KarstadtQuelle schaltet um auf Expansion - Übernahme von Thomas Cook

23.12.2006 - 10:00 0 Kommentare

Essen/Frankfurt (dpa) - Vor gut zwei Jahren war KarstadtQuelle noch in seiner Existenz bedroht - nach einer radikalen Sanierungskur geht der Konzern jetzt wieder auf Expansionskurs. Mit einer langen Liste an Verkäufen sorgte KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff für Ordnung in dem einst unübersichtlichen Konzern. Nun wird das Reisegeschäft neben den Warenhäusern und dem Versand zu einer der drei großen Säulen des Essener Konzerns ausgebaut. 800 Millionen Euro aus Immobilienverkäufen wird KarstadtQuelle an Lufthansa überweisen, um Europas zweitgrößten Tourismuskonzern Thomas Cook komplett zu übernehmen.

«Es geht nicht mehr um Rettung und Sanierung, sondern um profitables Wachstum», hatte sich Middelhoff bereits Ende vergangenen Jahres zum Ziel gesetzt. Um seine Ziele zu erreichen, muss der ehrgeizige Konzernchef nun aufs Tempo drücken. Bereits 2008 will er die Verantwortung für einen dann auf gesunden Füßen stehenden KarstadtQuelle-Konzern wieder in andere Hände legen.

Erst Ende November hatte Middelhoff mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, sich mit dem geplanten Verkauf der Versandhandels- Tochter neckermann.de von einem der Traditionsunternehmen unter dem Dach des KarstadtQuelle-Konzerns trennen zu wollen. Unklar ist derzeit jedoch, ob es einen Börsengang geben wird, oder ob ein Investor zum Zuge kommen soll. Der Versender Quelle soll jedoch weiterhin unter dem Konzerndach bleiben.

Zuvor hatte sich KarstadtQuelle bereits von von 77 kleinen Warenhäusern, den Fachhandelsketten SinnLeffers, Golf House, Runners Point und Wehmeyer sowie von seinen Beteiligungen an der Kaffeehauskette Starbucks und Fitnessstudios und einem TV-Sender getrennt. Die Entschuldung des einst tief in den roten Zahlen steckenden Konzerns gelang jedoch vor allem durch den Milliarden schweren Verkauf der in den Innenstädten gelegenen wertvollen Warenhausimmobilien.

Sorgenkind des KarstadtQuelle-Konzerns ist jedoch weiterhin der Versandhandel, der trotz anhaltender Sanierungsbemühungen immer noch rote Zahlen schreibt. Noch im dritten Quartal 2006 wies die Versandsparte einen operativen Verlust von 61 Millionen Euro aus. Im kommenden Jahr will der Konzern auch im Versand die lange erwartete Ertragswende schaffen. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf das als zukunftsträchtig geltende Geschäft im Internet. Dabei will man auch von Überschneidungen mit dem Reisegeschäft profitieren, wo das Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt. Außerdem interessiert sich KarstadtQuelle Branchenkreisen zufolge für den britischen Reiseanbieter First Choice. Da könne es mit Thomas Cook beträchtliche Synergieeffekte geben, heißt es.

Die Lufthansa kann sich dagegen mit der Abgabe ihres Anteils an Thomas Cook verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren - und dazu gehört das Geschäft von Reiseveranstaltern nicht. Mit Vereinbarungen, wonach ein Weiterverkauf der Condor durch KarstadtQuelle zunächst nicht möglich ist, wurde auch das größte Problem an dem Geschäft vorerst gelöst: Dass eine Condor in die Hände der Konkurrenz oder finanzkräftiger Finanzinvestoren fällt und der Lufthansa unangenehme Konkurrenz macht. Nach mehreren Jahren ist ein Weiterverkauf von Condor aber weiterhin nicht ausgeschlossen.

Die direkte Übernahme von Condor in den Lufthansa-Konzern wäre zwar auch eine Lösung gewesen, doch könnte es hier Überschneidungen mit dem Angebot der Billigtochter Germanwings geben. Und nur für die Expansion in Deutschland braucht Lufthansa nicht unbedingt eine neue Fluglinie im Konzern - schließlich hat der Konzern selbst massive Expansionspläne und bestellte allein in diesem Jahr neue Flugzeuge für mehr als sechs Milliarden Euro.

Anders sieht es dagegen im Ausland aus. Nach der Übernahme der Swiss in der Schweiz und Air Dolomiti in Italien hat Lufthansa nun plötzlich auch ein direktes Standbein in der Türkei. Denn der 50- Prozent-Anteile der Condor an der türkischen Sun Express soll an die Kranichairline gehen. Die stark wachsende Sun Express befördert heute nicht mehr nur Deutsche zum Urlaub in die Türkei, sondern ist inzwischen auch innerhalb der Türkei als Billigflieger aktiv - als Alternative zu den verbreiteten Buslinien quer durch die Türkei.

Von: Von Uta Knapp und Rochus Görgen, dpa
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