Kassel-Calden schöpft nach schwerem Start neue Hoffnung

18.12.2013 - 10:48 0 Kommentare

Erst folgte für den Flughafen Kassel-Calden eine schlechte Botschaft auf die nächste: Die Zahl der Flüge nahm ab, die Kritik wuchs. Zum Jahresende jedoch kam die Nachricht, die für Aufwind sorgen könnte.

Der Schriftzug "Kassel" steht an der Fassade des Flughafens Kassel-Calden.

Der Schriftzug "Kassel" steht an der Fassade des Flughafens Kassel-Calden.
dpa - Uwe Zucchi

Der Check-In-Bereich im Flughafen Kassel-Calden.

Der Check-In-Bereich im Flughafen Kassel-Calden.
dpa - Uwe Zucchi

Geschäftsflugzeuge stehen vor dem Tower des Flughafens Kassel-Calden.

Geschäftsflugzeuge stehen vor dem Tower des Flughafens Kassel-Calden.
dpa - Uwe Zucchi

Eine Frau mit Koffer geht auf das Terminal des Flughafens Kassel-Calden zu.

Eine Frau mit Koffer geht auf das Terminal des Flughafens Kassel-Calden zu.
© dpa - Uwe Zucchi

2014 könnte es für den umstrittenen Flughafen Kassel-Calden steil nach oben gehen. Grund für den Optimismus liefert die Fluggesellschaft Turkish Airlines, die im November ankündigte, Linienflüge zwischen Kassel und Istanbul anbieten zu wollen. Bislang waren die Schlagzeilen für den neuen Flughafen oft negativ, doch für 2014 regt sich nun neue Hoffnung. Allerdings haben CDU und Grüne bei ihren Koalitionsverhandlungen in Wiesbaden auch Anforderungen an die Betreibergesellschaft formuliert. So soll unter anderem das Defizit gesenkt werden.

Schon vor der Eröffnung im April hatte es Kritik gehagelt. Der Neubau des Flughafens, der ursprünglich 151 Millionen Euro kosten sollte, schlug mit 271 Millionen Euro zu Buche. Auch die Auslastung wurde bemängelt. «Für die wenigen Ferienflüge hätte man nicht 271 Millionen Euro der Steuerzahler in die Luft blasen müssen», erklärte die Landtags-Grünen-Sprecherin für Verkehr, Karin Müller, noch im August. Im November sagte Grünen-Landeschef Tarek Al-Wazir dann: «Es ist klar, dass man Projekten, wenn sie denn mal da sind, auch eine gewisse Chance geben muss.» Während der Koalitionsverhandlungen mit der CDU wollten sich die Grünen nicht zum sonst heftig kritisierten Flughafen äußern.

Schwieriger Start im April

Der Flughafen erwischte einen denkbar schlechten Start. Allgemeine Unsicherheit in der Luftfahrtbranche und nicht zuletzt das Chaos am Berliner Flughafen mit den verschobenen Eröffnungsterminen führten dazu, dass auch in Kassel Fluggesellschaften zurückhaltend waren. Niemand habe geglaubt, «dass wir bis zum 4. April betriebsbereit sind, nachdem in Berlin alles schwierig wurde», sagt Flughafen-Chefin Maria Anna Muller.

Geplant waren für 2013 rund 100.000 Passagiere. Eine Fluggesellschaft aber zog sich zurück, weil sie insolvent ging. «Dieser große Verlust war kurzfristig nicht zu kompensieren. Wir werden also mit knapp der Hälfte des geplanten Aufkommens leben müssen», betont Muller.

Gleich einer der ersten Flüge fiel wegen zu wenigen Passagieren aus, ein weiterer wurde wegen einer mysteriösen Massenerkrankung beim Kabinenpersonal einer Fluggesellschaft gestrichen, es wurden sogar Passagiere zum unmittelbaren Konkurrenzflughafen nach Paderborn gebracht, ein Flugzeug «verfuhr» sich - Kassel-Calden kam kaum aus den Schlagzeilen. «Die Berichterstattung war zum Teil fachlich völlig unzutreffend und schlicht und ergreifend zum Teil auch falsch und wirkte dadurch geschäftsschädigend», sagt Muller. Doch während im Sommerflugplan wenigstens regelmäßig Flüge stattfanden, ist derzeit am Flughafen tote Hose. Der Winterflugplan weist nicht einen Ferienflieger aus.

Minus auf Vorjahresniveau erwartet

Nach Mullers Angaben fällt in diesem Jahr wieder ein Minus an, das sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegen wird. 2012 hatte der Flughafen einen Zuschuss von 6,6 Millionen Euro benötigt. Endgültige Zahlen zum Jahresergebnis gibt es aber erst 2014.

Doch im neuen Jahr soll alles besser werden: Im November kam die Nachricht, dass die aufstrebende Fluggesellschaft Turkish Airlines Linienflüge zwischen Kassel und Istanbul anbieten will. Damit wird KSF, so das Kürzel des Flughafens, an das weltweite Streckennetz von Turkish Airlines angeschlossen.

Die Vereinbarungen von CDU und Grünen sehen vor, dass die Betreibergesellschaft aufgefordert wird, ihr Defizit um mindestens zehn Prozent pro Jahr zu reduzieren. 2017 sollen die Perspektiven des Flughafens, der unter chronisch schlechter Auslastung leidet, dann überprüft werden.

Der Bund der Steuerzahler Hessen (BdSt) bleibt bei seiner Kritik, dass die Erweiterung des Flughafens Steuerverschwendung war. «Der Ausbau wäre nicht notwendig gewesen.» Stattdessen würden die Steuerzahler nicht nur durch die Baukosten belastet, sondern durch zu erwartende jährlichen Verluste in Millionenhöhe. «Daran ändert eine einzige neue Airline leider nur wenig», sagt ein BdSt-Sprecher.

Einen Flugplan gebe es, «sobald die Turkish Airlines wieder Kapazitäten frei hat», betont Muller. Zudem stehen bislang außer Sonderabflügen nach Süditalien, Südengland, oder Heraklion mehrmals wöchentliche Abflüge nach Antalya und Mallorca auf dem Plan. Muller betont, für 2014 wünsche sie sich unter anderem «viele glückliche Starts und Landungen».

Von: dpa
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