Italien kritisiert Lufthansa für Alitalia-Angebot

22.01.2018 - 13:01 0 Kommentare

"Wir wollen Alitalia verkaufen, nicht verscherbeln": Rom findet deutliche Worte für das Angebot der Lufthansa. Indes ist noch unklar, ob Easyjet am Carrier interessiert ist - denn auch von den Briten gibt es Kritik.

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. - © © AirTeamImages.com - Daryl Chapman

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. © AirTeamImages.com /Daryl Chapman

Die italienische Regierung hält das Angebot von Lufthansa für die Krisen-Fluglinie Alitalia für verbesserungswürdig. "Wir denken, man kann es viel besser machen", sagte Verkehrsminister Graziano Delrio dem Radiosender "Rai". Konkret geht es vor allem um die Höhe des vom Kranich gebotenen Kaufpreises und die Streichung tausender Arbeitsplätze.

Wir wollen Alitalia verkaufen, nicht verscherbeln.

Graziano Delrio, Verkehrsminister Italiens

Lufthansa hatte für "eine neue Alitalia" bis zu 250 Millionen Euro und die Übernahme von 6000 der 11.000 Arbeitsplätze geboten - deutlich weniger, als es die italienische Regierung und die Gewerkschaften wollen. Der Kranich-Konzern ist allerdings nur am fliegenden Geschäft interessiert; Techniker und Bodenverkehrsdienste wolle er nicht übernehmen.

In einem Brief an den italienischen Industrieminister Carlo Calenda hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr deutlich gemacht, dass er an einem kurzfristigen Deal mit Alitalia doch nicht interessiert sei.

Die insolvente Airline müsste vor einem Kauf durch die Lufthansa zunächst restrukturiert werden, wird Spohr zitiert. Erforderlich sei eine Reduzierung von Flotte und Personal: "Es bleibt noch eine Menge zu tun, bevor Lufthansa in der Lage wäre, umfassend in die nächste Phase des Prozesses einzutreten."

Auch Wizz Air ist wohl interessiert

Spohrs Zurückhaltung hatte dazu geführt, dass in den vergangenen Wochen wieder Gespräche mit den ursprünglichen Interessenten aufgenommen worden waren. Air France/KLM dementierte gegenüber airliners.de ein neues Gebot. Medienberichten zufolge soll aber nun der ungarische Billigflieger Wizz Air mit am Pokertisch sitzen.

Airlines in Italien
Angaben in Prozent
Ryanair 26.4
Alitalia 23.4
Easyjet 8.9
Vueling 3.5
Lufthansa 3.0
Wizz Air 2.8
Übrige Airlines 32.0

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab italienischen Airports im laufenden Winterflugplan bis Ende März. "Übrige Airlines" sind jene mit je weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 4. Januar 2018

Auch Easyjet wird ein Interesse nachgesagt. In der letzten Bieterrunde war eine gemeinsame Offerte mit dem US-Investor Cerberus diskutiert worden. Cerberus ist unter anderem Aktionär von Commerzbank und Deutscher Bank.

Easyjet übt Kritik an Regierung

Offiziell stehe aber noch nicht fest, ob die Briten erneut in ein Bieterrennen einsteigen würden, so Easyjet-Europachef Thomas Haagensen zur "Börsen-Zeitung": "Das ist ein laufender Prozess und wir müssen sehen, was bei Alitalia in den nächsten Wochen und Monaten noch passiert."

Gleichzeitig übt der Manager Kritik an der italienischen Regierung: Bei Air Berlin habe die Bundesregierung eine klare Ansage gemacht, dass es 150 Millionen Euro geben würde und keinen Cent mehr. "Das hat einen sehr sauberen Prozess ermöglicht", glaubt Haagensen. Für Alitalia habe es genug Geld gegeben, um noch mindestens ein Jahr weiterzufliegen. "Das erschwert die Situation."

© dpa, Lesen Sie auch: Warum Air Berlin und Alitalia nur fast vergleichbar sind Hintergrund

Nachdem die Mitarbeiter von Alitalia gegen ein neues Sparprogramm gestimmt hatten, wurde der Carrier unter staatliche Sonderverwaltung gestellt und bekam eine Finanzspritze, die später noch einmal aufgestockt wurde. Seit Monaten ringt die italienische Regierung um einen Käufer für den ehemaligen Staatscarrier.

Von: cs
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