Vom Elektrotechniker zum Tourismusstrategen

Joussen will Tui verschlanken

12.02.2013 - 17:30 0 Kommentare

Mit Friedrich Joussen steuert fortan ein echter Quereinsteiger die Tui AG. Der Duisburger will dem Konzern mehr Schlagkraft verpassen, frische Ideen hat er zuhauf. Seine neue Rolle sucht der Ex-Vodafone-Chef aber noch.

Friedrich Joussen - © © Vodafone -

Friedrich Joussen © Vodafone

Er will nicht alles anders, aber doch vieles besser machen. Wenn Friedrich Joussen an diesem Mittwoch das Steuer bei der Tui AG übernimmt, beginnt in der Zentrale von Europas größtem Reisekonzern eine neue Ära. Nach 19 Jahren Regentschaft des ebenso umstrittenen wie bewunderten Manager-Urgesteins Michael Frenzel sehnt sich manch ein Anleger nach einem klaren Schnitt in Hannover. Welche Folgen der Antritt des Quereinsteigers für die einzelnen Sparten und Mitarbeiter hat, ist allerdings eine nicht minder spannende Frage.

Joussen (49) kennt keine Denkverbote. Sein Blick von außen soll helfen, das komplexe Tui-Geflecht im Sinn der mächtigen Großaktionäre aus Russland und Norwegen auf Ertrag zu trimmen. Wer ihn als reinen Kostenkiller sieht, dürfte indes nicht das volle Bild vor Augen haben. Kaum eine Führungskraft gilt als so nahbar und offen wie Joussen. Bei aller Lockerheit im Umgang sollte der Reformkurs des frisch gebackenen Touristik-Kapitäns jedoch nicht als Schmusekurs missdeutet werden. Hart, aber herzlich: Nach diesem Motto will «Fritz» Joussen die aus Sicht vieler Branchenbeobachter verkrusteten Tui-Strukturen auf den Prüfstand stellen - inklusiver möglicher Kürzungen bei der Konzernmutter?

Seine Herkunft als Elektrotechniker und treibender Innovator des deutschen Mobilfunkgeschäfts ist da alles andere als hinderlich. «Ich komme aus einem sehr numerischen und analytischen Umfeld. Das hat mich im Leben begleitet», sagt Joussen über Joussen.

Erfindungsreich ist der hoch aufgeschossene Manager mit markigen Zügen und legerem Kleidungsstil nicht nur bei Marketingkonzepten. Bei der Tui soll seine Kreativität weiter kräftig sprühen, nicht umsonst hat sich Chefaufseher Klaus Mangold bei der schwierigen Suche nach einem Frenzel-Nachfolger für ihn ausgesprochen. Doch auf eine genaue Rolle hat sich der schnittige Duisburger einstweilen noch nicht festgelegt.

Soll er von oben über das weitverzweigte Tui-Reich mit der starken britischen Pauschalreisetochter Tui Travel, der Hotelsparte, den Kreuzfahrten und der Fluglinie Tuifly herrschen? Oder kommt die viel beschworene Integration mit den Briten - auch nach der Absage an eine baldige Fusion? «Ich bin viel umhergefahren, habe mich schlaugemacht und begonnen, Hypothesen zu bilden», sagt Joussen über seine Vorstellungsrunden bei Mitarbeitern, Bankern und Branchenkollegen. «Ich habe noch keine fertige Strategie, dazu ist es jetzt noch zu früh. Die werden wir in den nächsten Wochen und Monaten erarbeiten.»

Die Fußstapfen, in die Joussen nun tritt, sind groß. Frenzel gehört zu den dienstältesten Firmenlenkern überhaupt. Dass manche Aktionäre seinen Vorgänger wegen des mauen Aktienkurses als Wertvernichter kritisieren, beeindruckt den Neuen wenig. «Es ist eine tolle Marke. Und natürlich ist es auch ein tolles Produkt», begründet Joussen sein Anbandeln mit der Tui. Aber ob die Beschäftigten ihren Konzern einige Jahre nach dem Wechsel noch wiedererkennen? Der auf Kostenkontrolle und Kernkompetenzen erpichte Manager belässt es bei Andeutungen: «Es gibt sicher Dinge, die man noch besser machen kann.»

Von: dpa
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