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Artikel vom 11.11.2011 0

Parallelanflüge unter beengten Bedingungen DLR testet neues System

Flughäfen mit dicht nebeneinanderliegenden Landebahnen haben ein Problem: Die Bahnen können bislang nicht unabhängig voneinander angeflogen werden. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat nun in mehreren Flugversuchen ein System getestet, das trotz enger Verhältnisse einen automatischen Parallelbetrieb ermöglicht.

Parallelanflug-Tests der DLR in Braunschweig

Um die Start- und Landekapazität von Flughäfen zu erhöhen, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein neues Anflugverfahren am Braunschweiger Forschungsflughafen getestet. Mit dem neu entwickelten Flugführungssystem können Flugzeuge in dichter zeitlichen Abfolge auch Landebahnen benutzen, die dicht nebeneinanderliegen.

Bei den Versuchen flogen die beiden DLR-Forschungsflugzeuge ATTAS (Advanced Technologies Testing Aircraft System), eine VFW614, und das Forschungsairbus A320 ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) etwa 250 Meter nebeneinander und sehr kurz hintereinander versetzt den Flughafen an. Zu einer Landung kam es bei den Versuchen nicht. Sie wurde aufgrund der fehlenden parallelen Landebahn am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg lediglich simuliert.

Über das neue System empfängt das nachfliegende Flugzeug automatisch zwei Mal pro Sekunde die Positionsdaten des vorausfliegenden Flugzeugs. "Diese Informationen verarbeitet es", erläuterte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts, Thomas Ludwig.

"Im Mittelpunkt der aktuell durchgeführten Versuche standen vor allem die Genauigkeiten, die durch den Einsatz der neuen Systeme erzielt werden können", fasst Ludwig die Tests zusammen. "Ein notwendiges Ziel ist es, dass das nachfolgende Flugzeug in einem vorgegebenen Zeitfenster von fünf bis fünfundzwanzig Sekunden hinter dem vorausfliegenden Flugzeug einschwenkt und diesem folgt." Die Versuche zeigten eine Genauigkeit des Systems von plus/minus drei Sekunden. Das nachfolgende Luftfahrzeug muss also in einem Zeitfenster von zwölf bis achtzehn Sekunden einschwenken. Die Daten und Erkenntnisse werden nun genutzt, um das System weiterzuentwickeln.

Die Idee, Flugzeuge auf dicht beieinander liegenden Bahnen parallel landen zu lassen, ist nicht neu. In San Francisco beispielsweise fliegen Flugzeuge bei einem hohen Verkehrsaufkommen parallel an. Die Verantwortung für die Staffelung des parallel anfliegenden Verkehrs wird bisher vollständig auf den Piloten übertragen, der manuell dem voran fliegenden Flugzeug folgt. Da dabei auf Sicht geflogen wird, kann die parallele Staffelung nur bei guten Wetterverhältnissen durchgeführt werden.

Das vom DLR neu entwickelte Flugführungssystem dagegen unterstützt den Piloten bei der Staffelung oder kann diese sogar automatisch ausführen. Die genauen Informationen über die exakte Position beider Flugzeuge sind durch das Satellitennavigationssystem GPS (Global Positioning System) bekannt. An Bord der jeweiligen Flugzeuge sorgt das getestete System dafür, dass sich die Flugzeuge automatisch im vorgeschriebenen Abstand einfädeln.

Bisher müssen parallele Bahnen aus Sicherheitsgründen einen Abstand von mindestens 4.300 Fuß (1.311 Meter) haben, um als unabhängig voneinander zu gelten. Ist der Abstand kleiner, muss ein zeitlicher Abstand zwischen den ankommenden Luftfahrzeugen eingehalten werden - auch wenn sie die verschiedenen Landebahnen des Flughafens anfliegen. Grund dafür sind vor allem die Luftverwirbelungen der voranfliegenden Flugzeuge. Diese sogenannten Wirbelschleppen können für ein folgendes Flugzeug gefährlich werden.

Links: DLR-Institut für Flugführung

Stand: 11.11.2011 - 1:13 PM Uhr

Quelle: DLR, dpa

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