Die Born-Ansage (21) ( Gastautor werden ) Die Luftfahrtbranche bereitet Knecht Ruprecht viel Arbeit

26.11.2015 - 13:17 0 Kommentare

Er ist groß, trägt einen Rauschebart und wird im Gegensatz zum Weihnachtsmann gefürchtet: Knecht Ruprecht mit seiner Rute. Kolumnist Karl Born nennt Kandidaten aus der Luftfahrt, bei denen der Geselle vorbeikommen sollte.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Es ist wieder soweit: Ende nächster Woche kommt Knecht Ruprecht - mit übergroßer Rute im Gepäck. Die wird er dieses Jahr auch für die Luftfahrtbranche brauchen.

Für Lufthansa nimmt er sich in diesem Jahr viel Zeit. Im Zentrum sollte Personalvorstand Bettina Volkens stehen. Sie hat hinsichtlich ihrer Belegschaftsvertreter recht wenig gebacken bekommen. Ihre letzte Chance, Knecht Ruprecht zu entgehen, ist der Jobgipfel am 2. Dezember.

Auch Ufo und Condor stehen auf der Liste

Wenn es dann nicht vorwärts gehen sollte, oh je. Tumultartige Szenen wie es der Air-France-Personalvorstand erleben musste, werden ihr zwar (hoffentlich) erspart bleiben - aber Knecht Ruprecht wird auch nicht gerade zimperlich mit ihr umgehen.

Zumindest die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat gerade noch rechtzeitig den Ernst der Lage erkannt und den neuerlichen Streik abgesagt. Aber auch sie steht am 2. Dezember unter Druck, sonst gibt es mächtig was mit der Rute.

Bei Condor will der Geselle auch vorbeischauen. Deren Werbeaktion hatte ihn fast vom Schlitten gehauen: "Wer jemanden dazu bringen kann, dass er/sie sich erfolgreich bei Condor als Flugbegleiter/in bewirbt, bekommt einen Freiflug." Ein Flugbegleiter Job als give away?

Ruprecht mit der Rute bei Ryanair

Ryanair ist natürlich auch ein heißer Kandidat. Die sogenannten Contractor- Piloten sind nicht bei Ryanair, sondern bei einer Personalagentur angestellt, die diese dann an den Billigflieger ausleiht. Knecht Ruprecht wurde von den Krankenkassen über diesen unhaltbaren Zustand informiert, weil für die scheinselbständigen Piloten keine Kassenbeiträge abgeführt wurden. Man kennt dieses Modell von Putzkolonnen und anderen dubiosen Firmen. Knecht Ruprecht, übernehmen Sie.

Bleibt noch Air Berlin. Gerade wurde sie zu einer der umweltfreundlichsten Airline gekürt, aber Haue müsste es trotzdem geben. Ein Branchenblatt rügte Deutschlands zweitgrößte Airline für das mieseste Callcenter der Touristikbranche. Also Hui und Pfui. Aber Airline-Chef Stefan Pichler kann entspannt bleiben: Einen Knecht Ruprecht mit Rute kennt man in Abu Dhabi nicht.

Aufenthalt in Berlin dauert länger

Für seinen Berlin-Aufenthalt hat sich Knecht Ruprecht ohnehin viel Zeit reserviert. Angeblich soll er bei der Arbeitsagentur Verstärkung angefordert haben (hoffentlich ist diese bei den Krankenkassen versichert). Ganz vorne als Kandidat steht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Flugverkehr ist nun mal überhaupt nicht sein Ding. Bei der Aussprache über ein neues Luftverkehrskonzept plapperte er etwas über "Wachstum generieren" und "keine neuen Belastungen".

Glaubwürdiger wäre er, wenn er endlich mehr Mumm hätte, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unter Druck zu setzen, um die Luftverkehrssteuer abzuschaffen. Aber ausgerechnet beim Codeshare-Streit mit Air Berlin bleibt er stur. Irgendwo will er auch etwas tun, wenn auch an falscher Stelle.

Jetzt erst lernt man seinen Vorgänger Peter Ramsauer (CSU) schätzen. Bei ihm konnte man sich darauf verlassen, dass er durchgehend nichts machte. Kurzum, in Dobrindts Haut möchte ich am 6. Dezember nicht stecken.

Knecht und Klitschko - ein super Team

Natürlich hätte Knecht Ruprecht auch gerne beim BER vorbeigeschaut, aber er hat Angst, dass ihm das Terminal-Dach auf den Kopf fällt. Da hat Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld noch einmal Schwein gehabt. Seine angekündigte zeitliche Aufholjagd mit kleinen Trippelschritten hätte ein paar harte Worte verdient gehabt.

Letzte Station für Knecht Ruprecht sollte der Flughafen Düsseldorf sein. Er hatte gehört, dass dort "die Fäuste fliegen würden". Wieder mal Personalprobleme bei der Sicherheitskontrolle? Nein, nur Showtraining von Boxer Wladimir Klitschko.

Schade, dass Knecht Ruprecht das nicht früher gewusst hat. Klitschko wäre ein super Assistent, dagegen ist die Rute nur eine Streichelmassage.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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