Körperscanner für Flughafen-Kontrollen sind noch immer störanfällig

17.07.2014 - 14:44 0 Kommentare

Anfangs wurden die Geräte als «Nacktscanner» gebrandmarkt. Doch mittlerweile werden Fluggäste an sechs deutschen Airports mit Körperscannern durchleuchtet - und die Zahl soll weiter steigen - trotz weiterhin hoher Fehlalarmquoten.

Millimeter-Wave-Scanner am Flughafen Amsterdam - © © dpa -

Millimeter-Wave-Scanner am Flughafen Amsterdam © dpa

Die umstrittenen Körperscanner sollen an Deutschlands Flughäfen künftig verstärkt zum Einsatz kommen. «Körperscanner sind nach Bewertung der Bundesregierung das zukünftige Kontrollmittel für die Luftsicherheitskontrolle von Personen», heißt es in der am Donnerstag bekanntgewordenen Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.

Bei dem Einsatz an sechs deutschen Flughäfen wurden in der ersten Jahreshälfte allersings noch immer in rund 60 Prozent der Kontrollen Alarm ausgelöst. Demnach lag die Alarmquote im ersten Quartal 2014 bei 62 Prozent, im zweiten Quartal bei 59 Prozent. Bei einer 2011 abgeschlossenen Testphase hatte die Quote echter Alarme laut Berichten nur bei 15 Prozent gelegen.

Die hohe Fehlerquote war ein Grund dafür, dass die Körperscanner nach dem Test von 2011 vorübergehend nicht mehr eingesetzt wurden. In der Antwort der Regierung verweist das Bundesinnenministerium nun darauf, dass das EU-Recht die "zwingende Nutzung" der Geräte ab dem 1. September 2015 vorschreibe. Derzeit gebe es keine Alternativen, die den gleichen Sicherheitsstandard erreichten.

Nach Regierungsangaben sind derzeit insgesamt 14 Körperscanner an sechs deutschen Flughäfen im Einsatz. Demnach stehen am Flughafen Frankfurt sechs Geräte, in Düsseldorf drei, in Stuttgart zwei sowie in Hamburg, Berlin-Schönefeld und München je einer.

Anfangs wurden die Geräte als «Nacktscanner» gebrandmarkt

Im Gegensatz zu Metalldetektoren sind die Scanner in der Lage, auch Pulver, Flüssigkeiten oder andere potenziell gefährliche Gegenstände ohne Metallanteil, die außen am Körper versteckt werden, zu entdecken. Datenschützer äußerten jedoch wiederholt Bedenken gegen die Geräte, die zunächst als «Nacktscanner» verschrien waren. Zudem gab es in der ersten Testphase vor vier Jahren zahlreiche Fehlalarme.

Linken-Fraktionsvize Jan Korte bezeichnete es deshalb als abenteuerlich, dass der Einsatz der Scanner ausgeweitet werden solle. «Es gab einen Feldversuch, der auf ganzer Linie gescheitert ist - laut Bundesregierung vor allem wegen der hohen Fehlalarmquote und der damit verbundenen langen Abfertigungsdauer», beklagte Korte in der «Berliner Zeitung».

Im Schreiben des Innenministeriums heißt es jedoch, die Leistungsfähigkeit der Scanner sei seit damals kontinuierlich verbessert worden. «Die Anzahl der unnötigen Alarme hat sich reduziert.» Für den menschlichen Körper seien die Geräte gesundheitlich «unbedenklich». Darüber hinaus bestünden auch keine datenschutzrechtlichen Bedenken mehr, seit auf den Geräten nur noch typisierte Strichmännchen zu sehen seien.

Von: dpa, AFP
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