Innerdeutsche Verbindungen auf dem Prüfstand

29.05.2019 - 16:10 0 Kommentare

Oft geforderte attraktive Bahnverbindungen können durchaus ernsthafte Konkurrenz für manche kurze Flüge sein. Eurowings stellt jetzt im Zuge einer neuen ICE-Schnellfahrstrecke für Flüge zwischen Berlin und Nürnberg ein.

Eurowings am Flughafen Nürnberg - © © Airport Nürnberg -

Eurowings am Flughafen Nürnberg © Airport Nürnberg

Die Deutsche Bahn hat Eurowings auf der Strecke von Nürnberg nach Berlin mittlerweile so viele Kunden abgenommen, dass der Billigflieger der Lufthansa die Verbindung im Juni einstellt. Der letzte Flug zwischen der Frankenmetropole und der Hauptstadt ist für 16. Juni geplant, gab die Airline bekannt. Eurowings habe nach intensiver Prüfung wegen des kontinuierlichen Passagierrückgangs entschieden, die Strecke aus dem Flugplan zu nehmen. Bislang gibt es zwölf Hin- und Rückflüge pro Woche.

Der Flughafen Nürnberg teilet auf nachfrage von airliners.de mit, dass man die die Aufgabe der Strecke in die Bundeshauptstadt bedauere, da jetzt weniger Reiseoptionen aus der Metropolregion Nürnberg nach Berlin bestehen.

Die Fluggesellschaft überprüfe ihr Streckennetz laufend und passe das Angebot an, wenn eine kontinuierliche Kundenverlagerung, beispielsweise auf die Bahn, absehbar sei. Dies ist zwischen Nürnberg und Berlin nun der Fall. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn zwischen München und Berlin werde auf der Teilstrecke ab Nürnberg stark genutzt, so ein Eurowings-Sprecher zu airliners.de. Passagiere, die nach dem 16. Juni fliegen wollten, können kostenlos auf die Bahn umbuchen.

Auch andere Strecken betroffen

Im vergangenen Jahr hatten viele Airlines nach der Air-Berlin-Pleite auf innerdeutschen Strecken kräftig aufgestockt. Mittlerweile sind aber auch auf einigen dieser Verbindungen, auch auf solchen ohne schnelle Bahnverbindung, die Kapazitäten wieder rückläufig.

© Fotos: AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Jan Severijns, Matthieu Douhaire [M], Lesen Sie auch: Innerdeutscher Verkehr wieder auf Vor-Air-Berlin-Niveau

So wurden im Sommer letzten Jahres zwischen Berlin-Tegel und Stuttgart noch 1.085.000 Sitze angeboten. Dieses Jahr gibt es im gleichen Zeitraum nur noch 986.000 Sitzplätze. Ein Rückgang um fast zehn Prozent. Das zeigt eine airliners.de-Analyse in den zwei Flugplanperioden auf Basis von CH-Aviation und OAG-Flugplandaten.

Die Verbindung Nürnberg-Hamburg schrumpft ebenso, wenn auch in geringerem Maße. Wurden letztes Jahr im Sommerflugplan noch 166.000 Sitze angeboten, gibt es dieses Jahr im Sommer nur noch 161.000 Plätze, ein Rückgang um gut drei Prozent.

Innerdeutsche Hub-Strecken wachsen weiter

Doch längt nicht alle innerdeutschen Strecken müssen auf den Prüfstand gestellt werden, denn der Trend weg vom Flieger gilt nicht überall. Auf einigen Feeder-Verbindungen für die Hubs steigt die Zahl der angebotenen Sitze unvermindert.

So beträgt beispielsweise die Gesamtkapazität auf der Strecke Düsseldorf-München im diesjährigen Sommerflugplan 1,428 Millionen Sitzplätze. Im Vorjahr hatte sie noch bei 1,254 Millionen Sitzen gelegen. Ebenso stieg die Kapazität auf der Strecken Hamburg-München von 1,384 Millionen im letzten auf 1,426 Millionen in diesem Jahr.

Und auch auf der Route zwischen Berlin und München wächst das Angebot weiter. So war zuletzt Eurowings auf der Rotation neu eingestiegen und bietet täglich bis zu vier Umläufe. Damit gibt es jetzt neben Lufthansa und Easyjet gleich drei Fluggesellschaften auf der innerdeutschen Rennstrecke.

Wo die Bahn schnell ist, ist sie erfolgreich

Für viele kürzere Routen gilt indes: Wenn die Bahn wirklich schnelle Verbindungen bietet, steigen einige Passagiere um. Die Verbindung von Nürnberg nach Berlin fällt genau diesem Erfolg der Bahn zum Opfer. Die rund zwölf Milliarden Euro teure ICE-Schnellfahrstrecke zwischen München und Berlin hatte die Bahn 2017 eröffnet und nach eigenen Angaben bereits nach einem Jahr das Flugzeug als Verkehrsmittel Nummer 1 zwischen den beiden Metropolen abgelöst. Die Fahrt zwischen Nürnberg und Berlin dauert je nach Zug dreieinhalb bis viereinhalb Stunden.

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Ähnliches war der Strecke Hamburg-Berlin im Jahr 2002 widerfahren. Wie das Hamburg Abendblatt berichtete, hatte die Lufthansa die nur 260 Kilometer lange Ultrakurzstrecke eingestellt, nachdem die Bahn die Fahrzeit zwischen den beiden größten deutschen Städten deutlich verkürzt hatte. Dadurch hatte das Flugzeug keine Chance mehr und die Auslastung sank auf 30 Prozent. Heute beträgt die Fahrzeit mit dem ICE rund 1:40 Stunde von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Geflogen wird gar nicht mehr.

© airliners.de, Lesen Sie auch: Der Stress kam in Mannheim Schiene, Straße, Luft (30)

Ohnehin haben zur Zeit nur wenige Fluggesellschaften innerdeutsche Flüge im Angebot. Neben den beiden Airlines aus der Lufthansa Group fliegt Easyjet sechs Strecken ab Berlin (Frankfurt, München, Köln/Bonn, Düsseldorf, Stuttgart, Sylt). Condor (Düsseldorf-Sylt), Ryanair (Berlin-Köln/Bonn), Rhein-Neckar-Air (Mannheim-Berlin, -Hamburg, -Sylt), Sun Air (Friedrichshafen-Hamburg, -Düsseldorf) und Luxair (Saarbrücken-Berlin, -Hamburg) bieten weitere innerdeutsche Routen an. Hinzu kommen einige Dreiecks- und Positionierungsflüge, unter anderem von Charterairlines.

Von: hr
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