

Hohe Piloten-Nachfrage

Die VC zeigte sich optimistisch, sämtliche rund 1200 Piloten unterbringen zu können. Air Berlin fliege schon länger mit zehn Prozent zu wenig Piloten. Auch Easyjet und Condor hätten seiner Einschätzung nach zu wenige, sagte der VC-Vorstand.

© dpa, Niall Carson/PA Lesen Sie auch: Ryanair-Piloten fordern neue Arbeitsverträge

Gerade weltweit haben erfahrene Piloten derzeit keine Probleme, neue Cockpitjobs zu finden. Neben den großen Fluggesellschaften in der Golfregion oder in Asien suchen aber auch hierzulande gleich mehrere Airlines neue Piloten. So haben aktuell etwa Aero Logic für Leipzig, Avantiair für die Basis Saarbrücken und Small Planet Airlines bundesweit Stellenausschreibungen für Cockpitcrews geschaltet.

© dpa, Lesen Sie auch: Zuschlag für Lufthansa und Easyjet - und jetzt?

Von: dh mit dpa, AFP

Datum: 22.09.2017 - 15:12

Adresse: http://www.airliners.de/konkurrenz-air-berlin-piloten/42423