Artikel vom 03.02.2012 0
Umweltbundesamt fordert stärkere Fluglärmminderung
Erneute Proteste erwartet
© dpa /Robert Schlesinger
Silhouette eines Flugzeugs im Landeanflug
Das Umweltbundesamt hat beim Ausbau von Flughäfen in Deutschland angemahnt, alle Möglichkeiten zur Lärmminderung auszuschöpfen. Die Bevölkerung reagiere in den vergangenen Jahrzehnten deutlich stärker auf die Lärmbelastung durch den Flugverkehr, sagte Behördenpräsident Jochen Flasbarth der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit protestieren regelmäßig Tausende im Rhein-Main-Gebiet gegen den Fluglärm des Frankfurter Flughafens, auch in Berlin und München gibt es Bürgerbewegungen gegen die dortigen Airports.
Bei der Entscheidung für Standorte müsse die Maßgabe gelten, dass ein Flughafen aus Lärmschutzgründen nicht in unmittelbare Stadtnähe gehöre. Wenn der Standort einmal festgelegt sei, gebe es im direkten Umfeld kaum noch Spielräume zur Lärmbekämpfung. An stadtnahen Flughäfen wäre aus Sicht des Amts generell ein Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr notwendig.
An diesem Samstag sind am größten deutschen Flughafen in Frankfurt/Main sowie in Berlin-Schönefeld Demonstrationen gegen Fluglärm geplant. Allein in Frankfurt rechnen die Veranstalter mit rund 10.000 Teilnehmern.
Großdemonstration in Frankfurt geplant
Vier Tage vor dem nächsten Fluglärmgipfel, zu dem Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der nächsten Woche nach Wiesbaden eingeladen hat, wollen lärmgeplagte Bürger aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet anreisen. Wegen der erwarteten großen Zahl solle im und vor dem Flughafengebäude demonstriert werden, sagte Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau. Die Polizei erwartet keine Zwischenfälle.
Um 12.00 Uhr mittags wollen sich die Demonstranten in der Abflughalle von Terminal Eins treffen. Danach werde es eine Kundgebung auf dem Busbahnhof vor dem Terminal eine Etage tiefer geben, sagte eine Polizeisprecherin. Draußen sollen Lautsprecherwagen für die Redner aufgestellt werden, damit drinnen der Abfertigungsbetrieb nicht gestört wird. Vom Flughafenbetreiber Fraport gibt es keine Stellungnahme zu den Demonstrationen. Das Unternehmen muss die Proteste auf seinem Gelände dulden, denn vor einem Jahr hatte das Bundesverfassungsgericht das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausdrücklich auch für den Flughafen bestätigt.
Seit der Eröffnung der neuen Landebahn am größten deutschen Airport im Oktober wächst der Protest in der gesamten Region. Zwar gilt seitdem ein Nachtflugverbot für den gesamten Flughafen, aber tagsüber bekommen wesentlich mehr Menschen den Lärm ankommender Maschinen ab als vorher. Eine endgültige Entscheidung über Nachtflüge steht noch aus - das Bundesverwaltungsgericht verhandelt ab Mitte März darüber.
Immer montags demonstrieren die Mitglieder der rund 60 im Bündnis zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen im Terminal. Die Demonstranten fordern ein dauerhaftes striktes Nachtflugverbot, einige auch eine Stilllegung der neuen Bahn. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten sind am Samstag Anti-Fluglärmdemonstrationen angekündigt.
Auf dem für den 8. Februar geplanten Fluglärmgipfel der hessischen Landesregierung sollen Maßnahmen vorgestellt werden, um die Lärmbelastung zu reduzieren. Dabei geht es unter anderem um veränderte Anflugverfahren. Fraport, die Fluggesellschaften und die Deutsche Flugsicherung hatten den Auftrag bekommen, ein Maßnahmenpaket auszuarbeiten.
Stand: 03.02.2012 - 9:07 AM Uhr
Quelle: dpa
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