Vorfeldmarkierungen am Flughafen Berlin Brandenburg © Berliner Flughäfen /Alexander Obst / Marion Schmieding
Potenzielle Investoren für das Umfeld des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld verhalten sich auch knapp fünf Wochen vor der geplanten Eröffnung am 3. Juni abwartend. Insgesamt 40.000 neue Stellen sollen als direkte Folge des neuen Airports entstehen. Rund 12.000 davon wurden bisher realisiert.
"Wir führen Gespräche mit potenziellen Investoren", sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) am Mittwoch in Schönefeld. Eine deutliche Zunahme der Zahlen konkreter Ansiedlungsprojekte wegen der bevorstehenden Inbetriebnahme des Flughafens zeichne sich derzeit jedoch nicht ab. Dennoch seien die Erwartungen nicht enttäuscht worden.
"Im Gegenteil", betonte der Minister und zeigte sich vom "großen Wachstumspotenzial" des Flughafenumfelds überzeugt. Jedem sei klar gewesen, dass zum Zeitpunkt der Eröffnung nicht alle Gewerbeflächen im Airport-Umkreis von 30 Kilometern hätten vergeben sein können. "Wir setzen auf nachhaltige Entwicklung", fügte der Minister hinzu. 2020 werde die Region nicht wiederzuerkennen sein.
Für Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der Zunkunftsagentur Brandenburg (ZAB), ist der neue Airport ein Wachstumsmotor für die Region. "Das spüren wir sogar schon vor der Eröffnung." In den vergangenen beiden Jahren konnten ZAB und Berlin Partner im 30-Minuten-Radius rund um den Flughafen insgesamt rund 200 Ansiedlungsprojekte mit mehr als 9000 neuen Arbeitsplätzen erfolgreich betreuen.
Dazu zählten laut Christoffers ein Testzentrum vom Turbinenhersteller Rolls-Royce in Dahlewitz und die Vergrößerung des MTU-Werks in Ludwigsfelde. Im Logistikbereich hätten Siemens in Ludwigsfelde und DB Schenker in Großbeeren investiert. Außerdem baut Mercedes am Flughafen an der Autobahnausfahrt Schönefeld-Nord ein fünfgeschossiges Airport-Center für Pkw und Taxis. 70 neue Jobs will das Unternehmen dort nach eigenen Angaben schaffen. Air Berlin will bis Anfang 2014 ein Technik-Zentrum am Flughafendorf Selchow errichten. 500 Mitarbeiter würden dann von der Unternehmenszentrale in Berlin dorthin wechseln, sagte Technik-Chef Marco Ciomperlik.
Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) sagte der Nachrichtenagentur dapd, er habe vor der Flughafen-Eröffnung mit mehr Ansiedlungen im Umfeld gerechnet. Mit fortschreitenden Bauarbeiten am Flughafen habe die Zahl der Anfragen potenzieller Investoren auch zugenommen. Aber nachdem der zunächst geplante Eröffnungstermin vom Oktober 2011 nicht mehr zu halten gewesen sei, sei die Nachfrage der Investoren stark zurückgegangen.
"Die Unternehmen warten die Entwicklung jetzt erst einmal ab", sagte Haase. Aber wenn der Flughafen erst in Betrieb ist, würden die Firmen kommen. Die Region biete mit dem Airport ausgezeichnete Voraussetzungen für Firmenansiedlungen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Die Flughafengesellschaft beruft sich immer wieder auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten, demzufolge durch den neuen Airport insgesamt 40.000 neue Jobs entstehen sollen. Mit drei Viertel dieser Stellen werde bis ein Jahr nach der Flughafen-Eröffnung gerechnet, sagte Airport-Sprecher Ralf Kunkel. Flughafenchef Rainer Schwarz ergänzte, am Hauptstadtflughafen entstünden 3.000 neue Vollzeitjobs.
Investitionsbank: Flughafen bringt 450 Millionen Euro nach Berlin
Der neue Hauptstadtflughafen könnte Berliner Hotels, Restaurants und Geschäften bis 2016 rund 450 Millionen Euro an zusätzlichem Umsatz bescheren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung der Investitionsbank Berlin (IBB). Die landeseigene Förderbank rechnet laut einer Mitteilung vom Donnerstag aufgrund neuer Flugverbindungen mit 3,5 Millionen zusätzlichen Fluggästen in den nächsten vier Jahren. Die Hälfte von ihnen werde in Berlin aussteigen und die Hauptstadt besuchen, sagte IBB-Volkswirt Hartmut Mertens. Ihre Ausgaben würden der IBB-Rechnung zufolge 2000 neue Arbeitsplätze schaffen.
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