Am 1. Juni 2012 startet die Boeing 747-8 der Lufthansa auf ihren ersten Linienflug nach Washington. © Lufthansa /J
Hohe Treibstoffkosten haben die Lufthansa im zweiten Quartal voraussichtlich erneut gebremst. Nachdem bereits Konkurrenten wie Air France-KLM und Ryanair höhere Belastungen gemeldet haben, dürfte auch Europas größte Fluggesellschaft nicht ungeschoren davongekommen sein. Experten gehen dennoch davon aus, dass Konzernchef Christoph Franz bei der offiziellen Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag (2. August) an seiner Gewinnprognose für das laufende Jahr festhält. In den vergangenen Jahren hatte die Lufthansa Eckdaten zum Quartal meist schon einen Tag früher vorgelegt als angekündigt.
Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten rechnen damit, dass der gestiegene Ticketabsatz, höhere Flugpreise und Währungseffekte dem Konzern einen Umsatzanstieg beschert haben. Trotz der unsicheren Wirtschaftslage in Europa erwarten sie im Schnitt einen Erlösanstieg um fünf Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky schätzt, dass das weiter wachsende Passagiergeschäft dabei einen erneuten Rückgang bei der Fracht ausgeglichen hat.
Trotz hoher Ausgaben für Kerosin erwartet Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher, dass die Lufthansa ihr operatives Ergebnis mit 279 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast stabil halten konnte. Unter dem Strich dürfte die Entwicklung allerdings deutlich nach unten zeigen. Der von den befragten Experten erwartete Überschuss von 113 Millionen Euro würde den Verlust aus dem ersten Quartal nicht einmal zu einem Drittel ausgleichen. Damit stünde auch nach sechs Monaten noch ein Minus von 284 Millionen Euro zu Buche. Im Vergleich zum Vorjahr wäre dies eine Verschlechterung um 38 Prozent.
Trotz der desolaten Gewinnentwicklung hält Deutsche-Bank-Analyst Michael Kuhn die Gewinnprognose des Vorstands für realistisch. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter fliegen den Großteil ihrer Gewinne im reisestarken Sommerquartal von Juli bis September ein. Konzernchef Franz hatte für das Gesamtjahr zuletzt einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt. Dies wäre weniger als im Vorjahr, als der Dax-Konzern operativ 820 Millionen Euro verdient hatte.
Von dem nun geplanten operativen Gewinn gehen zudem noch mögliche Kosten für das Sparprogramm "Score" ab, deren Höhe Franz im Mai noch nicht beziffern wollte. Mit dem Sanierungsprogramm will der Manager das operative Ergebnis des Konzerns bis zum Jahr 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern. Alleine in den Verwaltungsbereichen sollen dazu in den kommenden Jahren 3.500 Vollzeitstellen wegfallen. Die Kürzungen treffen voraussichtlich auch Töchter wie den Caterer LSG Sky Chefs und die Wartungssparte Lufthansa Technik.
Die Lufthansa kämpft wie andere klassische Fluggesellschaften im Europageschäft mit der harten Konkurrenz durch Billigflieger. Auf der Langstrecke machen ihr zunehmend Gesellschaften aus Nahost und der Region Asien-Pazifik das Leben schwer. Die hohen Treibstoffkosten sowie zusätzliche Abgaben wie die deutsche Ticketsteuer und die Kosten für Emissionsrechte in der EU lassen sich kaum komplett auf die Ticketpreise umlegen. Selbst Europas größter Billigflieger Ryanair musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um fast 30 Prozent hinnehmen.
Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Analyst Kuhn kommt das ungünstige Umfeld der Lufthansa-Spitze in anderer Hinsicht zupass. "Die Lufthansa verhandelt mit ihren Beschäftigten über Einsparungen, daher hat sie aus unserer Sicht ein Interesse daran, das Umfeld als schwierig darzustellen."
DZ-Bank-Experte Czerwensky sieht angesichts der Krise auch Entlastungspotenzial beim Kerosin: Nach dem Einbruch des Ölpreises auf 103 US-Dollar je Barrel könne die Lufthansa ihre Treibstoffkostenprognose senken. Dies wäre die Aufgabe der neuen Finanzchefin Simone Menne. Ihr Vorgänger Stephan Gemkow, der im August die Führung des Mischkonzerns Haniel übernimmt, hatte für das laufende Jahr zuletzt noch eine Kerosinrechnung von 7,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, 1,2 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor.
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