Nach Protesten

Jet Airways macht Kündigungswelle rückgängig

17.10.2008 - 11:45 0 Kommentare

Nach heftigen Protesten der Betroffenen und aus der Politik verzichtet Indiens größte private Fluggesellschaft Jet Airways auf die Entlassung von hunderten Beschäftigten. Jet Airways hatte am Mittwoch die Streichung von 1900 Stellen angekündigt.

Angestellte der Jet Airways demonstrieren in Mumbai. - © © dpa -

Angestellte der Jet Airways demonstrieren in Mumbai. © dpa

Die größte private indische Fluglinie Jet Airways hat die Kündigung von 1900 Mitarbeitern oder fast 15 Prozent der Belegschaft zurückgenommen. Jet-Airways-Chef Naresh Goyal sagte nach Medienberichten am Donnerstagabend in Bombay an die Adresse der Betroffenen: «Ich entschuldige mich für all die Qualen, die Sie in den vergangenen zwei Tagen durchlitten haben. Sie alle können von Freitag an wieder zur Arbeit erscheinen.» Das Management seiner eigenen Fluglinie habe ihn vorab nicht von den Kündigungen informiert. «Ich konnte die ganze Nacht nicht mehr schlafen, als ich sah, was passierte.» Die Angestellten seien wie seine «Familie».

Goyal betonte, die Entscheidung, die Entlassenen wieder einzustellen, sei nicht unter politischem Druck gefällt worden. Die Kündigungen hatten zu Protesten der Betroffenen und Kritik von politischer Seite geführt. Jet hatte am Dienstag mitgeteilt, 800 Mitarbeiter seien bereits entlassen worden, 1100 weitere Kündigungen würden folgen. Jet-Airways-Geschäftsführer B. Saroj Dutta hatte gesagt, der drastische Stellenabbau sei «ein Versuch, die Arbeitsplätze der verbleibenden 11 100 Angestellten zu retten».

Indiens Ölminister Murli Deora kritisierte daraufhin, "man entlässt nicht so plötzlich so viele Leute". Jet machte im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März einen Verlust von umgerechnet knapp 39 Millionen Euro und konnte seine Treibstoff-Rechnung an die staatliche Ölgesellschaft nicht zahlen.

Nach Angaben von Jet Airways wird die Luftverkehrsindustrie in Indien bei einem Umsatz von 6 Milliarden Dollar im laufenden Finanzjahr wegen hoher Treibstoffpreise und der Finanzkrise voraussichtlich rund 2 Milliarden Dollar (1,46 Mrd Euro) Verluste einfahren. Vor dem Hintergrund steigender Kosten hatte Jet vor den Kündigungen eine weitreichende Zusammenarbeit mit der zweitgrößten privaten indischen Fluglinien, Kingfisher Airlines, beschlossen. Jet und Kingfisher hatten im vergangenen Jahr kleinere Fluglinien aufgekauft.

Indien ist zwar der am zweitschnellste wachsende Luftverkehrsmarkt in Asien, das Wachstum ist seit Jahresbeginn wegen gestiegener Öl- und Ticketpreise aber eingebrochen. Die meisten indischen Fluglinien schreiben inzwischen rote Zahlen. Die staatliche Air India hatte am Donnerstag mitgeteilt, man plane, 15 000 Angestellten drei bis fünf Jahre unbezahlten Urlaub anzubieten.

Von: dpa, AFP
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