Internet an Bord könnte günstiger werden

20.07.2018 - 16:44 0 Kommentare

In den USA ist W-LAN an Bord weit verbreitet, in Europa scheuen dagegen noch viele Airlines die Kosten für Internet-Dienste. Eine neue Technologie könnte das ändern - auch auf Kurzstrecken.

Netzwerkkabel auf der Aircraft Interiors Expo. - © © dpa - Maja Hitij

Netzwerkkabel auf der Aircraft Interiors Expo. © dpa /Maja Hitij

Auf einem Flug ins Internet gehen, Mails empfangen oder Telefonate führen - technisch ist das schon lange möglich. Weil die Systeme immer ausgeklügelter werden, sprechen Experten schon von einer "Goldgrube" für die Luftfahrtunternehmen.

"Breitband-Internet an Bord von innereuropäischen Flugzeugen verspricht der gesamten Branche einen Riesen-Reibach", sagt etwa der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth. Die London School of Economics gehe davon aus, dass bis 2035 weltweite Umsätze in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar erzielt werden können. 30 Milliarden Dollar entfielen allein auf Extra-Einnahmen der Airlines.

In den USA ist W-Lan an Bord verbreitet

Zwar ist Internet im Flugzeug schon lange möglich und vor allem in den USA weit verbreitet. In Europa aber bleiben viele Airlines skeptisch. Das liegt vor allem an der bisher eingesetzten Technik, bei der die Daten über Satelliten an Empfänger am Flugzeug übermittelt werden.

Zu teuer sei das und die Internet-Geschwindigkeit oft "unzureichend", heißt es etwa beim Billigflieger Ryanair. "Wir erachten W-LAN nicht als die große Neuerung, da immer mehr Kunden Inhalte vor dem Flug auf ihr persönliches Gerät herunterladen", teilt die irische Airline auf Anfrage mit.

Kosten für Privatreisende zu hoch

Auch die zu Thomas Cook gehörende deutsche Fluggesellschaft Condor plant derzeit kein W-LAN-Angebot in ihren Maschinen. "Die Kosten für die Einrichtung und das Betreiben einer Internetverbindung an Bord sind sehr hoch", teilt ein Sprecher mit.

Bei den Condor-Kunden handelt es sich überwiegend um Urlauber - bei ihnen übernehme kein Arbeitgeber die hohen Entgelte. "Unsere Angebote müssen daher attraktiv und auch für einen Privatreisenden erschwinglich sein", heißt es.

Dabei hielten in diesem Jahr einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft zufolge rund 47 Prozent der Befragten Internet an Bord für eine gute Sache. Fünf Jahre zuvor waren es demnach noch 40 Prozent. Im selben Zeitraum ging die Zahl der Gegner zurück.

Neue Übertragung mit Bodenantennen

Auch neue Technik könnte viele Airlines in Europa zum Umdenken bewegen. So testet die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Satelliten-Unternehmen Inmarsat und Nokia derzeit ihre sogenannte EAN-Technologie. Dabei werden Daten nicht nur über Satellit, sondern auch per LTE-Signal über Funkantennen am Boden ins Flugzeug übertragen - bei Fluggeschwindigkeiten von bis zu 1200 Kilometern pro Stunde.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Wie das schnelle Internet ins Flugzeug kommt Hintergrund

Knapp 300 solcher Antennen seien in ganz Europa aufgestellt, sagt David Fox, bei der Telekom zuständig für Flugdienstleistungen. Schneller und günstiger soll die Datenübertragung damit werden. Erster Kunde ist das britische Luftfahrtunternehmen IAG. Noch befindet sich die Technik in der Testphase. "Es finden aber bereits Gespräche mit anderen Airlines statt", sagt Fox.

Lufthansa bietet W-LAN auf Europa-Flügen

Aufgeschlossen dürfte auch die Lufthansa sein, die seit jeher zu den Vorreitern beim Thema Internet an Bord zählt. Der Konzern und dessen Tochter Eurowings setzen bei Langstreckenflügen bereits seit vielen Jahren auf ein entsprechendes Angebot. "Seit dem Frühjahr 2017 bietet Lufthansa auch auf ihren Deutschland- und Europa-Routen W-LAN-Zugang an", teilt eine Sprecherin mit.

Ganz günstig ist der Service allerdings nicht. Zudem räumt der Luftfahrtriese ein, dass die Verbindungsqualität über Satellit "von diversen Umweltfaktoren beeinflusst" werde. Beim Übergang zwischen den Satelliten könne die Datenübertragung zudem einige Minuten unterbrochen werden.

Billigflieger Ryanair will das Thema auf jeden Fall im Auge behalten. "Wir werden weiterhin beobachten, wie sich das weiterentwickelt", teilt das Unternehmen mit, merkt aber gleichzeitig an: "Einige sind sogar froh, während ihres Fluges nicht kontaktiert werden zu können und eine Auszeit von E-Mails und sozialen Medien zu haben."

Von: pra, Matthias Arnold (dpa)
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