Kabinenvertretung Ufo stimmt für Neuanfang

14.09.2018 - 13:54 0 Kommentare

Die Mitglieder der Ufo verordnen sich einen Neuausrichtung: Unter anderem soll es im kommenden Jahr eine neue Satzung und vorgezogene Vorstandswahlen geben. Das jetzige Führungsgremium reagiert demütig.

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo © dpa /Frank Rumpenhorst

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat den Neuanfang eingeleitet. Nach airliners.de-Informationen sprach sich die Mehrheit auf der Mitgliederversammlung am Donnerstag für die Errichtung einer Grundsatzkommission aus. Die Abwahlanträge gegen einzelne Vorstände sind daraufhin zurückgezogen worden.

Sie hatten heute die Chance, die Ufo zu zerlegen – das haben sie nicht getan.

Leiter der Ufo-Mitgliederversammlung

Die Kommission, bestehend hauptsächlich aus Mitgliedern der einzelnen Tarifkommissionen, soll innerhalb eines Jahres eine inhaltliche Neuausrichtung der Gewerkschaft inklusive neuer Satzung in Angriff nehmen. Danach sind Neuwahlen des Vorstands vorgesehen. Dies sahen Anträge des Beirats und der AG konstruktiver Dialog vor.

Schiedsstelle soll Anträge angleichen

Beide Anträge sollen nun mit Hilfe einer Schiedsstelle inhaltlich übereinander gebracht werden. Denn: Der Antrag der AG beispielsweise enthielt eine Selbstverpflichtungserklärung des Führungsgremiums, dass in der Übergangszeit gemeinsam weitergearbeitet wird. Bei Differenzen soll hier ebenfalls die Schiedsstelle schlichten.

Laut Beobachtern ist die Zusammenarbeit im Vorstand aktuell schwer vorstellbar. Denn die Gräben im Führungsgremium sind groß: Auf der einen Seite der ehemalige Ufo-Chef Nicoley Baublies und seine Vertraute Sylvia de la Cruz; auf der anderen Seite stehen mehrere Vorstände um den jetzigen Gewerkschaftschef Alexander Behrens. Vorstand Gil Henschel bekundete am Donnerstag noch einmal seine Sympathie für das Team Baublies/de la Cruz, wodurch die Verteilung drei gegen sechs Vorstände realistisch aus.

Der Antrag besagt aber auch, dass die Gremiumsspitze paritätisch mit Vertretern beider Lager besetzt werden muss. Neben Behrens müssen also Baublies, de la Cruz oder Hensch zum zweiten Vorsitzenden benannt werden.

Vorstand gibt sich demütig

Die neue Einigkeit demonstrierte der neunköpfige Vorstand am Freitag umgehend in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter: "Das heißt erst einmal, dass keine der Konfliktparteien gewonnen und keine verloren hat." Nach intensiven Debatten auf der fast neunstündigen Sitzung sei klar geworden, dass es "keine eindeutigen Verlierer, aber vor allem keine Gewinner in diesem Konflikt" gäbe.

Wir, der Vorstand, sind nicht richtig mit dem Konflikt umgegangen.

Brief des Ufo-Vorstands

Die Mitgliederversammlung habe die "berechtigte Ansage" abgeben, "dass wir uns zusammenzureißen haben, um die Ufo so aufzustellen, dass nachfolgende Generationen ein sauber bestelltes Haus übernehmen können". Dies sei sehr deutlich angekommen. Der "gestrige Showdown ist in eine Bewährungsprobe gewandelt" worden.

Ufo-Chef Behrens äußert sich

Ufo-Chef Behrens konstatiert, dass in den vergangenen Jahren zu viele Verlierer produziert worden seien. "Der Ball liegt nun im Feld des Gesamtvorstands", so Behrens zu airliners.de. "Die Mitglieder wollen Frieden und Kontinuität." Sie bräuchten eine Ufo, die nach innen sowie außen stark sei.

Bei aller Harmonie betont Behrens auch: "Die Konflikte sind nicht weg, wir haben uns jedoch vereinbart, diese zurückzustellen und die Aufgaben der Ufo in den Vordergrund zu stellen. " Man werde nun konzentriert an die Arbeit gehen und dabei "die Bedürfnisse unserer Mitglieder in den Vordergrund stellen".

"Ufo wird wieder unbequem"

Ufo-Tarifvorstand Baublies stimmt dem zu: "Natürlich ist es noch ein weiter Weg, die internen Gräben wirklich wieder zu schließen." Schließlich gäbe es intern sowie extern "viele Menschen, die erst noch sehen müssen, dass wir das Ganze ernst meinen und hinbekommen. Da sind wir auf Bewährung", sagte er zu airliners.de. Doch die Arbeitgeber dürften sich schon mal auf eine wieder geschlossenere und handlungsfähigere Ufo einstellen.

Auch der Ufo-Altgewerkschafter Uwe Hien lobt die Entscheidung der Mitgliederversammlung: "Nun ist die Energie wieder da, dass Ufo unbequem wird", sagte er zu airliners.de. "Wir können uns nun damit beschäftigen, wie wir die Arbeitgeber unter Druck setzen." Viel zu lange habe man über einzelne Personalien gesprochen.

Interner Streit rankte sich um Vorstände

In den vergangenen Monat hatte sich eine intensive Debatte um Baublies und de la Cruz gerankt. Beide wurden nach airliners.de-Informationen im Vorstand immer wieder bei Vorhaben vom anderen Lager ausgebrochen.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Tiefe Risse in der Kabine Hintergrund

Vor allem Baublies' harter Kurs im Ringen um den Lufthansa-Tarifvertrag "Agenda Kabine" wurde demnach zum Streitpunkt. Zwischenzeitlich entzog der Vorstand beiden Personen die Vorstandsressorts, wogegen yBaublies und de la Cruz allerdings einstweilige Verfügungen geltend machten.

Von: cs
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