Artikel vom 27.01.2012 0
Musterprozess zwischen Vielflieger und Lufthansa beginnt
© dpa /Jens Büttner
'Miles & More'-Kreditkarte der Lufthansa
Vor dem Kölner Landgericht hat am Freitag der Prozess zwischen einem Vielflieger und der Lufthansa begonnen. Der Hamburger IT-Professor Tobias Eggendorfer verklagt die Fluggesellschaft, weil sie seiner Meinung nach rechtswidrig sein Konto beim Bonusprogramm «Miles & More» entwertet hat. Lufthansa hatte zum Jahresbeginn 2011 die Geschäftsbedingungen geändert und damit die Prämien für gesammelte Meilen gesenkt. Mit einem Schlag hatte sich Eggendorfers Konto nach eigenen Angaben um rund 30 Prozent entwertet. «Das ist keine alltägliche Geschichte», sagte der Vorsitzende des Gerichts, Bernhard Offermann.
Auf eine Ausgleichszahlung konnten sich Eggendorfer und Vertreter der Lufthansa in dem Verfahren mit einem Streitwert von 20.000 Euro nicht einigen.
Das Unternehmen hatte dem Vielflieger den Angaben zufolge insgesamt 45.000 Prämienmeilen als Wiedergutmachung angeboten. «Das jetzige Angebot ist eine Unverschämtheit», sagte Eggendorfer. «Da können sie mir auch eine Flasche Sekt schicken», sagte der Informatiker nach dem Verhandlungstermin.
Beispielsweise verlangt die Lufthansa jetzt für einen Hin- und Rückflug nach New York mit Prämienmeilen in der Business-Klasse 105.000 Meilen, also 15.000 Meilen mehr als zuvor.
Lufthansa-Vielflieger erwarten das Urteil mit Spannung. «Wir vertreten viele Lufthansa-Kunden, die die Signalwirkung von diesem Verfahren abwarten wollen», sagte der Anwalt einer Münchner Kanzlei, der am Freitag als Beobachter am Kölner Gericht erschienen war. Bis zum April rechnet seine Kanzlei mit rund 1000 Mandaten, die zu einer Sammelklage gegen Lufthansa zusammengefasst werden könnten. «Das schlägt in der Gemeinde der Vielflieger enorme Wellen.»
Bis Ende 2010 haben sich die rund 20 Millionen Kunden des Bonusprogramms nach Angaben der Lufthansa 198 Milliarden Meilen erflogen. Gegenwert seien heute 1,88 Millionen Business-Tickets in die USA nach zuvor 2,2 Millionen, hatte die «Financial Times Deutschland» errechnet. Bei einem Ticketpreis von 3000 Euro ergibt sich daraus eine Differenz von 960 Millionen Euro.
Stand: 27.01.2012 - 3:40 PM Uhr
Quelle: dpa
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