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"Topbonus": In der Not sparen gelernt?

01.02.2018 - 12:28 0 Kommentare

"Topbonus" will wieder auf die Beine kommen. Karl Born erreichte die Meldung zusammen mit einer anderen spannenden Nachricht - eine Personalie, die zum Thema passt.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Air Berlin hatte mal ein eigenes Meilenrogramm namens "Topbonus", das Ende 2012 zum Zwecke der Geldbeschaffung mehrheitlich an den Gesellschafter Etihad verkauft wurde. Nach der Insolvenz von Air Berlin musste auch "Topbonus" Insolvenz anmelden.

In den vergangenen Wochen hing das Überleben von "Topbonus" an dem berühmten seidenen Faden. Jetzt plötzlich eine Riesenüberraschung: Der Geschäftsführer von "Topbonus", Anton Lill, lässt alte Air-Berlin-Statuskarten versenden. Gibt es sie doch die berühmte Zeitschleife, die einen auch mal in die Vergangenheit schweben lässt?

Es ist alles wie früher: sehr präzise. Im Briefkopf des Anschreibens steht immer noch Air Berlin. Auf der Vorderseite der Karte findet sich noch das Logo der Flugallianz Oneworld (Air Berlin ist da schon seit Monaten draußen) und auf der Karte steht noch "Topbonus Air Berlin". Das erweckt natürlich den Eindruck, dass alles wieder gut ist und die Vielflieger Vorteile weiter gelten.

Vorrat im Keller aufbrauchen

Wie sieht des Rätsels Lösung aus, denn an eine Genesung des Bonusprogrammes mag man nicht glauben. "Topbonus". Pressesprecher Christoph Möller versucht in "Bild" zu erklären: "Da ohnehin noch viele gültige Karten (mit und ohne Status) im Umlauf sind, wird für eine Übergangsphase noch auf vorhandene Rohlinge zurückgegriffen." Daraus lese ich: Wir wollen sparen und brauchen erst mal unseren Kartenvorrat im Keller auf, bevor wir neue machen lassen.

Wow, eine Gesellschaft, die in der Vergangenheit nicht gerade durch extensives Sparen aufgefallen ist, versucht zu sparen. Wenn man Sparen aber nicht richtig verinnerlicht hat, kann man es leider doch nicht. Diese Sparaktion ist hochgradig schwachsinnig. Sorry. Man könnte auch von einer (vorsätzlichen?) Irreführung reden. Tatsächlich hat das Programm heute im Wesentlichen nur Vorteile bei Etihad und neuerdings auch bei Germania.

Leider ist diese Nachricht in meinem Kopf zusammengetroffen mit der Nachricht, dass Cem Özdemir Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Verkehr wird. Dann lese ich noch ein Interview mit ihm: "Die Aufgabe reizt mich ungemein und das Thema ist mir vertraut." Da war doch mal was? Ja, Özdemir trat 2002 im Rahmen der sogenannten Bonusmeilen-Affäre zurück, weil er dienstlich erworbene Bonusmeilen privat eingelöst hatte.

Achtung: Bei Bonusprogrammen besteht stete Glatteisgefahr.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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