Digital Passenger (3) ( Gastautor werden )

Kein Flugzeugsitz ohne Stromanschluss

07.03.2017 - 08:00 0 Kommentare

Nicht immer schafft es unser "Digital Passenger", im Flugzeug seine Geräte mit Strom zu versorgen. Das wird sich bald ändern, hofft Andreas Sebayang und hat für Airlines einen zukunftssicheren Tipp.

Eine Frau surft mit ihrem Laptop an Bord eines Emirates-Flugzeugs im Internet. - © © Onair -

Eine Frau surft mit ihrem Laptop an Bord eines Emirates-Flugzeugs im Internet. © Onair

Nicht selten sitze ich im Flugzeug und ärgere mich, weil ich meinen Laptop, das Tablet oder mein Smartphone nicht laden kann. Es gibt zwar oft Anschlüsse, aber gerade die Universalsteckdosen wackeln oder passen irgendwie doch nicht. Und USB allein reicht nicht und nervt in einer abgedunkelten Kabine. Aber wissen Sie was? Das wird alles bald gelöst: Ich spreche vom neuen USB-Standard, dem "USB Typ C". Der Stecker ist leicht benutzbar und selbst leistungsfähige Geräte können damit aufgeladen werden. Es ist die erste echte internationale und universelle Stromversorgung.

Moderne Notebooks verschiedener Hersteller werden schon per USB Typ C aufgeladen. Und selbst die erste Spielekonsole, Nintendos Switch, ist vor ein paar Tagen erschienen und kann nur per USB Typ C aufgeladen werden. Bei Smartphones gibt es ebenfalls immer mehr Geräte. Die Luftfahrt hat hier die Chance, einigermaßen zeitnah einen sinnvollen IT-Standard zu unterstützen und sei es zunächst nur als Ergänzung. Denn ich bin überzeugt: USB Typ C wird sich zweifellos weit verbreiten.

Zurück zur Armlehne

Die ersten Angebote für Typ-C-Buchsen für Flugzeugkabinen gibt es seit der letzten Apex in Singapur sogar schon. Damit könnten Fluggesellschaften die nicht gerade bedienfreundlichen und platzraubenden internationalen Steckdosen irgendwann verschwinden lassen. Die werden wegen ihrer Größe meist irgendwo in Fußnähe versteckt. Mit USB Typ C könnte das Notebook von der Armlehne aus geladen werden. Der wackelnde US-Stecker wäre Geschichte und das schwere Netzteil braucht auch keiner mehr mitzunehmen.

Die Vorteile von USB-C liegen auf der Hand: Schon die Grundversion der Steckverbindung ist für 10.000 Steckvorgänge spezifiziert und der Stecker kann in beiden Richtungen eingesteckt werden. In einer dunklen Kabine eines Nachtflugs ist USB Typ A eine Zumutung. Der Stecker ist zudem seit Anfang an für Leistungsaufnahmen von 15 Watt vorgesehen. Manch ein Notebook lässt sich damit aufladen oder zumindest betreiben. Und wenn das nicht reicht gibt es die Option bis zu 100 Watt über USB-Typ-C-Kabel mit sogenanntem Power Delivery zu unterstützen. Bei mittlerem Strombedarf klappt das sogar mit normalen USB-C-Kabeln.

© British Airways, Mehr "Digital Passenger": Digitales Geld und analoges Magenknurren

Nun mag der Anwender argumentieren, dass es dafür Adapter braucht. Ob der iPhone-Nutzer nun allerdings ein USB-A-auf-Lightning-Kabel verwendet oder eben das neue USB-C-auf-Lightning-Adapter macht keinen Unterschied. Dasselbe gilt für Micro-USB. Auch hier braucht es nur ein neues Kabel, da die notwendigen Energie-Protokolle abwärtskompatibel sind. Bis die Flotten umgerüstet sind, vergehen ohnehin noch Jahre. Dann ist der Standard längst weit verbreitet.

Bis dahin sind die schweren Notebooks, die noch eine Steckdose brauchen, ohnehin ausgemustert. Fast alle Hersteller haben die Umstellung auf USB-C auf ihrer Roadmap. Und für die alten USB-Geräte gibt es dann genug günstige Ersatzkabel. Wenn eine Fluggesellschaft also noch kein USB in seine Sitze verbaut hat, dann sollten sie jetzt gleich auf USB Typ C setzen. Der Standard ist wirklich zukunftssicher.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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