Artikel vom 05.12.2011 0
Exklusiv-Reisen bescheren Tui Travel Gewinn Umsatzsteigerung
© TUI
Logo der TUI Travel plc
Lukrative Exklusiv-Urlaube haben Europas größten Reiseveranstalter Tui Travel mitten in der Wirtschaftskrise zurück in die Gewinnzone gehoben. Im Geschäftsjahr bis Ende September trotzte die wichtigste Tochter des deutschen Reisekonzerns Tui den Unruhen in Nordafrika und erzielte ausgerechnet im wirtschaftlich schwer gebeutelten Großbritannien einen Rekordgewinn. In der laufenden Wintersaison spürt Vorstandschef Peter Long allerdings die Zurückhaltung der Kunden. Ernsthafte Sorgen macht er sich dennoch nicht, wie er am Montag deutlich machte.
Die Tui-Travel-Aktie konnte die anfangs deutlichen Kursgewinne nicht lange verteidigen. Am Nachmittag lag sie mit 0,18 Prozent im Plus bei 169,90 britischen Pence. Die Aktie des Mutterkonzerns Tui kam mit 4,219 Euro auf ein Plus von 0,45 Prozent.
Kurze Hoffnung auf Hapag-Investor
Bei den Tui-Aktionären zerschlug sich die Hoffnung von Investoren auf einen Käufer für die verbliebenen Anteile an der Container-Reederei Hapag-Lloyd. Die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur dementierte Medienberichte, denen zufolge sie einen neuen Anlauf für den Einstieg bei Hapag-Lloyd plant. Tui hält 38,4 Prozent an der Hamburger Reederei und arbeitet seit Jahren an dem Verkauf der Anteile, um das Geld in die Touristik zu investieren. Auch über eine Komplettübernahme von Tui Travel wurde immer wieder spekuliert. Derzeit hält Tui gut 55 Prozent an der Veranstaltertochter.
Im Geschäftsjahr bis Ende September verdiente Tui Travel unter dem Strich 85 Millionen Pfund (99 Mio Euro). Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen wegen der Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island einen Verlust von 123 Millionen Pfund hinnehmen müssen. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 14,7 Milliarden Pfund zu. Der um Sonderfaktoren wie die Vulkanasche-Wolke bereinigte operative Gewinn stieg um 18 Prozent auf 471 Millionen Pfund und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Die Aktionäre sollen mit einer von 11,0 auf 11,3 britische Pence gestiegenen Dividende an dem Erfolg teilhaben.
Spanische Inseln gefragt
Während die Begeisterung für Reisen nach Ägypten, Tunesien und Marokko angesichts der politischen Umbrüche in Nordafrika stark nachließ, profitierten andere Regionen. "Die spanischen Inseln Mallorca, Menorca und die Kanaren kamen in diesem Jahr deutlich zurück", sagte Tui-Travel-Chef Long. Auch die griechischen Inseln und die Türkei seien sehr gefragt gewesen.
Bei den britischen Urlaubern konnte Tui Travel im Gegensatz zum Branchenzweiten Thomas Cook (Neckermann Reisen, Condor) deutlich punkten. Vor allem Exklusiv-Reisen sorgten dort sogar für einen Rekordgewinn. Thomas Cook kämpft in Großbritannien mit einer schwachen Nachfrage. Zuletzt musste der Konzern die Vorlage seiner Jahresbilanz verschieben, weil das Management noch neue Kreditlinien mit den Banken aushandeln musste.
Mehr Online-Vertrieb
Long setzt unterdessen weiter auf individuelle und exklusive Reiseangebote. Dabei geht es etwa um Hotels, die kein anderer Veranstalter im Programm hat. Diesen Anteil will das Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich vergrößern. Außerdem will Long deutlich mehr Reisen im Internet verkaufen: "Das Online-Geschäft hilft uns, den Vertrieb stärker in die eigene Hand zu nehmen." Angesichts der Wirtschaftsentwicklung wird der Manager allerdings vorsichtiger: "Die Aussichten werden in einigen Märkten trüber, weil die Menschen mehr Angst um ihre Jobs haben."
Mit der laufenden Wintersaison zeigte sich Long trotz nachlassender Nachfrage zufrieden. "Wir erwarten spätere Buchungseingänge wegen der Ereignisse in Nordafrika", sagte er. Länder wie Ägypten ziehen sonst im Winter viele Sonnenhungrige an, die nun verunsichert sind. Das schlägt auch auf die gesamten Winterbuchungen durch: In Großbritannien und Frankreich zählte Tui Travel bislang zwölf Prozent weniger Urlauber als ein Jahr zuvor, in Deutschland beläuft sich das Minus auf acht Prozent.
Kostenschraube
Unterdessen dreht Tui Travel weiter an der Kostenschraube. Im Zuge der bereits angekündigten Einsparungen bei der Tochter Tui Deutschland sowie dem Umbau des Frankreich-Geschäfts soll der operative Gewinn binnen der kommenden drei Jahre um 107 Millionen Pfund verbessert werden. Das sind 29 Millionen mehr als bisher angekündigt.
Stand: 05.12.2011 - 3:18 PM Uhr
Quelle: dpa-AFX
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