Kebekus über Niki: Lufthansa-Deal oder Konkurs

08.12.2017 - 08:17 0 Kommentare

Die Übernahme von LGW und Niki durch Lufthansa hängt aktuell in Brüssel fest. Air-Berlin-Generalbevollmächtigter Kebekus sieht darin eine große Gefahr für den österreichischen Carrier: "Der Konkurs-Antrag liegt schon auf der Fensterbank."

Air Berlin und Niki: Steht die Insolvenz des österreichischen Carriers kurz bevor?Foto: © AirTeamImages.com, Chris Jilli

Um die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki steht es offenbar schlimmer, als gedacht. Werde der anvisierte Verkauf an Lufthansa von den Kartellbehörden gestoppt, sehe er kaum noch eine Chance, die Insolvenz (österreichisch: Konkurs) des Carriers abzuwenden, sagte der Generalbevollmächtigte der Air Berlin, Frank Kebekus, dem "Handelsblatt".

Den Konkurs-Antrag für Niki habe ich schon vorbereitet, er liegt auf der Fensterbank.

Frank Kebekus, Generalbevollmächtigter der Air Berlin

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche entschieden, die Prüfungsphase des Deals um zwei Wochen bis kurz vor Weihnachten auszuweiten, nachdem Lufthansa das Zugeständnis gemacht hatte, auf viele Niki-Slots zu verzichten. Konzernchef Carsten Spohr sagte Anfang der Woche, man übernehme "eine Niki quasi ohne Slots".

Auf wie viele Slots will Lufthansa verzichten?

Medienberichte sprachen später davon, Lufthansa verzichte lediglich auf rund ein Drittel der Start- und Landerechte von Niki und sei zuversichtlich, einen Großteil auch anschließend bei Slotkonferenzen zugesprochen zu bekommen - auch weil es wohl kaum andere Bewerber gebe. Für Brüssel stünde die Wettbewerbssituation im Vordergrund, betonte Kebekus, aber:

Die EU-Kommission muss erkennen, dass das einzige Alternativszenario zu einem Lufthansa-Deal die Insolvenz von Niki ist.

Frank Kebekus, Generalbevollmächtigter der Air Berlin

Lufthansa will von der insolventen Air Berlin die beiden Töchter LGW und Niki inklusive der Landesrechte für rund 210 Millionen Euro übernehmen. Mit dem Geld soll auch der 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung getilgt werden. Die EU-Kommission muss dem Deal zustimmen, da er maßgeblich die Machtstruktur am europäischen Himmel neu ordnet.

"Brauchen Entscheidung noch vor Weihnachten"

Die Prüfung dessen könnte sie nach Phase eins, die am 21. Dezember endet, noch einmal um mehrere Monate verlängern. Kebekus lehnt dies mit Blick auf Niki ab: "Wir brauchen eine Entscheidung noch in Phase eins, also vor Weihnachten. Im Moment hängt Niki am Tropf der Lufthansa. Die hat aber immer wieder klargemacht, dass sie das nicht noch weitere drei Monate durchziehen wird."

Lufthansa kauft aktuell im großen Stil Tickets bei Niki. Dies hat laut Spohr den Zweck, Niki solvent zu halten. Nach airliners.de-Informationen schießt der Kranich-Konzern jede Woche zehn Millionen Euro in Niki. Falle diese Finanzierung weg, würden die Flugzeuge der österreichischen Tochter "noch am selben Tag" gegroundet werden, so Kebekus.

Gespräche mit anderen Bietern wohl wenig erfolgsversprechend

Angesichts der deutlichen Zeichen aus Brüssel, dass der Deal scheitern könnte, hat Kebekus bereits das Gespräch mit anderen Bietern gesucht. "Wir haben mit einer größeren Truppe in London mit Vertretern der IAG verhandelt, die uns aber dann klargemacht haben, dass es kein neues Angebot geben wird", so Kebekus.

Auch mit Thomas Cook führte er Gespräche. Der Reisekonzern hat seine Tochter Condor zusammen mit Niki-Gründer Niki Lauda ins Rennen schickten. Nach den bisherigen Gesprächen sei er skeptisch, "dass da aus Gläubigerperspektive und auch mit Blick auf die Arbeitsplätze noch ein entsprechend akzeptables Angebot herauskommen" werde.

© privat, Lesen Sie auch: "Ein EU-Verbot würde Lufthansa nicht schaden" Interview

Bei Niki sind den Angaben nach rund 1000 Menschen direkt angestellt. Aber im Fall eines Konkursverfahrens wären auch "bis zu 60.000 Passagiere täglich betroffen" und etwa 80.0000 Tickets würden wertlos.

Von: cs
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