Mitarbeiter gehen erneut gegen Kötter vor

Exklusiv 18.01.2018 - 08:00 0 Kommentare

Wieder juristischer Zoff für den Dienstleister Kötter am Flughafen Düsseldorf: Eine Fremdfirma kommt erneut zum Einsatz, das eigene Personal macht Minusstunden. Der Betriebsrat konsultiert das Arbeitsgericht.

Handgepäck beim Sicherheitscheck am Flughafen. - © © dpa - Federico Gambarini

Handgepäck beim Sicherheitscheck am Flughafen. © dpa /Federico Gambarini

Sicherheitsdienstleister Kötter hat sich erneut Ärger mit seinem Personal am Flughafen Düsseldorf eingehandelt. Der Betriebsrat will nun beim Arbeitsgericht Düsseldorf ein Beschlussverfahren einleiten, heißt es in einer Mitteilung, die airliners.de vorliegt.

Denn: Kötter setzt bei den Passagierkontrollen am Airport auch in der aufkommensschwachen Winterzeit weiter auf Personal der belgischen Sicherheitsfirma G4S. Dies wäre jedoch gar nicht von Nöten, weswegen das eigene Personal von Kötter aktuell Minusstunden anhäufe, dessen Abbau der Arbeitgeber irgendwann im laufenden Jahr anordnen könnte.

G4S-Einsatz belastet wohl Bestandspersonal

Den Einsatz der Belgier lehnen die Arbeitnehmervertreter ab. Schließlich sei aktuell das Arbeitsaufkommen so gering, dass der G4S-Einsatz die Minuskonten des Bestandspersonals anwächsen lässt und sie somit "negativ belastet" würden.

Der Arbeitgeber missachtet die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats und setzt Fremdpersonal ohne jede Notwendigkeit ein, sagt auch Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. "Das ist ein klarer Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz und somit gegen die Mitbestimmung des Betriebsrats. Wir verurteilen diese Vorgehensweise und unterstützen den Betriebsrat in seinem Beschluss.”

So funktioniert das Arbeitszeitkonto

Eine Beispielrechnung: Vertraglich sind einem Mitarbeiter 160 Stunden Arbeit pro Monat zugesichert, durch den Einsatz des G4S-Personals arbeitet er aktuell aber nur 152 Stunden, da es ohnehin weniger zu tun gibt. Die passagierschwachen Wintermonate nutzt der Dienstleister eigenen Angaben zufolge häufig für interne Schulungen der Mitarbeiter.

Die Bestandsmitarbeiter erhalten natürlich fortlaufend die reguläre Bezahlung. Aber: Kötter könnte verlangen, dass die Mitarbeiter diese Stunden beispielsweise im Juli nacharbeiten müssten, um ihre Arbeitszeitkonten wieder auszugleichen.

Für Kötter-Chef haben Fortbildungsziele Priorität

Kötter-Chef Peter Lange verteidigt im Gespräch mit airliners.de den G4S-Einsatz:

Wir haben eine zusätzliche Einsatzgruppe unseres Partners verpflichtet, bevor die Bundespolizei die Bedarfsprognose für den Januar um fast 11.000 Stunden gesenkt hat.”

Peter Lange, Chef von Kötter

Darüber hinaus seien Reserven eingeplant, um Fortbildungsziele zu erreichen. “Hier hatten wir Nachholbedarf, denn leider mussten wir lang geplante Termine aufgrund des starken Verkehrsaufkommens verschieben, außerdem konnten manche Mitarbeiter ihre Urlaube erst jetzt antreten.” Hinzu komme, dass der Krankenstand nach wie vor sehr hoch sei. “Dass nun zu Minusstunden führt, bedauere ich sehr. Aber es war einfach nicht vorhersehbar."

Die Aushilfe der G4S-Kräfte war zunächst nur für den vergangenen Sommer geplant, als Kötter in Düsseldorf mit akutem Personalmangel kämpfte und sich lange Schlangen an den Kontrollstrecken bildeten. Beobachter vermuten, dass damals mit den Belgiern ein langfristiger und dadurch entsprechend günstiger Vertrag vereinbart worden ist, der Kötter zur jetzigen Planung mit den Mitarbeitern zwinge. Lange dementiert dies.

Bundespolizei sind keine Verstöße Kötters bekannt

Der Bundespolizei als Auftraggeber Kötters ist der neuerliche Einsatz der belgischen G4S bekannt, heißt es auf Nachfrage dort. "Der Einsatz von sechs Mitarbeitern erfolgt zur personellen Verstärkung in sogenannten Peakzeiten, um gegebenenfalls erhöhte Wartezeiten für die Reisenden am Flughafen der Landeshauptstadt zu vermeiden."

Davon, dass Kötter sein Bestandspersonal gegen den erklärten Willen des Betriebsrats weniger arbeiten lasse, als vertraglich zugesichert, wisse man nichts: "Ich kann Ihnen versichern, dass uns kein Verstoß gegen etwaige Arbeitsschutzvorschriften durch die temporäre Unterstützungsleistung bekannt ist." Man gehe davon aus, dass Kötter "die individuellen Arbeitsverträge in den Personalplanungen berücksichtigt".

Für Kötter ist es mit dem Flughafenpersonal nicht die erste juristische Auseinandersetzung: Anlässlich des Personalmangels im vergangenen Sommer stellten die Mitarbeiter damals eine Überlastungsanzeige, um nicht mehr für eventuell auftretende Fehler haftbar zu sein. Um Szenen wie die aus dem Sommer zu vermeiden, will Kötter in diesem Jahr den Personalpool am Airport mit Blick auf die aufkommensstarke Zeit in zwei Schritten um hunderte Mitarbeiter aufstocken:

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Erste Prognose für Düsseldorf-Kontrollen

Von: cs
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