Kötter setzt am Flughafen Düsseldorf Azubis bei Kontrollen ein

15.09.2017 - 13:20 0 Kommentare

Reguläre Ausbildungsstation oder Arbeiten ohne Lohn? Kötter setzt bei den Fluggastkontrollen am Airport Düsseldorf kurzzeitig auch auf Auszubildende. Die jungen Leute übernähmen die Aufgaben der fehlenden Mitarbeiter, kritisiert Verdi.

Arbeit an der Fluggastkontrolle. - © © dpa -

Arbeit an der Fluggastkontrolle. © dpa

Die mit den Fluggastkontrollen am Airport Düsseldorf beauftragte Kötter Aviation Security hat mehrere Auszubildende eingesetzt. Wie ein Sprecher der Sicherheitsfirma airliners.de gegenüber sagte, habe es sich dabei um "training in the job" gehandelt, das regulärer Bestandteil im Rahmen der Ausbildungszeit an der unternehmeneigenen Akademie ist.

Nach kurzer Einsatzdauer hätten die Azubis wieder ihre Ausbildung aufgenommen, so der Sprecher. "Die Ausbildungs-Teilnehmer haben bei der Praxisarbeit ausschließlich die Aufgabe des Wannenstapelns übernommen."

Lediglich die Parkgebühr wurde erstattet

Genau dies kritisiert die Gewerkschaft Verdi. "Da aufgrund des Personalmangels aktuell nur fünf statt sechs Mitarbeiter pro Kontrollstrecke im Einsatz sind und die Azubis mit dem Wannenstapeln die Aufgabe eines vollwertigen Mitarbeiters übernehmen mussten, fällt es schon schwer, hier wirklich von Schulungszwecken auszugehen", sagt NRW-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim im Gespräch mit airliners.de.

Auch dass die Auszubildenden "unentgeltlich" eingesetzt wurden und lediglich ihre Parkgebühren erstattet bekamen, sei nicht hinnehmbar. "Die jungen Leute haben keinen Arbeits-, sondern nur einen Schulungsvertrag. Jetzt müssen sie als Lückenstopfer herhalten."

ADV fordert Reform der Zuständigkeit

Der Flughafen selbst weist noch einmal daraufhin, dass die Fluggastkontrollen im Verantwortungsbereich der Bundespolizei liegen und diese Kötter Aviation Security damit beauftragt hat. "Grundsätzlich halten wir die Wartezeiten für die Passagiere für inakzeptabel hoch und pochen auf eine spürbare Verbesserung der Situation", teilt der Airport auf Anfrage mit. "Aber: Diese Bewertung obliegt der Bundespolizei."

Der Flughafenverband ADV fordert eine Reform dieser Zuständigkeit: Die Verantwortlichkeiten müssten neu geregelt werden. Die großen Flughäfen seien bereit, die Auswahl und Steuerung der privaten Dienstleister zu übernehmen. Die Politik sollte nach der Bundestagswahl dafür die gesetzlichen Grundlagen schaffen.

Kontrollen

Fluggäste zu kontrollieren, ist Aufgabe des Staates. Doch in den 1990er-Jahren hat die Bundespolizei private Sicherheitsdienstleister beauftragt. Seitdem kontrollieren im Regelfall angestellte Luftsicherheitsassistenten Passagiere und Gepäck. Unternehmen wie Frasec, Kötter oder Securitas konkurrieren um die Dienstleistungsverträge, die über Jahre laufen.

Zu unterscheiden gilt es zwischen reinen Gepäck- beziehungsweise Fluggastkontrollen, die in Paragraph 5 des Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) geregelt sind sowie in Bundeshoheit liegen und Personal- beziehungsweise Warenkontrollen, die durch Paragraph 8 LuftSiG geregelt sind und in der Hoheit des Flughafens liegen.

Gepäckstücke in der Sicherheitsschleuse. Foto: © dpa, Uwe Anspach

Am Flughafen Düsseldorf klagen die Mitarbeiter an den Kontrollstrecken der Passagiere seit Wochen über unzumutbare Arbeitsbedingungen. Sie seien personell unterbesetzt und müssten zum Teil regulär Überstunden machen. Verdi schätzt, dass rund 450 Mitarbeiter im Einsatz sind in Düsseldorf - rund 100 zu wenig. Der Krankenstand liege bei 20 Prozent - üblich seien sechs.

Jüngst stellte das Personal eine Überlastungsanzeige, um für eventuell auftretende Fehler bei der Arbeit nicht mehr haftbar zu sein. Die Bezirksregierung hatte Kötter vergangene Woche in einem Gespräch aufgerufen, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

© Kötter Services, Lesen Sie auch: Situation von Kötter-Personal am Airport Düsseldorf verbessert sich wohl

Von: cs
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