Kartellamt tadelt Lufthansa für "Algorithmus-Ausrede"

28.12.2017 - 12:17 0 Kommentare

Die hohen Ticketpreise auf innerdeutschen Flügen bringen Lufthansa viel Kritik ein. Konzernchef Spohr schiebt dies auf den Algorithmus des Buchungssystems. Für Kartellamtspräsident Mundt zählt die Ausrede nicht.

Andreas Mundt: Unternehmen könnten "sich nicht hinter Algorithmen verstecken". Foto: © Bundeskartellamt

Der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hat Lufthansa für die "Algorithmus-Ausrede" zu erhöhten Ticketpreise auf innerdeutschen Flügen gerügt. "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben", sagte Mundt der "Süddeutschen Zeitung". Unternehmen könnten "sich nicht hinter Algorithmen verstecken".

Wir prüfen gerade sehr genau, ob die Preise wirklich so stark gestiegen sind wie viele sagen.

Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts

Die Preise für innerdeutsche Flüge sind infolge der Air-Berlin-Insolvenz laut Experten im Schnitt um 30 Prozent angestiegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verteidigte Preistreiberei-Vorwürfe damit, dass die Ticketpreise von einem computerbasierten System errechnet würden und es infolge der erhöhten Nachfrage daher zu höheren Preisen gekommen sei, da die billigeren Buchungsklassen nun früher schließen würden.

© Christoph Brützel, Lesen Sie auch: Airline Yield Management und Pricing Aviation Management

Auf innerdeutschen Flugverkehr fehlen seit dem Aus von Air Berlin rund 60.000 Sitze pro Tag. Spohr kündigte für Anfang kommenden Jahres bereits rund 1000 neue Flüge pro Monat an. Allerdings musste die Billigtochter Eurowings, die auch viel für Lufthansa innerdeutsch fliegt, hunderte Flüge im Januar streichen. Entlastung bei den Ticketpreisen verspricht laut Branchenkennern der Einstieg Easyjets in den Inlandverkehr.

Mundt zeigte Verständnis für die jetzige Situation. Wie es zu den hohen Ticketpreisen kam, sei durchaus nachvollziehbar. Er kenne "mannigfaltig Fälle, bei denen die Preise explodiert sind, nachdem es keine Konkurrenz mehr gab".

Innerdeutsche Kapazitäten
Angaben in Prozent
Lufthansa-Konzern* 91.1
Easyjet 7.3
Weitere Airlines 1.6

*= inkl. Lufthansa und Eurowings.
Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf innerdeutschen Flügen im laufenden Winterflugplan bis Ende März 2018. "Weitere Airlines" sind alle mit einem Anteil von weniger als 0,5 Prozent. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 28. Dezember 2017

Kurz vor Weihnachten genehmigte die EU-Kommission die Übernahme der Air-Berlin-Tochter LGW durch Lufthansa. LGW soll in Eurowings integriert werden. Die Regionalfluggesellschaft flog für Air Berlin vor allem innerdeutsch - hat somit also auch viele Slots an deutschen Flughäfen im Besitz.

Das Bundeskartellamt kündigte Mitte November an, die Ticketpreise bei Lufthansa prüfen zu wollen. Noch sei nicht entschieden, ob es nach dem Vorprüfungs- zur Eröffnung eines Hauptverfahrens kommen werde, sagte ein Sprecher vergangene Woche zu airliners.de.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Diese Airlines könnten die Air-Berlin-Lücken im Inlandverkehr schließen Apropos (22)

Auch der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Klaus Müller, begrüßte die Ankündigung des Kartellamts. Notfalls müssten Konsequenzen gezogen und Preise zurückerstattet werden, sagte er kurz vor Weihnachten.

Von: cs
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