Artikel vom 20.07.2011 0

Milliardenaufträge für Airbus und Boeing American ordert 460 Flugzeuge

American Airlines tätigt die größte Flugzeugbestellung aller Zeiten. Die Nummer drei der US-Gesellschaften ordert den Großteil der Jets dabei überraschenderweise bei Airbus. Beim Hauslieferanten Boeing werden zunächst 100 Boeing 737NG bestellt. Die nächsten 100 sollen dann nach dem Vorbild des A320neo neue Triebwerke erhalten.

Airbus A319 mit Sharklets in American-Lackierung

Airbus triumphiert über Boeing: Der europäische Flugzeugbauer hat sich den Löwenanteil am größten Auftrag der Luftfahrtgeschichte gesichert und damit seinen US-Erzrivalen auf die Plätze verwiesen. Die Megabestellung kommt ausgerechnet von American Airlines - bislang ein treuer Boeing-Kunde.

American Airlines ordert 460 Kurz- und Mittelstreckenjets und sichert sich Optionen auf 465 weitere Maschinen, wie der Mutterkonzern AMR am Mittwoch mitteilte. Einen Auftragswert nannte die Linie nicht, überschlägig kommt alleine die Festbestellung nach Listenpreisen auf 40 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro). Bei derart großen Aufträgen sind aber Rabatte im zweistelligen Prozentbereich üblich.

Kunden gewonnen

Bislang bestellen die meisten US-Gesellschaften immer noch bei ihrem Haus- und Hoflieferanten Boeing. Nun aber entfallen auf die EADS-Tochter Airbus alleine 260 der Festbestellungen und sogar 365 der möglichen weiteren Maschinen. "Wir sind sehr stolz und hoch erfreut, dass wir American Airlines erneut zu unseren globalen Kunden zählen können", sagte Airbus-Chef Tom Enders.

Die Europäer haben American Airlines mit ihren neuen, spritsparenden A320neo-Modellen gewonnen, die bereits auf der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget abgeräumt hatten. Die Flugzeuge sind eine Weiterentwicklung der weit verbreiteten A320-Modellfamilie und sollen dank neugestalteter Tragflächen und neuer Triebwerke 15 Prozent weniger Sprit verbrauchen.

Veraltete Flotte

Die Flotte von American Airlines umfasst mehr als 900 Maschinen, von denen viele aber schon in die Jahre gekommen sind. So fliegt die Gesellschaft unter anderem die McDonnel-Douglas MD-80, die im Schnitt 20 Jahre auf dem Buckel haben. American Airlines hat bereits mit der Modernisierung begonnen und setzte dabei bis zuletzt auf Boeing.

Doch Airbus hat mit seiner A320neo das Ruder herumreißen können. Auf der Messe in Le Bourget heimste der Hersteller mehr als 600 Bestellungen für den neuen Typ ein, davon alleine 200 von der malaysischen Fluggesellschaft AirAsia – der bisher größte Auftrag der Luftfahrt-Geschichte. Boeing kam mit seinem in die Jahre gekommenen Konkurrenzmodell 737 auf 77 Bestellungen.

Neue Triebwerke für die 737

Boeing musste American Airlines nun versprechen, auch die 737 über die Zeit mit neuen Triebwerken auszurüsten. Die Wurzeln der Maschine reichen bis in die 1960er Jahre zurück; zuletzt ist die 737 Mitte der 1990er Jahre grundlegend modernisiert worden.

Von den 200 Maschinen, die American Airlines bei seinem Stammlieferanten bestellt, sollen 100 herkömmliche Flieger des Typs 737 Next Generation sein. Die übrigen 100 sollen mit dem Antrieb Leap-X des amerikanisch-französischen General-Electric-Ablegers CFM ähnlich wie das Konkurrenzmodell A320neo zum Spritsparen aufgerüstet werden.

Noch im Juni hatte Boeing-Manager Jim Albaugh angedeutet, dass das Unternehmen lieber einen komplett neu entwickelten Mittelstreckenjet auf den Markt bringen würde. Dieser wäre aber nicht vor 2020 fertig.

Die American-Order könnte zudem bei den einheimischen Wettbewerbern weitere Boeing-Bestellungen auslösen, denn auch die Inlandsflotten von United Continental und Delta Air Lines sind in die Jahre gekommen.

Hilfe bei Finanzierung

Um die Riesenbestellung stemmen zu können, mussten die Hersteller American Airlines mit einer Finanzierung von 13 Milliarden Dollar unter die Arme greifen - damit seien die ersten 230 Maschinen komplett abgedeckt, schrieb die Airline.

Die drittgrößte US-Fluglinie schreibt immer wieder hohe Verluste - zuerst belastete die Wirtschaftskrise das Unternehmen, jetzt sind es die hohen Spritpreise. Alleine im zweiten Quartal verlor American Airlines 286 Millionen Dollar. Um sich Luft zu verschaffen, soll die Regionaltochter American Eagle abgespalten werden.

Stand: 20.07.2011 - 3:47 PM Uhr

Quelle: dpa-AFX

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