Kieler Meeresforscher haben neue Hinweise im Fall MH370

01.09.2015 - 17:05 0 Kommentare

Wo ist die Boeing 777 der Malaysia Airlines (Flug MH370) abgestürzt? Kieler Meereswissenschaftler haben ein neues mögliches Gebiet im Indischen Ozean errechnet. Für eine gesicherte Aussage gibt es jedoch nicht genügend Daten.

Die Kieler Meeresforscher Arne Biastoch (li.) und Jonathan Durgadoo stellen die Ergebnisse vor.

Die Kieler Meeresforscher Arne Biastoch (li.) und Jonathan Durgadoo stellen die Ergebnisse vor.
© dpa - Carsten Rehder

Untersucht wurde der mögliche Absturzort von Flug MH370.

Untersucht wurde der mögliche Absturzort von Flug MH370.
© dpa - Carsten Rehder

Die Kieler  Forscher behaupten: Das Absturzgebiet liegt 3500 Kilometer nördlicher als das derzeitige Suchgebiet.

Die Kieler Forscher behaupten: Das Absturzgebiet liegt 3500 Kilometer nördlicher als das derzeitige Suchgebiet.
© dpa - Carsten Rehder

Ihr Ergebnis stützen sie auf Computerberechnungen.

Ihr Ergebnis stützen sie auf Computerberechnungen.
© dpa - Carsten Rehder

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das Ende Juli 2015 auf der Insel La Réunion angeschwemmt wurde.

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das Ende Juli 2015 auf der Insel La Réunion angeschwemmt wurde.
© dpa - Zinfos974

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das Ende Juli 2015 auf der Insel La Réunion angeschwemmt wurde.

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das Ende Juli 2015 auf der Insel La Réunion angeschwemmt wurde.
© dpa - Zinfos974

Die verschollene malaysische Maschine mit der Flugnummer MH370 ist nach neuen Computer-Berechnungen von Kieler Meeresforschern möglicherweise 3500 Kilometer weiter nördlich als bisher vermutet abgestürzt. Am wahrscheinlichsten sei eine etwa 500 Kilometer mal 500 Kilometer große Absturzregion vor der Südküste der indonesischen Insel Java, erläuterten jetzt in Kiel Prof. Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Die Forscher rechneten Strömungen und die mögliche Drift einer Ende Juli am Strand der Insel La Réunion vor Ostafrika gefundenen Flügelklappe (Flaperon) einer Boeing 777 zurück. Sie betonten aber ausdrücklich, ihre bisherigen Daten reichten nicht aus, um der australischen Regierung bereits ein geändertes Suchgebiet zu empfehlen. "Unsere Berechnungen sind ein weiteres Puzzleteil, um das große Rätsel um MH370 zu lösen", sagte Biastoch.

Ausgangspunkt ist eine gefundene Flügelklappe

Am 8. März 2014 verschwand Flug MH370 von den Radarschirmen - wie vom Erdboden verschluckt. Bisher wird aufgrund von Satellitendaten angenommen, dass das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord auf Höhe des 35. Breitengrades südlich des Äquators ins Meer stürzte - etwa 2000 Kilometer westlich von Australien.

Die Kieler Wissenschaftler sahen in der Flügelklappe einen Ansatzpunkt. Sie ließen sich von der französischen Forschungseinrichtung Mercator Ocean in Toulouse per Satellit und Messbojen erfasste Tagesdaten zu den Oberflächenströmungen im Indischen Ozean aus den vergangenen 16 Monaten schicken.

© EPA/ANGIE RAPHAEL AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT, Hintergrund Wrackteil hilft wenig bei Lösung des Rätsels um MH370

Um den Ursprungsort der Flügelklappe in einer Computersimulation zurückverfolgen zu können, setzten die Kieler Wissenschaftler fast zwei Millionen virtuelle Partikel an der Fundstelle aus und rechneten in die Vergangenheit. "Daraus habe wir dann einmal pro Monat die wahrscheinlichsten Aufenthaltsorte der Partikel berechnet", erläuterte Durgadoo.

Die Region im Indischen Ozean, in der 95 Prozent aller virtuellen Partikel auftauchten, ist fast halb so groß wie Australien - und nicht einmal zusammenhängend. Insgesamt aber liegt sie mindestens 1500 Kilometer nördlich vom bisherigen Suchgebiet westlich von Australien. Die einzige Region, in der die letzten Satellitenkontakte der Maschinen und eine Häufung von virtuellen Partikeln übereinstimmen, sei die Meeresregion vor Java, sagten die Wissenschaftler.

Wind und Wellen spielen laut Forscher keine Rolle

Bei den Berechnungen der Kieler Forscher wurde nur die Oberflächenströmung ausgewertet, Wind und Wellen blieben unberücksichtigt. "Der Wind dürfte keine große Rolle spielen, da das Wrackteil flach an der Oberfläche getrieben sein dürfte", sagte Biastoch. "Wir werden aber noch weitere Computerberechnungen machen, die dann auch die Wellen mit berücksichtigen. Sollten weitere Wrackteile entdeckt werden, wären deren Fundorte eine sehr große Hilfe, um das tatsächliche Absturzgebiet einzugrenzen", sagte der Wissenschaftler.

Hilfreich wären auch Computer-Modellberechnungen anderer Forscher. Bisher sei ihm nicht bekannt, dass Ergebnisse solcher zurückgerechneten Strömungen zum vermuteten Wrackteil von Flug MH370 vorlägen.

So haben Experten das bisherige Suchgebiet bestimmt

Experten suchen seit mehr als einem Jahr in einem Seegebiet im südlichen Indischen Ozean nach dem verschollenen Flug MH370. Das Gebiet wurde nach mathematisch-physikalischen Berechnungen definiert.
Ausgangspunkt waren sieben elektronische Pings, die die Malaysia-Airlines-Maschine automatisch jede Stunde abgab. Ein Satellit der britischen Firma Inmarsat über dem Indischen Ozean fing die Pings auf, den letzten am 8. März 2014 um 01.11 Uhr MEZ. Anhand der Frequenzen der Pings und unter Berücksichtigung der Bewegung von Satellit und Flugzeug konnten Experten die Flugroute bestimmen.
Sie nahmen die übliche Geschwindigkeit einer Boeing dieses Typs von gut 800 Kilometern in der Stunde an und berechneten, wie lange das Flugbenzin gereicht hätte. So wurde das 120.000 Quadratkilometer große Gebiet mehr als 2000 Kilometer westlich von Perth an der Westküste Australiens bestimmt.
Die Experten sahen sich durch den Fund der Flügelklappe in La Réunion bestärkt. Die Strömung hätte ein solches Teil aus dem Absturzgebiet genau an den Inselstrand spülen können.

Von: ch, dpa
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