Pilotenstreiks sorgen für Spannungen innerhalb des Lufthansa-Personals

30.11.2016 - 16:25 0 Kommentare

Innerhalb des Lufthansa-Konzerns sind die Streiks der Piloten nicht unumstritten. Mehrere hundert Menschen nahmen jetzt an einer Anti-Piloten-Demo teil - von der sich andere Arbeitnehmervertretungen distanzierten.

Teilnehmer einer Kundgegung in Frankfurt fordern am 30. November 2016 ein Ende der Streiks bei den Lufthansa-Piloten.

Teilnehmer einer Kundgegung in Frankfurt fordern am 30. November 2016 ein Ende der Streiks bei den Lufthansa-Piloten.
© dpa - Uwe Anspach

Lufthansa-Piloten gehen am 30. November 2016 in Frankfurt bei einer Kundgebung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zur Lufthansa-Unternehmenszentrale

Lufthansa-Piloten gehen am 30. November 2016 in Frankfurt bei einer Kundgebung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zur Lufthansa-Unternehmenszentrale
© dpa - Uwe Anspach

Rüdiger Fell, Bundesvorsitzender der Vereinigung Boden und Mitglied des Lufthansa-Betriebsrates Frankfurt Boden

Rüdiger Fell, Bundesvorsitzender der Vereinigung Boden und Mitglied des Lufthansa-Betriebsrates Frankfurt Boden
© dpa - Uwe Anspach

Im Lufthansa-Konzern formiert sich Widerstand gegen die streikenden Piloten. Bis zu 400 Lufthansa-Beschäftigte demonstrierten jetzt nach Polizeischätzungen vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen gegen den Kurs der Piloten. Der Lufthansa-Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatte ohne Rückendeckung der Gewerkschaften dazu aufgerufen. Zeitgleich fand eine Kundgebung von etwa 400 Piloten statt.

Die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) hatte für Dienstag und Mittwoch erneut zu Ausständen aufgerufen, um ihrer Forderung nach deutlich mehr Geld Nachdruck zu verleihen. An den beiden Tagen sollten erneut rund 1700 Flüge der Kernmarke Lufthansa ausfallen.

Der Betriebsrat Frankfurt Boden forderte ein schnelles Ende des "zerstörerischen Streits" und verlangte von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. "Was immer die Piloten herausholen, muss am Ende des Tages an anderen Stellen im Unternehmen gegenfinanziert werden", sagte der Vorstand der Vereinigung Boden, Rüdiger Fell, der DPA.

Fell: Schweigende Mehrheit hat von Streiks die Nase voll

"Es herrscht große Angst um die Unternehmenszukunft am Boden, bei der Technik und der Cargo", sagte das Betriebsratsmitglied. Die Piloten würden mit ihren fortgesetzten Streiks die Lufthansa- Mitarbeiter ebenso in Geiselhaft nehmen wie die Passagiere. Bei Lufthansa gebe es eine schweigende Mehrheit, die von den Streiks die Nase voll hätten.

Auch ihm und seinen Mitstreitern liege es aber fern, über die VC und die Piloten ein "Scherbengericht" abzuhalten, sagte Fell. "Aber die Piloten müssen uns und unsere Sorgen endlich wahrnehmen. Was sie als Erhöhung fordern, haben viele Kollegen an der Station Frankfurt als volles Gehalt." Die Piloten sollten in die Schlichtung einwilligen und darauf verzichten, ihre Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen.

Nicht nur Ufo hält Demonstration für falsch

Die Kabinengewerkschaft Ufo distanzierte sich zuvor ausdrücklich von der Demonstration gegen die Piloten. Der Aufruf sei ein "bitteres Armutszeugnis" für das Gremium, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. Verdi hatte sich ähnlich geäußert. "Wir halten die Demonstration für falsch und haben unsere Mitglieder aufgefordert, daran nicht teilzunehmen", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Die Verdi-Vertreter im Betriebsrat hätten sich ausdrücklich gegen die Aktion gewendet.

Auch die Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (Agil) sprach sich ausdrücklich gegen die Aufforderung des Frankfurter Betriebsrates aus. Eine "Demonstration", die sich gegen eine einzelne Belegschaftsgruppe richtet, sei weder zielführend, noch sei sie ein Ausdruck des respektvollen Umgangs unter Kollegen, hieß es in einer Mitteilung.

© dpa, B. Roessler Hintergrund: Ende des Lufthansa-Pilotenstreiks ist nicht in Sicht

Der Bundesvorstand der Vereinigung Luftfahrt betonte ebenfalls, dass eine Demonstration gegen eine andere Gewerkschaft während laufender Verhandlungen nicht ihrem Verständnis eines kollegialen Umgangs zwischen Belegschaftsgruppen und Gewerkschaften entspreche. Deshalb distanziere auch sie sich ausdrücklich von dem Aufruf.

Der Boden-Betriebsrat Frankfurt wird von vier Mitarbeitergruppen geführt. Neben der DGB-Gewerkschaft Verdi sind die Vereinigung Boden, die Unabhängigen Lufthanseaten sowie die Vereinigung Luftfahrt vertreten.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

Von: gk, dpa
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