Innerdeutscher Verkehr wieder auf Vor-Air-Berlin-Niveau

30.10.2018 - 13:58 0 Kommentare

Es ist als hätte es die Air-Berlin-Pleite nie gegeben: Innerdeutsch sind die Kapazitäten laut BDL wieder auf dem Niveau von vor dem Marktaustritt. Gleichzeitig seien die Preise auf einem Rekordtief.

Lufthansa, Eurowings und Easyjet: Wichtige Player im innerdeutschen Verkehr. - © © Fotos: AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Jan Severijns, Matthieu Douhaire [M] -

Lufthansa, Eurowings und Easyjet: Wichtige Player im innerdeutschen Verkehr. © Fotos: AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Jan Severijns, Matthieu Douhaire [M]

Das Flugangebot im innerdeutschen Luftverkehr liegt inzwischen wieder über dem vor der Air-Berlin-Insolvenz. Diese Aussage trifft der BDL (Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft) auf der Grundlage eines Vergleichs des Gesamtangebots vom Sommer 2017 bis 2018. Hinzu kommt: "Bei den Flugpreisen haben wir in diesem Sommer historische Tiefststände gesehen."

Der Verband verdeutlicht die Aussage an den Werten von August 2017 bis 2018: Durch die Insolvenz der Air Berlin fielen hier etwa 650.000 Sitzplätze weg. Gleichzeitig erhöhten Lufthansa (plus 14,7 Prozent) und Eurowings (plus 158,0 Prozent) ihr Angebot um gut 693.000 Sitze.

Innerdeutsche Kapazitäten
Air Berlin Lufthansa Eurowings Easyjet
2017 649883 1454882 304320 0
2018 0 1668064 785002 284132

Quelle: BDL

Zusätzlich ins Gewicht fällt das Angebot des Billigfliegers Easyjet. Die Briten fliegen seit Anfang des Jahres ab Berlin-Tegel auf fünf innerdeutschen Routen. Laut BDL sind dies über 280.000 Sitzplätze, die noch mal hinzugerechnet werden müssen.

Weitere innerdeutsche Anbieter

Neben den großen Drei (Lufthansa, Eurowings und Easyjet) haben in der Vergangenheit noch 17 weitere Airlines innerdeutsche Kapazitäten angeboten. Allerdings fallen diese nicht weiter ins Gewicht. Lufthansa, Eurowings und Easyjet kommen auf einen Marktanteil von 96,5 Prozent. Nennenswert sei hier noch Ryanair mit 51.030 Sitzen sowohl 2017 als auch 2018, so der BDL. Rechnet man die Kapazitäten der Strecke Schönefeld-Köln zu Lufthansa, Eurowings und Easyjet hinzu, kommt man auf einen Marktanteil von 98,3 Prozent.

In Summe ergibt sich also im innerdeutschen Verkehr ein Plus von 2,5 Prozent, womit Lufthansa, Eurowings und Easyjet den Wegfall von Air Berlin laut BDL "überkompensiert" haben. Ins Auge sticht innerdeutsch das Wachstum von Eurowings, das auch über die Landesgrenzen hinaus im dreistelligen Prozentbereich liegt.

Billigflieger drücken Preise

Gleichzeitig haben laut BDL die Ticketpreise innerdeutsch ein Rekordtief erreicht. Nach dem Wegfall des Angebots von Air Berlin hätten die Preise innerdeutsch zwar deutlich zugenommen, doch "der zunehmende Marktanteil von Low-Cost-Carriern auf diesen Routen trug dazu bei, dass die durchschnittlichen Ticketpreise weiter zurückgingen und in diesem Sommer einen historischen Tiefstand erreicht haben".

Zur Unterstützung zieht der Verband den Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts heran: Nach dem Marktaustritt von Air Berlin Ende Oktober stiegen die Preise infolge der Angebotsreduktion zwischenzeitlich um rund sieben Prozentpunkte. Nachdem die Kapazitäten durch Wettbewerber wieder aufgefüllt wurden, sanken die Preise allerdings wieder. Im August lag das Preisniveau rund vier Punkte unter dem Stand vor der Insolvenzanmeldung.

Kartellamt untersuchte Lufthansa

Damit bekräftigt der BDL Aussagen von Lufthansa. Der Konzern hatte bereits Anfang Juli angekündigt, dass es "im Oktober gegenüber dem Vorjahr - und damit dem letzten Betriebsmonat der Air Berlin - mehr Sitzplatzkapazitäten geben" wird. Auch legte der Konzern damals schon offen, dass die Preise gerade durch den Boom der Billigflieger innerdeutsch kaum gestiegen seien.

Das Bundeskartellamt hatte nach dem Marktaustritt der Air Berlin die Preise für innerdeutsche Flüge unter die Lupe genommen und kam damals zu dem Schluss, dass diese Ende 2017 um bis zu 30 Prozent gestiegen seien. Dieser Zustand habe sich nach dem Eintritt von Easyjet auf vier innerdeutschen Strecken ab Januar aber wieder normalisiert, sodass die Behörde von einem Marktmissbrauchsverfahren gegen den Lufthansa-Konzern absieht.

© dpa, Lesen Sie auch: So entschied das Kartellamt im Lufthansa-Fall

Von: cs
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