«Italienische Rettung»

Italien gewährt Alitalia weiteren Überbrückungskredit

23.04.2008 - 16:10 0 Kommentare

Der künftige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi setzt auf rasche neue Übernahmeangebote für die mit einem Mega-Kredit gestützte Fluggesellschaft Alitalia. Es sei gut, mit dem Überbrückungskredit von 300 Millionen Euro einen Niedergang der maroden Altalia abzuwenden, sagte Berlusconi am Mittwoch in Rom. Er wies gleichzeitig die Kritik des scheidenden Regierungschefs Romano Prodi zurück, er habe sich auf inakzeptable Weise in die inzwischen abgebrochenen Verhandlungen mit Air France-KLM über eine Übernahme der Alitalia eingemischt. Das Nein der italienischen Gewerkschaften habe die Verhandlungen beendet, sagte Berlusconi. Er hofft auf eine italienische Investorengruppe zur Rettung der Fluggesellschaft.

Die italienische Flugaufsicht Enac hat nach einem millionenschweren Überbrückungskredit für Alitalia Zurückhaltung in der Frage einem möglichen Entzug der Betreiberlizenz signalisiert. Der Kredit durch die Regierung in Rom "beruhige" und sei "sehr wichtig", um den Bestimmungen zum Betrieb einer Fluggesellschaft innerhalb der Europäischen Union zu entsprechen, sagte Enac-Präsident Vito Riggio am Mittwoch. In den vergangenen Wochen hatte die Enac mehrfach mit einem Entzug der Betreiberlizens für die Alitalia gedroht.

Prodis Regierung hatte der angeschlagenen Alitalia am Dienstag den Überbrückungskredit genehmigt. Damit soll die Gesellschaft in den nächsten Monaten überleben können, nachdem die Gruppe Air France-KLM am Montag ihre Übernahmeangebot endgültig zurückgezogen hatte. Prodi betonte, mit der hohen Summe habe die Regierung Berlusconi entgegenkommen wollen, der einen «gehaltvollen Kredit» gefordert hatte. Zunächst war von einem Kredit von 150 bis 200 Millionen Euro die Rede gewesen. Alitalia muss sich nun nach neuen Interessenten umsehen und das Geld bis zum 31. Dezember zurückzahlen.

Die römische Tageszeitung «La Repubblica» sprach von einem «politischen» Kredit, der Alitalia während des Übergangs von der Regierung Prodi zu Berlusconi über Wasser halten solle. Die Probleme der Airline, die täglich eine Million Euro verliert, blieben damit nach dem Ausschlagen des Air France-KLM-Angebots weiterhin ungelöst.

Berlusconi kündigt "schmerzhafte" Stellenstreichung bei Alitalia an

Die Alitalia-Mitarbeiter müssen sich nach Aussagen des designierten Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf "schmerzhafte" Stellenstreichungen einstellen. Die Sparmaßnahmen würden aber mit finanziellen Hilfen für diejenigen, die ihre Arbeitsplätze verlieren, abgefedert, sagte Berlusconi am Mittwoch dem Radiosender "Nuova Spazio Radio". Mit dem Personalabbau soll die Fluggesellschaft für mögliche Käufer attraktiver gemacht werden.

Weitere Informationen zum Thema:

Von: dpa, dpa-AFX
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Flugbegleiterinnen der Alitalia Lufthansa bietet wohl 500 Millionen für Alitalia-Teile

    Die Bieterfrist für Alitalia läuft ab und die Lufthansa Group will laut italienischer Medien eine halbe Milliarde für den operativen Teil der insolventen Airline bieten. Zunächst einmal verzögert sich das Verfahren aber.

    Vom 16.10.2017
  • Blick aus einer A330 der Alitalia. Alitalia beantragt neue Staatshilfen

    Die insolvente Alitalia bittet um neues Geld vom Staat: Dieser solle bis Ende April 2018 die Mitarbeiter bezahlen. Eigentlich soll im Verkaufsprozess um den Pleite-Carrier kommende Woche die Entscheidung fallen.

    Vom 10.10.2017
  • Ein Flugzeug der Lufthansa. Lufthansa prüft Details zur Übernahme von Alitalia

    Nach Air Berlin könnte sich Lufthansa einen weiteren insolventen Konkurrenten einverleiben: In Italien gilt die Lufthansa Group als Favorit für die Übernahme großer Teile von Alitalia. Der italienische Markt ist interessant.

    Vom 05.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus