Hintergrund

Fraport will Griechen-Flughäfen sanieren

22.03.2017 - 12:00 0 Kommentare

Kurz vor dem traditionellen Start der Tourismussaison in Griechenland scheint die Übernahme von 14 Flughäfen durch Fraport zu gelingen. Doch ein Selbstläufer ist dies nicht - es gibt viel zu tun.

Der Flughafen Thessaloniki im Norden Griechenlands. - © © EPA - Sotiris Barbarousis

Der Flughafen Thessaloniki im Norden Griechenlands. © EPA /Sotiris Barbarousis

Heilsbringer oder europäische Wirtschaftsimperialisten? Die Übernahme von 14 Regionalflughäfen durch den deutschen Betreiber Fraport hat im überschuldeten Griechenland zu hitzigen Diskussionen geführt. Zweieinhalb Jahre nach dem Zuschlag durch die staatliche Privatisierungsgesellschaft HRDAF steht der Konzern nun unmittelbar vor der Übernahme der Betriebsstätten - drei auf dem Festland und elf auf den Inseln, darunter Santorin, Mykonos, Korfu oder Kos.

"Ich bin mir sicher, vor Ostern werden wir die Flughäfen übernehmen", hatte Fraport-Chef Stefan Schulte noch vergangene Woche gesagt. Und nun ist auch aus griechischen Regierungskreisen zu hören, letzte Details seien geklärt worden.

Beteiligungen der Fraport an Flughäfen weltweit. An den Airports, die mit einem schwarzen Logo dargestellt werden, ist der Konzern bereits beteiligt - die blauen Flughäfen sollen dazukommen. Zoomen und Klicken Sie in der Karte für eine detailliertere Ansicht.

Die Verpachtung der Flughäfen ist eines der größten Privatisierungsprojekte im überschuldeten Griechenland, das Land hatte sich im Gegenzug für Hilfsgelder zu Sparmaßnahmen verpflichtet.

Die Übernahme und folgende Sanierung der meist veralteten Flughäfen wird in Griechenland vor allem von den Tourismus-Beschäftigten als "Segen für die Branche" gesehen. "Der Flughafen hier ist längst überholt und kann nicht die Bedürfnisse des heutigen Tourismusstromes befriedigen", sagt beispielsweise Christos Pilatakis, ein Hoteldirektor aus Rhodos.

Massive Investitionen geplant

Ein großes Risiko gehen die Frankfurter Investoren mit ihrem einheimischen Partner Copelouzos Group nicht ein. Zwar müssen sie mit der Übergabe sofort 1,2 Milliarden Euro an den griechischen Staat überweisen, doch die derzeit günstigen Zinsen helfen mit, die Belastungen im Rahmen zu halten.

Bei einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro im ersten Jahr sollen vor Steuern und Zinsen 60 Millionen Euro Gewinn übrig bleiben. Unter dem Strich bedeutet das schon im ersten von 40 Konzessionsjahren eine schwarze Null.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Billigflieger und Griechenland-Deal sollen Fraport beflügeln

Allerdings plant Fraport bis 2020 massive Investitionen von zusammen rund 400 Millionen Euro, die auf Jahre hinaus keine Gewinnsprünge zulassen. Das ist aber auch gar nicht notwendig, denn üblicherweise drehen derart langfristige Infrastruktur-Investments erst nach zehn bis 15 Jahren in die Gewinnzone.

Baustopp aus Rücksicht auf Touristen

In Griechenland könnte es deutlich schneller gehen, denn die vielfältige Insellandschaft gilt Touristen derzeit als ideale Alternative zur politisch unliebsamen Türkei.

Bereits 2016 verzeichneten die 14 zu übernehmenden Flughäfen ein Passagierplus von neun Prozent auf 25,3 Millionen Gäste - etwas mehr als der Flughafen Düsseldorf. Das passt in den langfristigen Trend der Griechen-Airports: Seit 2013 ist ihr Passagierverkehr um mehr als 30 Prozent gewachsen. Die landesweit größten Flughäfen in Athen und Heraklion waren bei dem Deal außen vor geblieben.

Am größten Fraport-Übernahmeprojekt, dem Makedonia-Flughafen in der zweitgrößten Stadt Thessaloniki mit zuletzt rund sechs Millionen Passagieren, drohten Bauarbeiten an einer neuen Landebahn die kommende Feriensaison zu vermiesen. Dem Vernehmen nach wird das Vorhaben im Sommer nicht weiterverfolgt, so dass die Jets wie gewohnt starten und landen können.

So soll der Flughafen Thessaloniki nach der Sanierung aussehen. Foto: © Fraport AG/dpa

Die Notwendigkeit der Modernisierung können Besucher am eigenen Leib erfahren. Die Flughäfen der sogenannten Jet-Set-Inseln Mykonos und Santorin sind demnach in einem erbärmlichen Zustand. "Ich gehe nie wieder dort auf Toilette", sagt die Archäologin Eleni Stylianou, die auf den Inseln häufig beruflich unterwegs ist.

An den Flughäfen gibt es viel zu tun, wie das Beispiel Thessaloniki zeigt. Fraport will dort unter anderem einen neuen Eingangsbereich bauen, die Zahl der Sicherheitsschleusen verdoppeln sowie deutlich mehr Schalter und Gepäckförderbänder aufstellen. Investitionen seien an allen 14 Flughäfen geplant, erklärt ein Fraport-Sprecher. Zunächst werde man kleine, schnelle Verbesserungen einführen - wie beispielsweise eine einfachere Beschilderung.

Demonstrationen gegen Übernahme

Die Übernahme ist nicht unumstritten. Linksgerichtete Organisationen und Bürgerinitiativen hatten sich 2016 gegen die Übergabe der Flughäfen "an die Deutschen" gestellt. "Das Vermögen der Bürger wird unter die Kontrolle der Deutschen gestellt", hieß es in einer Erklärung einer dieser Initiativen.

Es gab sogar Demonstrationen vor dem Flughafen "Daskalogiannis" in Chania. Dieser war damals gerade vom griechischen Staat mit EU-Hilfe modernisiert worden.

So soll das Terminal des Flughafens Thessaloniki nach der Sanierung aussehen. Foto: © Fraport AG/dpa

Doch auch der gewerkschaftliche Widerstand hat sich in den vergangenen Monaten gelegt, nachdem Fraport mit der Einstellung neuer Mitarbeiter begonnen hatte. Tausende Bewerbungen habe man erhalten und für die Kernmannschaft von Fraport Greece zum März 450 Leute eingestellt.

Dazu kommen noch zahlreiche Jobs bei externen Dienstleistern. "Es ist eine seriöse Firma und sie hält die Arbeitsregeln ein", sagt eine junge Frau, die im Flughafen von Thessaloniki arbeitet.

Von: Christian Ebner und Takis Tsafos, dpa, cs
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