Keine Erhöhung der britischen Passagierabgabe

25.03.2011 - 18:07 0 Kommentare

Die britische Luftverkehrsabgabe soll vorerst nicht wie geplant erhöht werden. Zur Debatte stehen aber eine Überarbeitung der Staffelung und die Einbeziehung weiterer Personengruppen, was zu erneuter Kritik führte.

Terminal 5 des Flughafens London-Heathrow - © © AirTeamImages.com -

Terminal 5 des Flughafens London-Heathrow © AirTeamImages.com

Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat beschlossen, die Air Passenger Duty (APD) genannte Luftverkehrsabgabe in diesem Jahr nicht wie geplant zu erhöhen. Die Erhöhung soll Medienberichten zufolge um ein Jahr verschoben werden, um die Auswirkungen des jüngsten Ölpreisanstiegs zu mildern.

Daneben sei auch die Idee verworfen worden, die passagierbezogene Abgabe durch eine flugzeugbezogene „Per Plane Duty“ (PPD) zu ersetzen. Seit dem vergangenen Sommer wird über Änderungen der Abgabe nachgedacht. Die Idee der PPD wurde insbesondere von Billigfluggesellschaften unterstützt, da sie Fluggesellschaften – dem Lowcost-Modell entgegenkommend – dazu ermutigen würde, mit dichterer Bestuhlung und möglichst hoher Auslastung zu fliegen.

Bei der Überarbeitung der Abgabe wurde nun außerdem der Vorschlag abgelehnt, die Luftverkehrssteuer auf Transit- und Transferpassagiere sowie auf Frachtflüge auszuweiten. Allerdings schlug die Regierung vor, künftig auch private Flugzeugbetreiber mit einzubeziehen, was umgehend Kritik seitens der Geschäftsreiseluftfahrt hervorrief.

Auch soll die derzeitige Staffelung der Air Passenger Duty einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Je nach Entfernung gibt es vier Stufen, die zudem je nach der Beförderungsklasse noch einmal in einen höheren und einen niedrigeren Satz gegliedert sind. Die Abgabe variiert somit zwischen 12 und 170 Pfund. Wie das Branchenmagazin „Air Transport World“ (Donnerstag) berichtet, steht dieses Modell aufgrund seiner zum Teil unlogischen Gliederung in der Kritik; so sei beispielsweise die Abgabe für Flüge in die Karibik höher als für Flüge ins weiter entfernte Kalifornien. Wie auch die deutsche Luftverkehrssteuer wurde auch die britische Air Passenger Duty ursprünglich mit ökologischen Aspekten begründet.

Die Aussetzung der Erhöhung und die Überprüfung der Staffelung reichen den Fluggesellschaften allerdings noch nicht aus. Das Board of Airline Representatives in the UK (BARUK), das die Interessen der im Vereinigten Königreich tätigen Fluggesellschaften vertritt, forderte die Regierung darüber hinaus auf, die Passagierabgabe zu verringern, sobald die Airlines in den EU-Emissionshandel einbezogen werden. BARUK-Chef Mike Carrivik sagte, die britische Reisebranche zahle bereits die höchsten Luftfahrtsteuern in Europa und die bestehende APD-Staffelung trage nicht der Tatsache Rechnung, dass die Fluggesellschaften ab Januar 2012 für den Emissionshandel zahlen müssten. Es sei nicht gerechtfertigt, dass Flugpassagiere zweimal zahlen sollten.

Die IATA begrüßte zwar, dass die Abgabe zunächst nicht wie geplant erhöht wird. Gleichzeitig wiederholte der Weltluftfahrtverband aber seine Forderung, das Vereinigte Königreich solle die Steuer ganz abschaffen, wenn die Airlines wie geplant ab 2012 in den Emissionshandel mit einbezogen werden.

Kritisiert wird seitens der Fluggesellschaften immer wieder, dass die einzelstaatlich eingeführten Luftverkehrsabgaben zu einem Rückgang der Passagierzahlen führen würden. Nach Informationen des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) sank das Passagieraufkommen in den Jahren 2006 bis 2009 im Vereinigten Königreich um 8,8 Prozent, nachdem die APD zum 1. Februar 2007 auf damals – je nach Stufe – 10 bis 80 Pfund verdoppelt wurde.

Für Deutschland rechnet der Verband damit, dass die 2011 eingeführte Luftverkehrssteuer die deutsche Luftverkehrswirtschaft pro Jahr etwa fünf Millionen Passagiere kosten wird. Zudem hat die Abgabe dem Fiskus bisher weniger Einnahmen gebracht als ursprünglich erwartet.

Von: airliners.de
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