Winterflugplan Keine Ferienflieger ab Cochstedt

13.11.2012 - 09:54 0 Kommentare

Der Traum vom Ferienflug in die Sonne ist in Cochstedt vorerst ausgeträumt. Urlauber müssen im Winter auf andere Flughäfen ausweichen. Die Fracht soll's richten.

Flughafen Cochstedt - © © Flughafen Magdeburg/Cochstedt -

Flughafen Cochstedt © Flughafen Magdeburg/Cochstedt

Wer vom Flughafen Cochstedt südlich von Magdeburg in den Urlaub starten will, hofft erst einmal vergeblich. Kein einziger Ferienflieger hebt derzeit von dem Airport in der Börde ab. «Einen Winterflugplan gibt es dieses Jahr nicht», sagt Betriebsleiterin Silke Buschmann. Das sei eine unternehmerische, betriebsinterne Entscheidung. Weitere Angaben macht sie nicht. Der letzte Ferienflieger dieses Jahres war am 27. Oktober von Cochstedt aus gestartet. Im Winter 2011/2012 waren immerhin noch Germania-Flüge nach Ägypten und Spanien im Angebot.

Auch die Flugverbindung nach München und Bern, die vom Airport selbst betrieben wurde, werde in diesem Jahr nicht mehr aufgenommen, sagt Buschmann. Die Linie war wegen schwacher Buchungszahlen im Sommer eingestellt worden. Das Wegfallen der Flüge bringe keine Entlassungen mit sich, betont Buschmann. Die 70 Beschäftigten würden in der Winterpause geschult und weitergebildet.

«Ab kommendem Frühjahr wird es wieder Ferienflieger ab Cochstedt geben», kündigt Sprecherin Ulrike Gruhne an. Derzeit gebe es Gespräche mit Fluggesellschaften. Einzelheiten wollte sie noch nicht nennen. Nach früheren Angaben von Geschäftsführer Uwe Hädicke zählte der Flughafen zuletzt bloß 76.000 Passagiere im Jahr. Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, seien 400.000 Passagiere im Jahr eine gute Zahl. Ob das je erreicht wird, hatten Experten schon immer angezweifelt.

Die Fracht soll's richten

Um die Geschäfte zu verbessern, will Cochstedt den Frachtbereich ausbauen. Der Anteil des Cargo-Geschäfts soll von derzeit drei bis vier Prozent auf 20 Prozent erhöht werden. Vorgesehen ist unter anderem der Bau einer Frachthalle, in der Güter verpackt und durch den Zoll gebracht werden können. Dafür sollen vier Millionen Euro investiert werden. Eigentlich sollte mit dem Bau noch in diesem Jahr begonnen werden, doch wegen der Witterung sei das Projekt nun auf das Frühjahr 2013 verschoben worden, sagt Buschmann.

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte im September, der Flughafen könne Tag und Nacht betrieben werden. «Der 24-Stunden- Verkehr ist Gold wert.» Andere Flughäfen seien dagegen nachts gar nicht oder nur eingeschränkt zu nutzen. Der Flughafen Cochstedt hofft im Cargo-Verkehr auch auf Unternehmen aus Asien. Auf einer Messe sei dort bereits Interesse gezeigt worden, sagte Hädicke.

Mit großen Hoffnungen war der Flugbetrieb am 30. März 2011 aufgenommen worden. Jahrelang hatte das Land händeringend nach einem Käufer für den einstigen sowjetischen Militärflughafen gesucht. 2010 war er schließlich an den dänischen Investor Airport Development A/S veräußert worden - für 1,1 Millionen Euro. Der Airport war in den 90er-Jahren vom Land mit Fördermitteln in Höhe von 60 Millionen Euro ausgebaut worden.

Er hoffe, dass ab Sommer wieder Ferienflugzeuge in Cochstedt starten und landen werden, sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Dass es keinen Winterflugplan gebe, sei die Entscheidung der Eigentümer. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. «Wir hoffen, dass sich der Flughafen gut entwickelt, denn er ist wichtig für die Region und belebt die Wirtschaft», sagte Sprecherin Beate Hagen.

Verkehrsexperte Matthias Gather, Direktor des Institutes Verkehr und Raum an der Fachhochschule Erfurt, macht immerhin Hoffnung. Möglicherweise gebe es im Frühjahr mit Reisebeginn wieder Ferienflüge. Aber Cochstedt habe dieselben Probleme wie der thüringische Flugplatz Altenburg-Nobitz. «Sowohl in Cochstedt als auch in Altenburg fehlt die Nachfrage aus der Region», sagt Gather. In Altenburg waren Anfang 2011 die Linienflüge eingestellt worden. «Sinnvoll wäre es, den Linienbetrieb für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig-Halle zu konzentrieren», sagt Gather.

Von: dpa
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