So will Alitalia wieder schwarze Zahlen schreiben

16.03.2017 - 16:41 0 Kommentare

Bei der Etihad-Beteiligung Air Berlin ist bereits der Umbruch in vollem Gange. Für die Etihad-Beteiligung Alitalia steht jetzt ein Rettungsplan. Dieser beinhaltet nicht nur die Verkleinerung der Flotte.

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. - © © AirTeamImages.com - Daryl Chapman

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. © AirTeamImages.com /Daryl Chapman

Der Verwaltungsrat der schwer angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia hat einen dringend benötigten Rettungsplan verabschiedet. Bis Ende 2019 will die Airline eine Milliarde Euro Kosten einsparen und wieder schwarze Zahlen schreiben, wie Alitalia jetzt nach einer mehrstündigen Sitzung des Verwaltungsrats mitteilte.

Dazu will sie ihre jährlichen Kosten um eine Milliarde Euro senken und ihren Umsatz um 30 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro steigern. Im gesamten Unternehmen sei eine "Reihe von radikalen und notwendigen Maßnahmen" vorgesehen, um dessen Zukunft zu sichern.

Sobald es Einvernehmen über die Finanzierung des Plans gebe, werde Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo seinen Posten als Verwaltungsratspräsident der Fluglinie verlassen, teilte Alitalia mit. Ihm folge der ehemalige Generaldirektor der italienischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Rai, Luigi Gubitosi.

Kleinere Flotte, mehr Amerika-Strecken

Der Rettungsplan sieht vor, dass die Flotte der Kurz- und Mittelstreckenjets bis zum nächsten Jahr um 20 Flugzeuge schrumpft. Derzeit hat die Gesellschaft eigenen Angaben zufolge insgesamt etwa 120 Maschinen im Einsatz. Alitalia will außerdem ihr Langstreckenangebot nach Amerika ausbauen und auf bereits bestehende Strecken mehr Flüge anbieten.

Das Kaufverhalten der Kunden sei sehr stark von den Angeboten der Billigfluggesellschaften geprägt, sagte Unternehmenschef Cramer Ball. Wenn Alitalia langfristig bestehen wolle, müsse die Gesellschaft die richtige Größe, die richtige Aufstellung und die notwendige Produktivität und Kosten haben.

Wenn wir in Italien und Europa nicht gegen die Billigflieger ankommen, werden wir Passagiere für Langstreckenflüge verlieren.

Cramer Ball, Unternehmenschef Alitatlia

Denn für die meisten Alitalia-Kunden auf der Kurzstrecke sei ihr Flug der Anschluss zu einem Langstreckenflug der Fluggesellschaft, so Ball.

Alitalia orientiert sich auch an Low-Cost-Carriern

Einige der geplanten Veränderungen sind ganz nach dem Vorbild der Billig-Airlines: So sollen Passagiere auf der Kurz- und Mittelstrecke etwa eine Sitzplatzreservierung oder aufgegebenes Gepäck gegen Aufpreis hinzubuchen. Dies ist inzwischen auch bei anderen klassischen Fluglinien üblich.

Bei Interkontinentalflügen setzt Alitalia weiterhin auf den vollen Service. Die Flugzeuge sollen außerdem mit einem neuen Bordunterhaltungs-System und Wlan-Internetzugang ausgestattet werden.

Sanierung gefährdet Jobs

Wie viele Jobs im Zuge der Sanierung wegfallen sollen, wurde noch nicht bekannt. Italienische Medien spekulieren seit Wochen darüber, die Rede ist von 1600 bis 2000 Stellenstreichungen. Aus Sorge um ihre Jobs hatten die Beschäftigten im Februar bereits gestreikt; die Fluggesellschaft musste deshalb mehr als jeden zweiten Flug streichen.

Alitalia-Beschäftigte demonstrieren am Ende Febuar 2017 am Flughafen Rom-Fiumicino. Foto: © dpa, Alessandra Tarantino/AP/dpa

Nächste Woche sollen sich Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaften mit den Ministern treffen. "Wir kennen noch keine Einzelheiten", teilte der nationale Gewerkschaftsbund CGIL mit. Man werde prüfen, ob der Plan tatsächlich auf eine Aufwärtsentwicklung abziele.

Ob der Rettungsplan den entscheidenden Befreiungsschlag bringt, ist unklar. Die italienische Fluggesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. 2015 betrug das Minus 199 Millionen Euro. 2014 waren es sogar 580 Millionen. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile durch die arabische Fluggesellschaft Etihad Airways aus Abu Dhabi sollte den Neustart bringen.

Marktanteile nach Sitzplatzkapazitäten im italienischen Luftverkehr
Marktanteile in Prozent
Ryanair 26
Alitalia 24
Easyjet 9
Vueling 4
Lufthansa 3
restliche Airlines 34

Diese Grafik zeigt die derzeitigen Marktanteile im italienischen Luftverkehr nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten. Bei den restlichen Airlines beträgt der Anteil jeweils weniger als drei Prozent. Stand: 16. März 2017, Quelle: ch-aviation.com

Doch die Beteiligung erwies sich für die arabische Großaktionärin bislang als teures Zuschussgeschäft - ähnlich wie bei ihrer deutschen Beteiligung Air Berlin. Der deutschen Fluggesellschaft gewährte Etihad erst vor wenigen Tagen über eine Wandelanleihe einen weiteren Millionenkredit.

Bei Air Berlin steht der Rettungsplan schon etwas länger und wird bereits umgesetzt. So werden beispielsweise 38 Maschinen an die Lufthansa vermietet, die österreichische Tochter Niki wird verkauft und es sollen 1200 Stellen abgebaut werden. Außerdem setzt die deutsche Fluggesellschaft verstärkt auf Langstrecken in die USA - eine Strategie, die jetzt auch Alitalia fahren will.

Von: ch, dpa, AFP
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