Suche nach strategischem Partner

Kassel-Calden: Interesse aus China

20.07.2011 - 17:56 0 Kommentare

Übernehmen die Chinesen den Flughafen Kassel-Calden? Bei einem Bieterverfahren könnte diese Frage nun beraten werden. Das Finanzministerium verwies auf einen Landtagsbeschluss vom Mai, wonach ein strategischer Partner gesucht werden soll. Offen sind die wirtschaftlichen Folgen für das umstrittene Projekt.

Piktogramm auf einem Verkehrsschild in Kassel-Calden - © © dpa - Uwe Zucchi

Piktogramm auf einem Verkehrsschild in Kassel-Calden © dpa /Uwe Zucchi

In China gibt es möglicherweise Interessenten für einen Einstieg beim nordhessischen Flughafen Kassel-Calden. Die chinesische HNA Group, zu der auch Hainan Airlines gehört, sei dafür ein Kandidat, sagte der Präsident des Netzwerks Hessen-China, Alfred Schmidt, am Mittwoch der dpa in Kassel. «Es gibt ein generelles Interesse dieser Fluglinie aus China.» Mit Blick auf die Anfragen aus Fernost werde jetzt ein sogenanntes strukturiertes Bieterverfahren eingeleitet.

Der Ausbau des Regionalflughafens, der nach derzeitigem Stand 225 Millionen Euro kosten soll, ist umstritten. Kritiker haben ökologische Bedenken; sie gehen auch davon aus, dass der Flughafen nie kostendeckend arbeiten wird. Gesellschafter der Flughafen GmbH Kassel (FGK) sind das Land, die Stadt und der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden. Sie hatten vergangene Woche beschlossen, nach einem Partner zu suchen, der entweder Anteile an dem Flughafen übernimmt oder als Betreiber fungiert.

Der gesuchte Partner sollte zwischen 10 und 49 Prozent der Anteile übernehmen oder sich auf ein «anderweitiges nachhaltiges Engagement» festlegen. Schmidt, früher in Hessen FDP-Wirtschaftsminister, nannte es unwahrscheinlich, dass sich ein Partner an den Baukosten beteiligen werde. Es komme darauf an, nach der Inbetriebnahme 2013 kostendeckend zu arbeiten. Der Bürgermeister von Calden, Andreas Dinges (parteilos), wurde in der «Hessischen/Niedersächischen Allgemeinen» zitiert, der Partner solle helfen, die zu erwartenden Betriebsverluste zu verringern.

Laut Ausschreibung wird als Partner vorzugsweise eine Fluggesellschaft, ein Logistikunternehmen oder ein Touristikkonzern gesucht. Nach Schmidts Beschreibung ist die Hainan Airlines genau auf diesen Gebieten tätig. Heimatflughafen der staatlich dominierten Fluglinie ist Haikou, Hauptstadt der chinesischen Provinz Hainan. Sie fliegt in Westeuropa Berlin, Budapest, Brüssel und Zürich an.

Das zuständige Finanzministerium in Wiesbaden machte das Bieterverfahren weniger von einem konkreten Interesse aus China abhängig. Vielmehr habe der Landtag im Mai 2010 die Landesregierung angehalten, einen strategischen Partner zu suchen. Dies werde jetzt umgesetzt. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erklärte am Dienstag: «Wir machen uns auf den Weg, Kassel-Calden wenn möglich noch etwas breiter aufzustellen.»

CDU, FDP und SPD sehen den Ausbau von Kassel-Calden als wichtiges Infrastrukturprojekt für Nordhessen, die Grünen sind dagegen. Es sei gut, wenn das Risiko des Steuerzahlers bei Kassel-Calden durch einen strategischen Partner sinke, sagte die Kasseler Grünen-Landtagsabgeordnete Karin Müller der dpa. Es dürfe aber auf keinen Fall passieren, dass der Steuerzahler für die Infrastruktur bezahle, mögliche Gewinne aber privatisiert würden.

Die Europäische Union muss das zweistufige Bieterverfahren billigen, weil es um eine neue Eigentümerstruktur für den Flughafen geht. Über eine Vergabe wollen die Flughafeneigner bis Ende 2011 entscheiden.

Von: dpa-AFX
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