Basiswissen Luftverkehr ( Gastautor werden )

So funktioniert das Interlining-System

14.07.2017 - 09:45 0 Kommentare

Anschlussflüge zwischen mehreren Airlines gehören zum Standard im Luftverkehr. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff Interlining und wie werden die Tarife koordiniert? Luftverkehrsexpertin Sabine Rasch erklärt.

Ein Passagier checkt Flüge am Mailänder Flughafen. - © © dpa - Antonio Calanni/AP/dpa

Ein Passagier checkt Flüge am Mailänder Flughafen. © dpa /Antonio Calanni/AP/dpa

Aus Passagiersicht ist es einfach: Auf dem Ticket stehen Anschlussflüge verschiedener Airlines und darunter ein Preis. Auf der Reise wird der Koffer dann durchgecheckt und alles ist gut. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was eigentlich dahintersteckt, damit dieses sogenannte "Interlining" weltweit funktioniert.

Der Grundgedanke des Interlining-Systems war, auch für Flugreisen, die sich über mehrere Länder erstrecken und mehrere Fluggesellschaften einbeziehen, nur ein Ticket in einer Währung ausstellen zu müssen. Voraussetzung hierfür waren lange Zeit einheitliche Tarife aller teilnehmenden Carrier. Gleichzeitig sollte eine durchgehende Gepäckabfertigung sowie die Umbuchbarkeit und Übertragbarkeit der Tickets auch auf andere Carrier gewährleistet werden.

Nachdem die IATA dieses System gut 50 Jahre lang erfolgreich eingesetzt hat, haben kartellrechtliche Vorschriften gegen diese Art von Preisabsprachen zu einer Veränderung der Spielregeln geführt: Seit 2007 wird stattdessen ein Durchschnittspreis aller Preise in bestimmten Regionen, den sogenannten "Konferenzgebieten", ermittelt.

Fluggesellschaften mit internationalen Diensten haben das Recht, an den Tarifkoordinierungskonferenzen der IATA zur Umsetzung des multilateralen Interlining Systems teilzunehmen. Wobei die eigentliche Tarifkoordinierung mittlerweile nicht mehr auf den Konferenzen, sondern mittels eines internetbasierten Abstimmungsverfahrens stattfindet.

Tarife werden auch nicht mehr abgesprochen, sondern automatisch ermittelt. Basis dafür sind die "Carrier Fares" (airlinespezifische Tarife, die nur von einer Airline akzeptiert werden) aller am System teilnehmenden Fluggesellschaften aus der jeweiligen Region. Die ermittelten Durchschnittspreise werden dann mit einem Aufschlag versehen und als umbuchbarer, übertragbarer IATA-"Flex-Fare" ausgegeben.

Die Tarifkoordinierungskonferenzen sind geografisch gegliedert in "Tariff Conference Areas" und "Tariff Conference Subareas". Fluggesellschaften, die an diesen Konferenzen teilnehmen möchten, werden automatisch den Areas/Subareas zugewiesen, in denen sie über die 3. oder 4. "Freiheit der Luft" verfügen. "Echte" Konferenzen werden nur noch auf jährlicher Basis zu grundsätzlichen Fragen der Tarif-, Gepäck- und Währungsbestimmungen abgehalten.

Tarifkonferenzgebiete („Areas“)

Die drei IATA-Tarifkonferenzgebiete (TC) erstrecken sich jeweils über:

  • TC 1: Nord – und südamerikanischer Kontinent, Süd- und Mittelamerika, Bermudas, Karibische Inseln, Westindische Inseln, Hawaii und Grönland
  • TC 2: Europa (s.u.), Afrika und die benachbarte Inseln, Ascension, den westlichen Teil Asiens inkl. Iran und den Mittleren Osten
  • TC 3: Östliche Hemisphäre: Asien und die benachbarten Inseln (außer dem TC 2 zugeordneten Gebiet), die ostindischen Inseln, Australien, Neuseeland und benachbarte Inseln sowie die Pazifischen Inseln (mit Ausnahme der TC 1 zugeordneten Inseln)

Gleichzeitig nimmt die IATA noch eine Unterscheidung der TCs in westliche und östliche Hemisphäre vor:

  • TC 1 und TC 2 = Westliche Hemisphäre
  • TC 3 = Östliche Hemisphäre

Darüber hinaus sind etliche "Tariff Coordinating Conference Subareas" festgelegt, die für Tarife innerhalb von Teilgebieten zuständig sind oder aber für Tarife zwischen verschiedenen Gebieten, zum Beispiel:

  • Innerhalb Europas
  • Innerhalb Afrikas
  • Innerhalb des Mittleren Ostens
  • Innerhalb des Südasiatischen Subkontinents
  • Südostasien
  • Südwestpazifik
  • Japan und Korea
  • Karibik
  • Innerhalb Südamerikas
  • Nordatlantik – Europa (zwischen Kanada, Mexiko, USA, Puerto Rico, Virgin Isalnds und TC2 innerhalb Europas)
  • Mittelatlantik – Europa (für Verbindungen von Anguilla, Antigua und Barbuda, Aruba, Bahamas, Bahamas, Barbados, Belize, Bermuda, Bolivien, Britische Jungferninseln, Cayman Inseln, Kolumbien, Costa Rica, Kuba, Dominica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Französisch Guyana, Grenada, Guadeloupe (incl. St. Barthelemy und Nord-St. Martin), Guatemala, Guyana, Haiti, Honduras, Jamaica, Martinique, Montserrat, Niederl. Antillen, Nicaragua, Panama, Peru, St. Kitts-Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Surinam, Trinidad und Tobago, Turks und Caicos Inseln, Venezuela) und TC2 innerhalb Europas
  • Südatlantik (für Verbindungen zwischen Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Uruguay und TC2 innerhalb Europas

Die IATA-Gebiete weichen teilweise von den geografischen und/oder politischen Festlegungen ab - So gehören zur IATA-Subarea Europa auch Länder wie Algerien, Armenien, Aserbaidschan, Azoren & Madeira, Georgien, die Kanarischen Inseln, Marokko Tunesien, die Türkei inklusive des asiatischen Teils und Zypern. Zum Mittleren Osten hingegen zählen auch Ägypten und der Sudan.

Richtungscodes (Global Indicators)

Bei der Koordinierung von Tarifen spielen auch die Streckenführungen eine entscheidende Rolle. Insbesondere auf Langstreckenflügen ist es wichtig, zu unterscheiden, auf welcher globalen Route der Passagier sein Ziel anfliegt, da verschiedene Routen unterschiedliche Entfernungen beinhalten und damit auch unterschiedliche Preisberechnungen nach sich ziehen können.

Tarifgebiete und Richtungscodes (Global Indicators) der IATA Grafik: © Schule für Touristik,

Daher verfügen alle IATA-Tarife über einen Richtungscode ("Global Indicator/GI"), bestehend aus zwei Buchstaben - siehe hierzu auch die Karte oben. Dieser Richtungscode lässt schnell erkennen, auf welcher Route der angegebene Preis gültig ist. Folgende Richtungscodes sind von der IATA festgelegt worden (alle der genannten Codes sind in beide Richtungen anwendbar).

Flüge innerhalb TC 1:

  • WH (Western Hemisphere)
    Beispiel (1) in der Karte: NYC – SFO

Flüge innerhalb TC 2:

  • EH (Eastern Hemisphere)
    Beispiel (2a) in der Karte: FRA – JNB

Flüge innerhalb TC 3

  • EH (Eastern Hemisphere)
    Beispiel (2e) in der Karte: DEL – HKG

Flüge zwischen TC 1 und 2

  • AT (über den Atlantik)
    Beispiel (3) in der Karte: FRA – RIO

Flüge zwischen TC 3 und 1

  • PA (über den Pazifik)
    Beispiel (4) in der Karte: MNL – LAX
  • PN (Transpazifikrouting zwischen Südamerika und Südwestpazifik über Nordamerika)
    Beispiel (5) in der Karte: AKL – MEX – CCS

Flüge zwischen TC 1 und 3 über TC 2

  • AT (über den Atlantik)
    Beispiel (6) in der Karte: YMQ – OSL – KHI
  • SA (zwischen Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Uruguay und Südostasien oder dem südasiatischen Subkontinent über den (Süd-)Atlantik und entweder über (einen) Punkt(e) in Zentralafrika, im südlichen Afrika, über Inseln im Indischen Ozean oder mit direktem Flug)
    Beispiel (7) in der Karte: BUE – JKT als Direktflug oder über z. B. Johannesburg

Flüge zwischen TC 2 und 3

  • AP (über den Atlantik und Pazifik)
    Beispiel (8) in der Karte: SHA – ATL – MAD
  • TS (zwischen TC 2 - außer dem in Europa liegenden Teil von Russland - und TC 3 über die „transsibirische Route“ nur auf Nonstop-Services zwischen Europa und Japan/Korea)
    Beispiel (9a) in der Karte: SEL – STO nonstop
    Beispiel (9b) in der Karte: MNL – SEL – STO
  • FE (nur zwischen Russland - westl. des Urals -/Ukraine einerseits und TC 3 andererseits mit einem Nonstop-Sektor zwischen Russland - westl. des Urals -/Ukraine und TC 3, jedoch nicht in Japan/Korea)
    Beispiel: MOW – SIN – SYD
  • RU (zwischen Russland - westl. des Ural - und TC 3 nonstop zwischen Russland und Japan/Korea, nicht über ein anderes Land in Europa)
    Beispiel: MOW – SEL
  • EH (zwischen TC 2 - außer Russland westl. des Urals, Ukraine - und TC 3, nicht für Nonstop-Flüge zwischen Europa und Japan/Korea)
    Beispiel (2b) in der Karte: FRA – BKK –TYO
    Beispiel (2c) in der Karte: JNB – BOM
    (zwischen Russland westl. des Urals, Ukraine und TC 3 über ein anderes Land in Europa - außer Russland westl. des Urals, Ukraine - und/oder Middle East - nicht für Nonstop-Flüge zwischen Europa und Japan/Korea)
    Beispiel (2d) in der Karte: MOW – ATH – SIN

Über die Autorin

Das Basiswissen-Tutorial zum Thema Luftverkehr bietet einen Überblick zu den wichtigsten Grundlagen der Luftverkehrswirtschaft. Alle Luftverkehrs-Tutorials lesen.

Sabine Rasch Die Welt des Reisens ist seit über 30 Jahren die Leidenschaft von Sabine Rasch. Mit dem "Lehrbuch des Linienflugverkehrs“ hat die Touristik-Expertin das langjährige Standardwerk für die Ausbildung von Touristiker in Berufsschulen verfasst, auf dem diese Serie basiert. Kontaktieren Sie die Fachautorin auf www.sabinerasch.de

Von: Sabine Rasch für airliners.de
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