Die Born-Ansage (37) ( Gastautor werden ) In China kräht kein Hahn nach Hahn

07.07.2016 - 11:09 0 Kommentare

In China ist 2017 das Jahr des Hahns - aber deshalb gleich einen gleichnamigen Flughafen kaufen, geht den Chinesen dann doch zu weit. Kolumnist Karl Born findet: Beim Desaster um den Hahn-Verkauf sehen alle Beteiligten gerupft aus.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

"Wenn Du ein totes Pferd reitest, steige ab", denn nur den Reiter zu wechseln, bringt nichts - so endete vor einem Monat meine Kolumne zum Verkauf des Flughafens Hahn. Jetzt fällt mir dazu nur noch ein: "Jetzt geht's rund, sagte der Hahn und flog in den Ventilator." Und so gerupft sehen jetzt alle Beteiligten aus.

Es wäre ja auch zu schön gewesen, einen Dummen gefunden zu haben, der für einen wirtschaftlich maroden Flughafen einen den Angaben zufolge "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" gezahlt hätte. Da ist die öffentliche Hand (als Synonym für Kommunen und Bundesländer) immer so leichtgläubig, wenn ein "Investor" das Blaue vom Himmel verspricht. Hauptsache: Problem gelöst. Leider oft nur für kurze Zeit.

Einfach mal in Lübeck nachfragen!

Spätestens nach den bitteren Erfahrungen mit dem Verkauf des Flughafen Lübecks hätte man dort mal nachfragen sollen. Dort grüßte nicht täglich das berühmte Murmeltier, sondern fast zweijährlich ein neuer Investor.

Verdammt, das müsste sich doch bis zu den letzten Füchsen im Hunsrück herumgesprochen haben. Hat es aber entweder nicht - oder man wollte es nicht hören. Jedenfalls sagte die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Beck - Entschuldigung, das war ein Nürburgring-Flashback, muss natürlich Malu Dreyer heißen -, "dass man alles an Sicherheiten eingeholt hätte, was möglich ist". Hat man aber nicht.

Dass vom "Generalbevollmächtigten" Yu Tao Chou nur bekannt ist, dass er als Pilot öfters mal den Hahn angeflogen hat? Kein Problem.

Dass der für die chinesischen Käufer bevollmächtigte Unterzeichner des Vertrags ein Bernsteinhändler aus Idar-Oberstein ist? Kein Problem.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Bernsteinhändler unterschrieb Kaufvertrag für Flughafen Hahn

Dabei hätte man hier besonders vorsichtig sein müssen, denn nach eigenen Angaben verkauft der Händler seit drei Jahren Schmuckstücke nach China. Wenn er Experte für Schmuckstücke ist, wie kommt er dann auf den Airport Hahn?

Ein China-Besuch, der alles ändert

Die Nagelprobe ist immer, wenn die Kaufsumme auf den Tisch muss, insbesondere wenn der Käufer um Verlängerung der Zahlungsfrist bittet. Oh, muss da Panik in der Regierungszentrale in Mainz ausgebrochen sein.

Jetzt endlich schickte man den Innenstaatssekretär Rudolf Stich Richtung Shanghai auf Spurensuche nach dem ominösen Investor. Mit einem ernüchternden Ergebnis: In China kräht kein Hahn nach Hahn. 2017 ist zwar nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Hahns, aber deshalb einen gleichnamigen Flughafen kaufen? Nein - oder wie es China heißt: bú!

Selten ist eine Dienstreise wie die des Staatsekretärs so verspätet gewesen, vor Vertragsabschluss hätte sie mehr Sinn gemacht. Aber auch die hochgelobte Beratungsfirma KPMG hat sich nicht mit Ruhm bekleckert.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Hahn-Verkauf an chinesischen Investor wohl endgültig gescheitert

Jetzt rückt sie heraus, dass sie bei ihrer Prüfung nur auf der Basis "öffentlich zugänglicher Quellen" vorgegangen ist. Auf gut deutsch: sie hat nur gegoogelt (würde mich interessieren, wie hoch die Beratungsgebühr dafür war). Sorry, das hätte man auch im Sekretariat des Innenministeriums erledigen können.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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