Kein Bieter für Germania - allen Mitarbeitern wird gekündigt

25.03.2019 - 14:44 0 Kommentare

Germania wird nicht wieder abheben. Alle Bieter sind abgesprungen - das gilt nicht nur für den Flugbetrieb: Auch für Wartung und Technik findet sich kein Käufer. Den verbleibenden 1450 Mitarbeitern wird nun gekündigt.

Flugzeuge von Germania am Airport Nürnberg - © © Airport Nürnberg -

Flugzeuge von Germania am Airport Nürnberg © Airport Nürnberg

Die Bemühungen des vorläufigen Insolvenzverwalters für einen Verkauf der Germania oder Teilen davon sind gescheitert. Abgesagt habe nicht nur der verbliebene Interessent für eine Übernahme des Flugbetriebs, teilte die mit dem Verkauf betreute Rechtsanwaltskanzlei HWW jetzt mit. Auch die beiden Interessenten für Wartung und Technik hätten sich aus dem Bieterprozess zurückgezogen.

"Angesichts der Ausgangslage war es von Anfang an klar, dass eine Rettung extrem schwierig sein würde", sagte Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg. "Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen." Trotzdem sei diese Nachricht enttäuschend. Man hätte den Investoren "buchstäblich den roten Teppich ausgerollt".

Gesellschaften werden abgewickelt

Bereits vorher waren etliche Interessenten abgesprungen. Von zunächst über 30 konkreten Anfragen waren zuvor nur noch zwei übrig geblieben. Dazu hatte der vorläufige Insolvenzverwalter die Airline betriebsbereit gehalten. Nun wird die Airline stillgelegt und abgewickelt. Wahrscheinlich erfolgt als nächster Schritt die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Über den Eröffnungstermin entscheidet das Berliner Amtsgericht.

Parallel zu zu verschiedenen Verkaufsszenarien hatte Wienberg nach eigenen Angaben in den letzten Tagen noch versucht, eine "Fortführungslösung im Rahmen eines Wet-Lease" auf die Beine zu stellen. Auch diese Möglichkeit habe sich aber zerschlagen. Aus eigener Kraft seien die insolventen Germania-Gesellschaften aber nicht in der Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen.

Problematisch seien bei allen Verhandlungen neben einem knappen Zeitrahmen vor allem auch die Verhandlungen mit den Leasinggebern gewesen, so Wienberg. So hätten die Leasinggeber die Flugzeuge nicht länger zur Verfügung stellen wollen. Das Flugverbot für die Boeing 737 Max habe die Situation zuletzt nochmal deutlich verschärft, weil dadurch Flugzeuge am Leasingmarkt aktuell noch knapper wurden.

Verbliebenen Mitarbeitern wird gekündigt

Die Zeit drängte aber auch aus einem anderen Grund: Am 31. März läuft die Überbrückungsphase aus, in der die Mitarbeiter der insolventen Teile der Airline Insolvenzgeld über die Bundesagentur für Arbeit erhalten. Die Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigungen und werden zusätzlich zum Anfang April freigestellt.

Auf Anfrage von airliners.de teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit, dass von den rund 1700 Mitarbeitern bei der insolventen Germania Fluggesellschaft mbH (1.426 Beschäftigte), der Germania Technik Brandenburg GmbH (178 Beschäftigte) sowie der Germania Flugdienste GmbH (74 Beschäftigte) seit Februar bereits rund 250 Mitarbeiter selbst gekündigt hätten.

© dpa, Guido Kirchner Lesen Sie auch: Germania-Kunden werden leer ausgehen

Zuletzt war den verbleibenden Mitarbeitern in einem internen Schreiben die Fortführung der "Marke Germania in allen Bestandteilen" in Aussicht gestellt worden. Nach den Plänen hätte Germania ab Mai mit einer deutlich reduzierten Flottengröße wieder an den Start gehen sollen. Die Gespräche mit dem letzten verbleibenden Interessenten konnten allerdings nicht zu einem Abschluss gebracht werden.

Anfang Februar hatte die Berliner Fluggesellschaft mit rund 30 Flugzeugen Insolvenz angemeldet. Germania steuerte viele Reiseziele im Mittelmeerraum an und war Spezialist für verschiedene Nischenmärkte im arabische Raum und Richtung Osteuropa. Jährlich beförderte sie nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Passagiere.

Von: dh
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