Kommentar zur A380 ( Gastautor werden )

Kein Flop, aber auch kein herkömmlicher Erfolg

02.01.2018 - 08:01 0 Kommentare

Airbus diskutiert offenbar das Ende der A380. Dabei ist der Doppelstöcker nicht der von vielen Seiten genannte Flop, meint Andreas Sebayang. Immerhin sind über 200 Maschinen des Typs im Einsatz.

A380: Das Produktionsaus droht. Foto: © AirTeamImages.com

Nun könnte also Schluss sein. Vom Airbus A380 werden wohl in absehbarer Zeit keine Maschinen mehr gebaut. Airbus wird die Produktion vom größten Passagierflugzeug offenbar einstellen, da die Nachfrage einfach nicht mehr vorhanden ist und der Konzern auf einigen Maschinen durch Airline-Pleiten möglicherweise sogar sitzenbleibt.

Für Airbus wäre das zweifellos kein Grund zur Freude. Die erhofften Profite wurden nie erreicht und gleichzeitig hat sich das Marktumfeld radikal geändert. Auf der Langstrecke dominieren schon seit geraumer Zeit zweistrahlige Jets, doch die werden immer kleiner und dafür zahlreicher.

Hätten andere den Titel nicht mehr verdient?

Doch einen Flop, wie die Tagespresse den A380 gern bezeichnet, kann man diese kühne Luftfahrtentwicklung wohl kaum nennen. Oder ist es üblich, dass Kunden von einem Flop begeistert sind? Dass ein Flop dutzendfach von großen Drehkreuzen abhebt? Sind es nicht eher der Airbus A318 und Boeings 747-8, die diese Bezeichnung verdient hätten?

Letztendlich wurden "nur" Erwartungen enttäuscht. Doch die Abnehmer der A380 sind mit der Maschine offenbar zufrieden, sonst würden sie die Sitze nicht an Kunden verkaufen und die Flieger schnell stilllegen. Airlines wie Emirates wollen sogar mehr Doppelstöcker haben, allerdings seit Jahren als Neo-Variante. Doch deren Entwicklung ist Airbus für ein paar potenzielle Abnehmer offenbar zu teuer, weswegen nur eine Plus-Variante angekündigt und mit engen 3-5-3-Sitzkonfigurationen herumexperimentiert wurde. Beides konnte potenzielle Kunden nicht überzeugen.

Airbus macht sich selbst Konkurrenz

Dazu kommt eine Entwicklung abseits der Drehkreuze. Mit der Boeing 787 "Dreamliner" zeichnete sich der wirtschaftliche Nutzen von Verbindungen vergleichsweise kleinerer Städte über sehr große Distanzen bereits ab. Airbus hat mit der größeren A350 ebenfalls hierfür eine Lösung im Angebot und damit seinem Riesenjet indirekt Konkurrenz gemacht. Dazu kommt die kommende 777X als Nachfolger der als besonders großen zweistrahligen aktuellen 777 von Boeing. Vier Triebwerke braucht es in der Regel nicht mehr dank immer besserer Zuverlässigkeit.

Und auch Narrow-Bodies gehen auf die Langstrecke, die bisher die Boeing 757 als expliziter Langstreckenjet dominierte. Neuere Maschinen vom Typ A321LR und der 737 MAX schaffen aber zumindest den Hüpfer über den Atlantik. Auch das zieht Kapazitäten von den Drehkreuzen ab und damit den Bedarf für doppelstöckige Flugzeuge. Die kleinen Flieger sind eher voll zu bekommen ... Eine A380 oder auch eine 747-8 nur teilbefüllt zu fliegen, ist wirtschaftlich riskant.

Trotzdem wird uns der angebliche Flop der Luftfahrt auch noch lange über sein drohendes Produktionsende hinaus erhalten bleiben. Nur wenige Carrier (wie etwa Malaysia Airlines) überdenken den Einsatz. Große Fluggesellschaften wie British Airways, Emirates oder Lufthansa lassen den Flieger aufgrund des Erfolgs in der Luft.

Es liegt nicht an Airbus

Allerdings ist die A380 gewissermaßen eine regionale Besonderheit. Die US-Airlines oder Gesellschaften in Latein-Amerika konnte Airbus nie anlocken. Das gelang dem Konzern nur mit der A350, die so oft bestellt wird, dass der Flugzeugbauer bis auf Weiteres eigentlich nicht mit der Produktion hinterherkommt. Es liegt also nicht an Airbus sondern an diesem doch sehr speziellen Produkt. Von einer Nische zu sprechen wären angesichts der 221 ausgelieferten Maschinen allerdings falsch.

Gut möglich, dass einige Airlines die A380 schon aus Statusgründen noch sehr lange im Einsatz halten werden. Zumal die Maschine genug Platz bietet, um Luxusfluggäste mit Streckenangeboten in Suiten zu versorgen, die soviel wie ein Kleinwagen kosten. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Wer einen Airbus A380 hat, der fliegt diesen mit einem gewissen Stolz, wie einst die 747. Die Kunden sind ohnehin oft genug schon in der Economy Class begeistert und mancher Fluggast will einfach mal mit dem aktuell größten Passagierflieger verreisen. Da gehört das Angebot mit zum Urlaubserlebnis.

Spezielle Angebote sind in der Luftfahrt zudem nichts besonderes. Seien es die 777 in der 200LR-Variante für besonders weite Strecken oder bald auch die Ultralangstrecken-Version der A350 als Nachfolger der A340-500, die eigentlich nur Singapore Airlines haben möchte. Die A380 wird perspektivisch in diesen Teil der kommerziellen Luftfahrt abrutschen. Für das nächste Jahrzehnt wird der in vieler Hinsicht erfolgreiche Super-Jumbo, aber weiterhin oft am Himmel über großen Flughäfen zu sehen sein.

Über den Autor

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert er den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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